Germania-Insolvenzverwalter erwartet jahrelanges Verfahren

02.04.2019 - 07:02 0 Kommentare

Nach der offiziellen Eröffnung der Germania-Insolvenzverfahren erwartet der Insolvenzverwalter hunderttausende Forderungs-Anmeldungen. Ob die Gläubiger jemals Geld sehen, wird sich erst in einigen Jahren zeigen.

Ein Passagier vor einem leeren Germania-Schalter. - © © dpa - Guido Kirchner

Ein Passagier vor einem leeren Germania-Schalter. © dpa /Guido Kirchner

Nach der Pleite der Fluggesellschaft Germania ist nun offiziell das Insolvenzverfahren eröffnet worden. Dabei gehe es jetzt darum, das Vermögen zu verwerten und "am Ende an die Gläubiger zu verteilen", erklärte Insolvenzverwalter Rüdiger Wienberg am Montag. Dazu müssten jetzt zunächst sämtliche Forderungen von Gläubigern erfasst und dann jeweils einzeln auf ihre Rechtmäßigkeit und Durchsetzbarkeit überprüft werden.

Der Insolvenzverwalter geht von über 600.000 betroffenen Reisenden aus, deren Flüge wegen der Insolvenz nicht stattfinden können. Ob und in welcher Höhe Gläubiger mit einer Quotenzahlung auf ihre Forderung rechnen können, lasse sich allerdings erst ganz am Ende des Verfahrens sagen.

"Dazu müssen vorher alle Ansprüche für und gegen die insolventen Unternehmen rechtskräftig feststehen", sagte Wienberg. "Das setzt in vielen Fällen eine gerichtliche Klärung voraus, und zwar über alle Instanzen", erklärte er. Ein Insolvenzverfahren dieser Größenordnung dauere deshalb "erfahrungsgemäß Jahre".

Gläubiger können am kommender Woche Forderungen anmelden

Die Gläubiger können nun ab dem 8. April ihre Forderungen anmelden. Dafür wurde die Website https://germania.insolvenz-solution.de eingerichtet. Die Frist zur Anmeldung von Forderungen endet am 1. Juli. Auch Dokumente und Informationen zum Verfahren sind über das Gläubiger-Portal abrufbar.

Germania hatte Anfang Februar Insolvenz angemeldet und den Flugbetrieb eingestellt. Wienberg, der bereits zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt worden war, hatte auf eine Investorenlösung gehofft und dafür Gespräche geführt. Am vergangenen Montag platzte die Rettung jedoch: Alle seriösen Bieter seien abgesprungen, erklärte Wienberg damals. Die Stilllegung sei nicht mehr abzuwenden.

Das zuständige Amtsgericht Charlottenburg hatte am Montag das Insolvenzverfahren über das Vermögen der Germania Fluggesellschaft mbH, der Germania Technik Brandenburg GmbH und der Germania Flugdienste GmbH eröffnet. Zwischenzeitlich haben den Angaben nach auch alle Mitarbeiter der insolventen Germania-Gesellschaften inzwischen ihre Kündigungen erhalten. Sie sind ab dem 1. April freigestellt.

Von: dh mit AFP
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