Germania verkaufte Flugzeuge für fast 22 Millionen Euro

Exklusiv 14.01.2019 - 07:00 0 Kommentare

Neue Bilanz: airliners.de liegt der Jahresabschluss der Germania-Holding von 2017 vor. Demnach sind in dem Jahr fünf Flugzeuge für einen Millionenbetrag verkauft worden - 2018 folgten noch einmal sechs Jets.

A319 von Germania. - © © AirTeamImages.com - Timo Breidenstein

A319 von Germania. © AirTeamImages.com /Timo Breidenstein

Der Germania-Konzern hat 2017 fünf Boeing-737-Flugzeuge verkauft und damit die Ertragslage um knapp 22 Millionen Euro gestärkt. Dies geht aus dem Konzernabschluss hervor, der airliners.de vorliegt. Die Maschinen waren in der türkischen Vorgängerin SAT gebündelt, welche im Oktober 2017 mit der Germania Fluggesellschaft zum neuen Geschäftsbereich Leasing verschmolzen wurde.

Dadurch erfüllt die Beteiligungsgesellschaft erneut die Voraussetzungen zur Offenlegung ihrer Bilanz gemäß des Publizitätsgesetzes. Insgesamt weist die Holding ein Umsatzplus von 23,2 Prozent auf rund 456,3 Millionen Euro sowie eine Rückgang des Jahresfehlbetrags von minus 32,2 Millionen auf minus 8,3 Millionen Euro aus.

Verkehrszahlen

Für 2017 weist die Germania-Gruppe mit Airlines in Deutschland, der Schweiz und Bulgarien eine Passagierzahl von drei Millionen aus, was einem Wachstum von 16,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Die geflogenen Passagierkilometer sind wegen der Erweiterung des Streckenangebots 21,6 Prozent auf 56,2 Millionen Kilometer angestiegen.

Der noch 2016 in der Bilanz der Airline ausgewiesene nicht durchs Eigenkapital gedeckte Fehlbetrag im zweistelligen Millionenbereich konnte vollständig aufgelöst werden. Die Geschäftsführung spricht von einem "befriedigenden Geschäftsjahr". Die Entwicklung der Gruppe lag allerdings "unter den Erwartungen".

Operativer Cash-Flow stieg auf 17 Millionen Euro

Germania zog 2017 Mittel in Höhe von fast 17,1 Millionen Euro aus dem laufenden Geschäft. Gleichzeitig wurden Kredite in Höhe von 57,4 Millionen Euro getilgt. Daneben wurde ein Darlehen von 3,2 Millionen Euro aufgenommen, sodass sich im Ergebnis ein negativer Cashflow aus der Finanzierungstätigkeit ergibt.

Sonstige betriebliche Erträge
Gewinne Abgänge Sachanlagen Erträge aus der Währungsumrechnung Entschädigungen Erträge aus der Auflösung von Rückstellungen Periodenfremde Erträge Investitionszuschüsse Übrige (inklusive Hotel)
2016 0 4374000 1356000 609000 1881000 436000 1236000
2017 21864000 19541000 2464000 1878000 1183000 436000 3427000

Quelle: Germania

"Der Verkauf der Flugzeuge erfolgt dabei vor dem Hintergrund der Flottenerneuerung und -vereinheitlichung", so die Wirtschaftsprüfer Boris Michels und Tobias Schreiber in ihrem Bericht. Zum Bilanzstichtag führt die Gruppe noch neun Flugzeuge in ihrem eigenen Besitz: fünf Airbus- sowie vier Boeing-Mittelstreckenjets.

Die Liquiditätslage beurteilen die Wirtschaftsprüfer als "grundsätzlich positiv": "Germania hatte im Geschäftsjahr 2017 ausreichend Finanzmittel zur Verfügung, um die Liquidität zu sichern." Darüber hinaus bestünden im Geschäftsjahr 2018, für das Germania noch keine Zahlen ausweist, "durch Beleihung und Veräußerung von Flugzeugen weitere Refinanzierungsmöglichkeiten".

Noch einmal sechs Jets verkauft

Aus dem Bericht geht auch hervor, dass im ersten Quartal 2018 vier weitere Boeing-737-Flugzeuge sowie im dritten Quartal desselben Jahres zwei A321-Jets veräußert wurden. Der Kaufpreis ist nicht bekannt. Gleichzeitig seien "die entsprechenden Darlehensverpflichtungen abgelöst worden".

Germania hatte vergangene Woche gemeldet, dass man aktuell "mehrere Optionen einer Finanzierung" prüfe, "um den kurzfristigen Liquiditätsbedarf zu sichern". Einen Tag später informierte Airline-Eigentümer Karsten Balke in einem Schreiben an die Mitarbeiter darüber, dass man erste Finanzspritzen in Aussicht habe.

Konkrete Details dazu nannte Balke nicht. Als Grund für die aktuelle Kapitalsuche verwies Germania jüngst auf "unvorhersehbare Ereignisse wie massive Kerosinpreissteigerungen über den Sommer des vergangenen Jahres". Denn die Airline ist sehr abhängig von den Treibstoffpreisen.

Im Jahresabschluss 2017 konstatiert sie, dass man "kein aktives Hedging" betreibe, "da mittelfristig von einer Entspannung des Treibstoffpreises ausgegangen wird". 2018 wolle man die Hedgingstrategie "kontinuierlich überprüfen" und "an die aktuelle Marktsituation" anpassen.

Rechtsstreit

Nach einem Bericht des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" werde die Suche nach einem Geldgeber zudem von einem Rechtsstreit mit dem Sohn des Firmengründers belastet. So verlange Erik Bischoff für seine Anteile rund 40 Millionen Euro. Die Germania-Führung lehnt laut des Berichts die Zahlung ab; Mitte Oktober soll das Landgericht Cottbus Bischoff knapp zehn Millionen Euro plus Zinsen zugesprochen haben. Dagegen soll dieser Berufung eingelegt haben. Germania teilte daraufhin mit, dass der Bericht "irreführend" sei, weil er den Anschein erwecke, die aktuelle Situation sei durch eine private Forderung entstanden: "Dies ist nicht der Fall."

Von: cs
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