Germania-Mitarbeiter gründen Tarifkommissionen

16.03.2018 - 10:44 0 Kommentare

Vorstoß der Gewerkschaften bei Germania: Ufo und Vereinigung Cockpit wollen für die fliegenden Mitarbeiter einen Tarifvertrag und eine Personalvertretung durchsetzen. Die Mitglieder der Tarifkommissionen riskieren einiges - und bleiben vorerst anonym.

Mitarbeiter von Germania.

Mitarbeiter von Germania.
© Germania

Mitarbeiter von Germania.

Mitarbeiter von Germania.
© Germania

Bei Germania versuchen die Gewerkschaften erstmals seit 2010 wieder, einen Tarifvertrag und eine offizielle Personalvertretung durchzusetzen. Die Vereinigung Cockpit und die Ufo gehen dabei gemeinsam vor: Beide haben Tarifkommissionen mit Mitarbeitern der Fluggesellschaft gegründet, wie airliners.de von den Gewerkschaften erfuhr.

In der Ufo-Tarifkommission für die Kabine werden fünf Mitarbeiter sitzen, bei der VC-Tarifkommission mindestens fünf. Die Mitglieder bleiben vorerst anonym, denn man befürchtet, dass Germania gewerkschaftlich aktive Mitarbeiter unter Druck setzen könnte. 2010 endete der Versuch, eine VC-Tarifkommission einzurichten, mit der fristlosen Kündigung von sechs Piloten.

"Es ist eigentlich unglaublich, dass Mitarbeiter, die sich gewerkschaftlich engagieren, heutzutage anonym bleiben müssen", sagte Ufo-Tarifexperte Uwe Hien gegenüber airliners.de. "Aber bei den Germania-Kollegen herrscht tatsächlich Angst, dass das zu arbeitsrechtlichen Konsequenzen führt."

© Germania, Lesen Sie auch: Germania erweitert und erneuert die Flotte

Germania nahm zu dem Vorstoß von VC und Ufo zunächst keine Stellung. Die Fluggesellschaft kommentiert in der Regel die Vorwürfe der Gewerkschaften nicht.

Bei dem Konflikt 2010 erklärten die damaligen Geschäftsführer Axel Trampnau und John Kohlsaat, die Pilotengewerkschaft sei von den Lufthansa-Piloten dominiert und verfolge Ziele, die für eine mittelständische Fluggesellschaft existenzbedrohend sein könnten. "Wir haben uns auf die Fahnen geschrieben, Germania nicht zum Spielball politisch motivierter Interessen einer VC werden zu lassen."

Nach Schätzungen der Ufo arbeiten bei Germania rund 600 Kabinenmitarbeiter. Wie viele davon gewerkschaftlich organisiert sind, gibt die Ufo nicht bekannt.

Ufo und VC kritisieren Arbeitsbedingungen

Ufo-Experte Hien sieht bei Germania eine Reihe von Missständen für das Kabinenpersonal, die mit einem Tarifvertrag behoben werden sollen. Dazu zähle die stark leistungsbezogene Bezahlung, die wenig verlässliche Dienstplanung mit einer geringen Zahl an freien Tagen in der Sommersaison und von Saison zu Saison wechselnde Stationierungsorte, die den Flugbegleitern kaum Perspektiven für ihre Lebensplanung böten.

Die Regelung der Dienstzeiten will auch die Vereinigung Cockpit für die Piloten verbessern. Zudem kritisiert die Gewerkschaft bei Germania immer wieder die freiberufliche Beschäftigung von Cockpit-Personal und die Befristung von Arbeitsverträgen. Die Airline zeichne sich "durch besonders schlechte Konditionen und intransparente Strukturen" aus, bemängelte VC-Chef Ilja Schulz in einer Pressemeldung.

Bei Fluggesellschaften gelten für das fliegende Personal traditionell eingeschränkte Rechte bei der betrieblichen Mitbestimmung. Eine Personalvertretung kann nur durch einen Tarifvertrag eingerichtet werden.

Germania ist derzeit die größte Airline in Deutschland, die keinen Tarifvertrag für das fliegende Personal hat. Die Ufo will daneben nach eigenen Angaben auch bei Sun Express Deutschland und Small Planet in dieser Richtung aktiv werden, bei LGW sei man bereits im "Prozess der Tarifierung".

Von: pra
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