Pilot hat Germanwings-Maschine absichtlich abstürzen lassen

27.03.2015 - 01:31 0 Kommentare

Die französische Staatsanwaltschaft ist sich sicher: Der Co-Pilot von Germanwings-Flug 4U9525 hat den Airbus A320 absichtlich zum Absturz gebracht. Lufthansa-Chef Carsten Spohr zeigte sich erschüttert.

Germanwings hat das Logo seines Twitter-Profils schwarz-weiß gefärbt. Hintergrund ist der Absturz einer A320 der Airline.

Germanwings hat das Logo seines Twitter-Profils schwarz-weiß gefärbt. Hintergrund ist der Absturz einer A320 der Airline.
© dpa - Marius Becker

Der französische Staatsanwalt Brice Robin (Mitte)

Der französische Staatsanwalt Brice Robin (Mitte)
© dpa - Guillaume Ruoppolo/La Provence

Lufthansa-Chef Carsten Spohr, rechts von ihm steht Germanwings-Vorstand Thomas Winkelmann

Lufthansa-Chef Carsten Spohr, rechts von ihm steht Germanwings-Vorstand Thomas Winkelmann
© dpa - Oliver Berg

Lufthansa-Chef Carsten Spohr in Frankfurt am Main

Lufthansa-Chef Carsten Spohr in Frankfurt am Main
© dpa - Fredrik von Erichsen

Ein Mitarbeiter von Germanwings stellt am 24.03.2015 vor der Zentrale von Germanwings in Köln eine Kerze auf.

Ein Mitarbeiter von Germanwings stellt am 24.03.2015 vor der Zentrale von Germanwings in Köln eine Kerze auf.
© dpa - Marius Becker

Im französischen Seyne-les-Alpes zeigt ein Mann auf eine Karte, in der der Absturzort der Germanwings-A320 eingezeichnet ist.

Im französischen Seyne-les-Alpes zeigt ein Mann auf eine Karte, in der der Absturzort der Germanwings-A320 eingezeichnet ist.
© dpa - Alessandro Vecchi

Wrackteile von Germanwings Flug 4U9525 in den französischen Alpen.

Wrackteile von Germanwings Flug 4U9525 in den französischen Alpen.
© dpa - EPA/F. BALSAMO / SIRPA GENDARMERIE / MINISTERE DE L'INTERIEUR

Trümmerteil der abgestürzten Germanwings-Maschine

Trümmerteil der abgestürzten Germanwings-Maschine
© EPA, dpa - Guillaume Horcajuelo

Ein Hubschrauber der Gendarmerie startet in Seyne-les-Alpes zur Absturzstelle der abgestürzten Germanwings-A320.

Ein Hubschrauber der Gendarmerie startet in Seyne-les-Alpes zur Absturzstelle der abgestürzten Germanwings-A320.
© dpa - Peter Kneffel

Der First Officer von Germanwings-Flug 4U9525 hat die Maschine abstürzen lassen. Das gaben die zuständigen Ermittler der französischen Staatsanwaltschaft jetzt in Marseille bekannt. Es sei ein Unfall in dem Sinn, dass das Flugzeug abgestürzt sei. "Aber es ist offensichtlich ganz klar, dass es sich um einen vorsätzlichen Einsatz des Co-Piloten gehandelt hat", hieß es. Das ginge aus den Aufzeichnungen des Sprachrekorders hervor.

Zum Zeitpunkt des Absturzes sei der Erste Offizier allein im Cockpit gewesen, sagte der Staatsanwalt Brice Robin. Der Kapitän war auf der Toilette. Der Co-Pilot habe den Sinkflug der Maschine bewusst eingeleitet und die Cockpit-Türen verschlossen. Die Crew und der ausgesperrte Kapitän hätten in den letzten Minuten des Fluges gegen die Cockpit-Tür gehämmert.

Das Verhalten des Co-Piloten könne man nur so werten, dass er den Willen gehabt habe, das Flugzeug zu zerstören, sagte der Staatsanwalt. Daher habe man die Anklage im Fall des Absturzes nun auf "Mord" geändert. Es gäbe keine Hinweise auf einen terroristischen Hintergrund.

Lufthansa-Chef Carsten Spohr zeigte sich auf einer Pressekonferenz erschüttert und sprach von einem "tragischen Einzelfall". "In unseren schlimmsten Alpträumen hätten wir uns nicht vorstellen können, dass sich eine solche Tragödie hier in unserem Konzern ereignen kann." Trotz des fürchterlichen Vorfalls hätten er und seine Kollegen im Vorstand bei der Germanwings festes Vertrauen in die Ausbildung der Lufthansa-Piloten: "Sie sind und bleiben die besten der Welt."

Lufthansa geht nach den Informationen der französischen Staatsanwaltschaft davon aus, dass der Erste Offizier den Verschlussmechanismus der Cockpittür aktiv verriegelt hat. Es sei davon auszugehen, dass der ausgeschlossene Kapitän und auch die Kabinencrew ansonsten mit Hilfe eines Notfallcodes die Tür auch von außen hätten öffnen können, so Spohr. Näheres müssten die weiteren Flugunfallermittlungen ergeben.

© dpa, Roland Weihrauch Lesen Sie auch: So funktioniert das Schließsystem von Cockpittüren

Flugdatenschreiber noch nicht gefunden

Mit seiner Aussage bestätigte der Staatsanwalt Medienberichte der "New York Times" und der französischen Nachrichtenagentur AFP. Beide hatten sich auf Aufnahmen des bereits gefundenen Sprachrekorders berufen.

Der zweite Flugschreiber sei noch nicht gefunden, sagte Staatsanwalt Robin weiter. Die Bergung der Toten habe bereits begonnen. Die Bergung und Identifizierung der Opfer könne mehrere Wochen dauern.

Gestern hatten sich die französischen Flugunfallermittler der BEA erste Details zum genauen Flugverlauf bekannt gegeben. Demnach war der Airbus geradeaus im konstanten Sinkflug bis zum Aufschlag geflogen.

Die verunglückte Maschine war am Dienstagvormittag auf dem Weg von Barcelona nach Düsseldorf in den französischen Alpen abgestürzt. 150 Menschen waren an Bord, darunter 75 Deutsche. Niemand überlebte.

Alle Meldungen zum Germanwings-Unglücksflug 4U9525.

Informationen zur Crew

Der Erste Offizier war seit September 2013 für die Fluggesellschaft tätig. Er habe 630 Flugstunden absolviert. Vor der Anstellung sei der Mann an der Verkehrsfliegerschule der Lufthansa ausgebildet worden.
Der Kapitän war Germanwings-Angaben zufolge ein sehr erfahrener Pilot. Er war demnach seit über zehn Jahren für Lufthansa und Germanwings geflogen und hatte auf dem A320 mehr als 6.000 Flugstunden absolviert.

Von: dpa, AFP, airliners.de
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