Germania-Kunden werden leer ausgehen

05.03.2019 - 10:09 0 Kommentare

Germania-Kunden, deren Tickets nach dem Grounding der Airline verfallen sind, können den Verlust wohl abschreiben. Daran würde selbst ein Verkauf an eine andere Airline nichts ändern. Das Stichwort heißt "übertragene Sanierung".

Ein Passagier vor einem leeren Germania-Schalter. - © © dpa - Guido Kirchner

Ein Passagier vor einem leeren Germania-Schalter. © dpa /Guido Kirchner

Kunden der insolventen Airline Germania könnten wohl selbst im Falle einer Zukunft der Fluggesellschaft auf Kosten für verfallene Tickets sitzen bleiben. Der vorläufige Insolvenzverwalter Rüdiger Wienberg dämpfte im Interview der Deutschen Presse-Agentur Hoffnungen, wonach Kunden bei einem möglichen neuen Investor die Flüge vielleicht komplett ersetzt bekommen könnten.

"Dann würde der Investor gleich von Anfang an Verluste machen und wäre damit sicher überfordert", sagte Wienberg. Eine denkbare Variante könnte ihm zufolge aber sein, dass ein möglicher Investor gemäß einer Gutschein-Idee den Kunden finanziell etwas entgegenkommt. Wienberg betonte zugleich: "Am Ende entscheidet das der Investor."

Bei der übertragenen Sanierung gehen die Kunden leer aus

Wienberg präferiert beim Verkauf der insolventen Germania nach wie vor eine Gesamtlösung. Nicht zuletzt deshalb wird Germania aktuell noch betriebsbereit gehalten. Man setze sich weiterhin "intensiv" dafür ein, die nötigen luftfahrtrechtlichen Genehmigungen sowie die wesentlichen Slots zu sichern, hatte der Verwalter Ende Februar mitgeteilt. Komme es zu einer Übertragung des Flugbetriebs, könnte der Investor kurzfristig wieder starten.

Kunden, die direkt bei Germania einen Flug gebucht haben, bekommen daher ihren Verlust auf ich Falle eines Verkaufs nicht erstattet. Sie sind laut Wienberg Vertragspartner der Airline und die Forderungen fallen damit unter das Insolvenzrecht. Angestrebt wird eine "übertragende Sanierung". Dabei geht der Geschäftsbetrieb oder Teile davon auf eine neue, insolvenzfreie Gesellschaft über, nicht aber die Ansprüche von Germania-Kunden. Unlängst hieß es, dass rund 260.000 Flugbuchungen betroffen sind.

Anders sieht es aus, wenn Kunden bei einem Reiseveranstalter gebucht haben. "Dann haben die Kunden nach wie vor den Anspruch darauf, dass der Reiseveranstalter ihnen den Urlaubsflug organisiert", ergänzte Wienberg.

Der vorläufige Insolvenzverwalter ermutigte zugleich Germania-Kunden, ihre Insolvenz-Forderungen bei ihm anzumelden; allerdings erst, wenn das eigentliche Insolvenzverfahren begonnen habe. Derzeit läuft noch die Phase des vorläufigen Insolvenzverfahrens.

Anfang Februar hatte die Berliner Fluggesellschaft mit fast 1700 Mitarbeitern Insolvenz angemeldet. Germania steuerte viele Reiseziele im Mittelmeerraum an. Jährlich beförderte die Airline nach eigenen Angaben mehr als vier Millionen Passagiere.

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Momentan steht der vorläufige Insolvenzverwalter in Kaufverhandlungen für große Teile der Airline. Es liegen den Angaben zufolge zwei Angebote vor. Wienberg sagte: "Jetzt sind wir auf der Ebene, dass wir den Kaufvertrag entwickeln, damit wir darüber diskutieren können."

Insolvenzrechtlich sei ein Verkauf der Airline erst nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens möglich. Über den Eröffnungstermin entscheidet ein Gericht auf Grundlage eines Gutachtens des vorläufigen Insolvenzverwalters.

Von: dh mit dpa
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