Germanwings-Absturz: US-Gericht reicht Klage nach Deutschland

29.03.2017 - 08:21 0 Kommentare

In den USA haben Hinterbliebene der Opfer von Germanwings-Flug 4U9525 gegen eine Lufthansa-Flugschule geklagt. Ein Gericht in Arizona reicht ihre Klage nun nach Deutschland.

Ein Flugzeug-Modell in den Farben der Germanwings steht zwischen Blumen und Kerzen. - © © dpa - Oliver Berg

Ein Flugzeug-Modell in den Farben der Germanwings steht zwischen Blumen und Kerzen. © dpa /Oliver Berg

Die Schadenersatzklage von Hinterbliebenen des Germanwings-Absturzes gegen eine Lufthansa-Flugschule in den USA ist von einem US-Gericht abgewiesen worden. Dies geht aus dem Einstellungsbeschluss hervor. Allerdings bestünden Auflagen, sagten die Anwälte der Hinterbliebenen.

So habe das Gericht den Parteien auferlegt, den Rechtsstreit in Deutschland weiterzuführen, sagte Anwalt Christof Wellens. Wenn allerdings kein deutsches Gericht die Klage annehme, könne die Wiederaufnahme des Verfahrens in den USA beantragt werden.

Vorwürfe gegen Flugschule

Die Hinterbliebenen von 80 Opfern des Absturzes wollen in den USA das Airline Training Center Arizona (ATCA) haftbar machen, an der Copilot Andreas Lubitz ausgebildet wurde. Er hatte den Ermittlungen zufolge den Absturz der Germanwings-Maschine in den französischen Alpen vor gut zwei Jahren bewusst herbeigeführt. 150 Menschen starben. Die Klage hatte die New Yorker Anwaltskanzlei Kreindler & Kreindler im vergangenen Jahr vor einem Gericht in Phoenix (Arizona) erhoben.

An der Klageschrift hatten mehrere Anwaltskanzleien aus Deutschland, den Niederlanden und Großbritannien mitgearbeitet. Die Flugschule ATCA gehört zur Lufthansa-Gruppe. Die Flugschule hätte von den psychischen Problemen ihres Schülers wissen können und ihn nicht zum Piloten ausbilden dürfen, argumentieren die Kläger.

Amerikanisches Beweisführungsrecht

Die Lufthansa-Tochtergesellschaft Germanwings hatte eine Verhandlung des Falles in den USA abgelehnt. Ein Gerichtsstand in den USA lasse sich nicht begründen, hatte das Unternehmen mitgeteilt. Das Gericht in Phoenix verwies darauf, dass 70 der in der Klage aufgeführten Opfer aus Deutschland stammten, hingegen keines aus den USA. In den USA fallen gerichtlich festgesetzte Entschädigungen in der Regel deutlich höher aus als in Deutschland. Die Lufthansa hatte nach dem Unglück bereits Zahlungen geleistet. Diese sind nach Auffassung zahlreicher Hinterbliebener aber zu gering. Die Fluggesellschaft hat bislang nach eigenen Angaben 11,2 Millionen Euro an die Familien gezahlt - durchschnittlich 100.000 Euro für jedes Opfer.

© dpa, Kay Nietfeld Gedankenflug: Alternative Fakten verzweifelt gesucht

Nach Angaben des Hinterbliebenen-Anwalts Elmar Giemulla muss sich laut einer Auflage des Gerichts die Flugschule bei einer Klage in Deutschland dem amerikanischen Beweisführungsrecht unterwerfen. Dies sei jedoch unerfüllbar. "Das geht nicht, weil die deutsche Zivilprozessordnung zwingend zur Anwendung kommen muss."

Fortgang ungewiss

Giemulla kündigte an, die Klage jetzt vor ein deutsches Gericht zu bringen mit dem Antrag, den amerikanischen Beweisregeln zu folgen. Mit der Ablehnung gehe es dann zurück zu dem US-Gericht. Er äußerte sich überzeugt, dass sich das US-Gericht am Ende doch für zuständig erklären werde.

Wellens äußerte sich vorsichtiger: "Ich kann noch nicht beurteilen, ob das Verfahren weitergeht", sagte er. Dies solle nun eingehend geprüft werden. Wellens vertritt in diesem Verfahren die Hinterbliebenen von 35 Opfern, Giemulla die Angehörigen von 36 Opfern.

Von: cs, dpa, AFP
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