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Gesichts- oder Fingerabdruckerkennung? Bloß nicht ...

13.06.2017 - 10:45 0 Kommentare

Gesichtserkennung und Fingerabdrucksanncer statt Ausweis: Biometrische Technologien sind auf dem Vormarsch. Doch die Technik hat zum Teil massive Nachteile, findet "Digital Passenger" Andreas Sebayang.

Ein weiblicher Fluggast hält bei der Grenzkontrolle der Bundespolizei am Flughafen in Frankfurt vier Finger auf einen Scanner des Smart Borders Grenzkontrollsystems. - © © dpa - Christoph Schmidt

Ein weiblicher Fluggast hält bei der Grenzkontrolle der Bundespolizei am Flughafen in Frankfurt vier Finger auf einen Scanner des Smart Borders Grenzkontrollsystems. © dpa /Christoph Schmidt

Wäre es nicht schön, wenn ich als Passagier komplett ohne Papierkram von Zuhause bis ins Flugzeug könnte? Fluggesellschaften wie auch Flughäfen experimentieren schon damit, dass ihre Kunden sich mit biometrischen Merkmalen anmelden. Doch was passiert mit meinem Fingerabdruck und dem gespeicherten Gesicht? Ist das wirklich sicher? Solange diese Zweifel nicht ausgeräumt wurden, sollte diese Technik nicht eingeführt werden, denn Biometrie hat teilweise massive Nachteile, verglichen mit der guten alten Ausweistechnik.

Denn was die experimentierenden Teilnehmer rund um die Biometrie gerne vergessen, ist der Umstand, dass es um Identifizierungsmerkmale geht, die im Falle eines Verlustes oder Missbrauchs nicht einfach ausgetauscht werden können. Was passiert zum Beispiel, wenn mein Fingerabdruck zentral bei der Fluggesellschaft gespeichert wird und diese dann entweder gehackt wird oder aufgrund einer Pleite ihre Datenschätze verkaufen muss?

Gesicht und Fingerabdruck kann man nicht sperren lassen

Wenn hingegen mein Ausweis geklaut wird oder eine legitime Kopie dessen nicht wie vorgesehen vernichtet wird, kann ich ihn sperren lassen. Das schließt zwar auch keinen Missbrauch aus, weil die Sperrung nur selten abgefragt wird, aber ich bin rechtlich auf der sicheren Seite, sollte jemand mit meinem nachweislich gesperrten Ausweis etwas Kriminelles tun. Meinen Fingerabdruck oder mein Gesicht kann ich jedoch nicht sperren lassen. Wichtig wäre es.

Denn zumindest Fingerabdrücke sind nach derzeitigem Stand der Technik alles andere als unkopierbar. Eine Lebenderkennung ist noch lange kein Standard, selbst bei staatlichen Institutionen, die oft trotzdem noch einen Personalausweis parallel zum Fingerabdruck an der Grenze verlangen. Ein Grund mehr, warum private Unternehmen diese Daten nicht in Massen zur zentralen Verarbeitung erheben sollten. Und sei es nur für so harmlose Dinge wie den Lounge-Zugang im Flughafen. Dafür ist die Technik völlig überdimensioniert und das Schadenspotenzial zu hoch.

Venenscanner sind hygienischer

Dazu kommt das Hygieneproblem, wenn jeder einzelne Fluggast aus der ganzen Welt eine standardisierte Stelle berührt, diese nicht regelmäßig gesäubert wird und die Hygiene des Fluggastes vielleicht auch nicht die beste ist. Aus diesem Grund wurde einmal der Venenscanner entwickelt, der bis heute nicht überlistet wurde und ähnlichen Komfort bietet, allerdings kann das Venenmuster ebenfalls nicht gesperrt werden.

Die Gesichtserkennung hat ähnliche Probleme. Zwar wird kaum einer mit einer Gesichtsmaske den Flughafen betreten - das wäre doch arg auffällig - aber auch hier kann der Missbrauch nicht ausgeschlossen werden. Zumal die Video-Identifikation auch immer wichtiger wird. Immerhin hat der Flughafen Helsinki lobenswerterweise aus Datenschutzgründen in seinem Test gar kein Gesicht gespeichert, sondern nur ein abstraktes Identifizierungsprofil erstellt, dass bei der Identifizierung neu erstellt und abgeglichen wird.

Biometrische Passkontrolle am Flughafen Helsinki Foto: © Finavia

Aber auch dieses ist einmalig, wird zentral gespeichert und kann nicht einfach gesperrt werden, sollte doch jemand dieses Profil auf digitalem Wege verwenden. Einen derartigen Fortschritt kann keiner ausschließen. Man sollte zudem bedenken: In unserer Zeit dürfte fast jeder Einwohner einer Industrienation einmal in seinem Leben eine Flugreise unternehmen, zumal die Preise immer weiter sinken.

Allgemein lässt sich Biometrie wohl kaum noch verhindern, doch sie sollte verhältnismäßig eingesetzt werden und der zentralen Speicherung große Hürden gesetzt werden. Das bisschen Komfortsteigerung am Flughafen rechtfertigt noch lange nicht die massenhafte Erhebung biometrischer und somit nicht austauschbarer Merkmale. Gerade die Luftfahrtbranche sollte vorsichtig sein, was sie an Daten über einen großen Teil der Bevölkerung speichert.

Über den Autor

In seiner Reihe "Digital Passenger" kommentiert Technik-Journalist Andreas Sebayang auf airliners.de den digitalen Wandel in der Luftverkehrswirtschaft.

Andreas Sebayang ist der Digital Passenger, Foto: Sebastian KuhbachAndreas Sebayang ist als Hardware-Journalist regelmäßig für die Berliner IT-Nachrichtenseite Golem.de mit dem Flugzeug in der ganzen Welt unterwegs. Seine Erlebnisse als Vielflieger dokumentiert er auch auf seinem Instagram-Account AroundTheBlueMarble. Kontakt: digital-passenger@airliners.de

Von: Andreas Sebayang für airliners.de
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