Germania meldet Insolvenz an

05.02.2019 - 01:48 0 Kommentare

Die finanzielle Schieflage wurde zu groß: Germania meldet Insolvenz an und stellt den Flugbetrieb mit sofortiger Wirkung ein. Airline-Chef Balke bekräftigt in einem internen Schreiben, bis zuletzt in Verhandlungen gewesen zu sein.

Germania hat in Nürnberg eine Basis. - © © Airport Nürnberg -

Germania hat in Nürnberg eine Basis. © Airport Nürnberg

Die Berliner Fluggesellschaft Germania hat Insolvenz beantragt und ihren Flugbetrieb eingestellt. Wie das Unternehmen mitteilte, sind die Germania Fluggesellschaft GmbH, die Germania Technik Brandenburg GmbH sowie die Germania Flugdienste GmbH betroffen. Der Geschäftsbetrieb der Schweizer Germania Flug AG und der Bulgarian Eagle geht dagegen weiter.

Airline-Chef und -Eigentümer Karsten Balke begründete den Schritt damit, dass es nicht gelungen sei, Finanzierungsbemühungen zur Deckung eines kurzzeitigen Liquiditätsbedarfs erfolgreich zum Abschluss zu bringen: "Wir bedauern sehr, dass uns als Konsequenz daraus keine andere Möglichkeit als die der Insolvenzantragstellung blieb", heißt es in der öffentlichen Mitteilung.

Internes Schreiben von Balke

Bis zum Wochenanfang liefen weiter Finanzierungsgespräche, schreibt Balke in einem Brief an seine fast 1200 Mitarbeiter. Das Schreiben liegt airliners.de vor. "Wir hatten bis zum Montag die begründete Hoffnung, diese Gespräche erfolgreich abzuschließen", so Balke.

Alle Hoffnungen auf einen positiven Ausgang unserer Bemühungen, die notwendigen Gelder zu sichern, haben sich zerschlagen.

Karsten Balke, CEO von Germania

Gleichzeitig betont Balke in einem internen Schreiben, dass "die Abwicklung der Gehaltszahlungen ab sofort für die Personalabteilung oberste Priorität" habe. Vergangene Woche war bekannt geworden, dass Germania die Januar-Löhne nicht zahlen kann.

Standorte von Germania
Anteil in Prozent
Düsseldorf 15.6
Berlin-Tegel 12.6
Nürnberg 11.2
Berlin-Schönefeld 9.7
Bremen 9.5
Dresden 9.3
Münster/Osnabrück 5.7
Hamburg 4.7
München 4.4
Übrige Airports 17.3

Nach angebotenen Sitzplatzkapazitäten in der Woche vor der Insolvenz.Quelle: ch-Aviation

Nach der Ankündigung der verzögerten Gehaltszahlung ("Wir bemühen uns nach Kräften, den Eingang der Zahlung auf Eurem Konto so schnell wie möglich sicherzustellen") meldeten sich etliche Mitarbeiter nach eigener Aussage krank. Dennoch lief der Flugbetrieb zunächst weiter.

Finanzen litten unter gestiegenem Ölpreis

Schon länger ranken sich in der Branche Gerüchte um die angespannte finanzielle Situation von Germania. Anfang Januar teilte die Airline mit, dass man aktuell verschiedene Optionen prüfe, "um den kurzfristigen Liquiditätsbedarf zu sichern".

Besonders das vergangene Jahr sei "mit großen Herausforderungen" verbunden gewesen. Germania nannte "massive Kerosinpreissteigerungen" während des Sommers bei gleichzeitiger Abwertung des Euros gegenüber dem Dollar sowie eine "außergewöhnlich hohe Anzahl technischer Serviceleistungen" an der eigenen Flotte als Belastungen für das Unternehmen.

© Germania, Lesen Sie auch: Was an den Germania-Zahlen gut ist - und was nicht Analyse

Nach airliners.de-Informationen sind in den vergangenen beiden Geschäftsjahren mehrere Flugzeuge für einen hohen zweistelligen Millionenbetrag verkauft worden. Einen Verkauf des kompletten Fluggeschäfts schloss Eigentümer Balke jedoch aus.

Geldgeber unbekannt

Mitte Januar teilte die Berliner Fluggesellschaft mit, dass man einen Geldgeber gefunden hat, der mehr als die aktuell benötigten 15 Millionen Euro abdeckt. Zudem liege die Zahl der Vorausbuchungen für den Sommer über dem Vorjahreswert.

Von welchen Investoren das Geld kommt, möchte man auf Nachfrage von airliners.de nicht sagen. Im Umfeld des Carriers wird schon damals die Existenz des Geldgebers angezweifelt - eine Bestätigung dafür gibt es allerdings nicht.

Germania war als Airline im Chartermarkt groß geworden. In der Vergangenheit generierte die Airline mit zuletzt 37 Flugzeugen immer mehr Umsatz im Liniengeschäft. Reiseveranstalter und Flughäfen hielten trotz der finanziellen Turbulenzen an Germania fest.

Von: airliners.de
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