Lufthansa gibt Germanwings Überlebensgarantie

Exklusiv 15.05.2018 - 14:59 0 Kommentare

Die Marke Germanwings verschwindet vom Markt - die Billigplattform der Lufthansa ist jetzt Eurowings. Doch der Mutterkonzern gibt den Mitarbeitern des Germanwings-Flugbetriebs nun nach airliners.de-Informationen eine Bestandsgarantie bis Juni 2022.

Reisende stehen am Flughafen Berlin-Tegel am Check-in-Schalter der Lufthansa-Tochter Germanwings.

Reisende stehen am Flughafen Berlin-Tegel am Check-in-Schalter der Lufthansa-Tochter Germanwings.
© dpa - Paul Zinken

Maschinen von Eurowings und Germanwings: Die Low-Cost-Tochter verschwindet im Schatten der Billigplattform.

Maschinen von Eurowings und Germanwings: Die Low-Cost-Tochter verschwindet im Schatten der Billigplattform.
© AirTeamImages.com - Felix Gottwald

Totgesagte leben länger: Die Lufthansa Group gibt der Eurowings-Vorfahrin Germanwings eine Garantie, mindestens bis Ende Juni 2022 in der Luft zu bleiben. Dies geht aus einem internen Papier von Arbeitnehmervertretern hervor, das airliners.de vorliegt. Auf Nachfrage bestätigt der Konzern die Informationen: "Germanwings ist eine wichtige operative Säule für die Eurowings Group."

In dem Schreiben ist zudem die Rede davon, dass erst einmal 38 Maschinen bei Germanwings verbleiben. Aktuell betreibt die ehemalige Lufthansa-Billigtochter 46 Airbus-Flugzeuge für Eurowings. Nach Beseitigung des Sonderkündigungsrechts für den bisherigen Tarifvertrag ("23er-Grenze") Ende 2017, war geplant, die Maschinen auf Eurowings umzuregstrieren.

Harmonisierung

Eurowings kommt bei der Lackierung der Germanwings-Maschinen nicht so schnell voran wie geplant. Bislang ist lediglich ein Flugzeug der ehemaligen Billigtochter in den Farben der neuen Low-Cost-Plattform unterwegs. Der Grund: die Insolvenz der Air Berlin. "Derzeit sind Lackierhallen in ganz Europa auf Monate hinaus ausgebucht", sagte eine Sprecherin zu airliners.de. "Vorrang hat deshalb, dass wir zunächst frühere Maschinen der Air Berlin umlackieren, erst dann sukzessive Flugzeuge der Germanwings." Die ebenfalls übernommenen Turboprop-Maschinen der LGW sind bereits alle umlackiert.

Germanwings soll auch über Juni 2022 hinaus bestehen bleiben. In dem Papier ist die Rede davon, dass sich die Lufthansa-Führung und Arbeitnehmervertreter auf ein Wet-Lease-Konstrukt mit einem entscheidenden Vorteil für die Kranich-Airline geeinigt hätten: So soll Gemanwings ab Juli 2022 zehn Flugzeuge für Lufthansa betreiben - ohne dass dieses Kontingent auf die geltende Wet-Lease-Quote der Lufthansa angerechnet wird.

Chancengleichheit für neue Piloten

Sollte Germanwings vor Juli 2022 verkauft oder deren AOC anderweitig stillgelegt werden - von Lufthansa oder etwa dem Luftfahrt-Bundesamt (LBA) im Zuge einer Insolvenz -, erhalten alle Ende 2017 bei Germanwings angestellten Bestandsmitarbeiter die Möglichkeit, "bis zu 60 Monate in ihrer jetzigen Funktion bei der Eurowings Group zu verbleiben". Dadurch ist gesichert, dass Kapitäne, die bei einer Schließung der Germanwings noch nicht über die Seniorität verfügen, weiter im Konzern verbleiben.

Diese Neuregelung ersetzt eine bislang geltende Absprache, dass Germanwings-Bestandsmitarbeiter in den Flugbetrieb der Lufthansa wechseln können; denn der Haken dabei war, dass für Nachwuchsflugzeugführer (NFF) schlicht kein Platz mehr gewesen wäre: "Im schlimmsten Fall hätte ein senioritätsjunger Kapitän längere Zeit auf eine Einstellung als FO/SFO (First Officer/Senior First Officer) bei Lufthansa ohne zwischenzeitliche Beschäftigung warten müssen."

Markenaustritt bleibt unberührt

Dass die Marke Germanwings sukzessive verschwinden soll, ist aber nach wie vor unstrittig: Der Konzernvorstand hat dies beschlossen und auch die Mitarbeitervertreter wollen dem nicht im Weg stehen. In dem Schreiben wird ausdrücklich betont, dass "die Verrechnung der Markenausnahme von den getroffenen Regelungen unberührt bleibt".

© dpa, Ole Spata Lesen Sie auch: Germanwings verschwindet aus den Flugplänen

Das Ende der Germanwings war schon vor der Tragödie um Flug 4U9525 beschlossen worden, so dass die Tragödie in den französischen Alpen den Umbau eher verzögert als beschleunigt hat. In der Strategie von Lufthansa-Chef Carsten Spohr spielte die Germanwings zuletzt keine führende Rolle mehr. An ihrer Stelle machte er die bislang deutlich kleinere Schwestergesellschaft Eurowings zur Leitplattform eines neuen Billigfliegers.

Von: cs
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