Gerichtsentscheidungen zum Thema Flugannullierungen

05.03.2019 - 11:57 0 Kommentare

Wenn ein Flug annulliert wird, haben Fluggäste oft Anspruch auf Entschädigung. Eine Ausnahme sind außergewöhnliche Umstände, die aber regelmäßig die Gerichte beschäftigen. Zwei neue Entscheidungen zum Thema Streik und Wetter.

Wartende Passagiere am einem Flughafen. - © © dpa -  Ennio Leanza

Wartende Passagiere am einem Flughafen. © dpa / Ennio Leanza

Eine Fluggesellschaft kann sich bei der Annullierung eines Flugs nur auf außergewöhnliche Umstände berufen, wenn sie alles in ihrer Macht Stehende versucht hat, um den Flug doch noch durchzuführen. Das zeigt ein Urteil des Amtsgerichts Hamburg (Az.: 6 C 113/17) von Ende 2017, über das die Deutsche Gesellschaft für Reiserecht nun in ihrer Zeitschrift "ReiseRecht aktuell" berichtet.

In dem verhandelten Fall ging es um einen Flug von Hamburg nach London, der gestrichen werden musste - weil der Vorflug am Vorabend von London nach Hamburg wegen wetterbedingter Slotbeschränkungen bereits ausfiel. Nach Ansicht des Gerichts war es hier unerheblich, ob das Wetter als außergewöhnlicher Umstand gelten konnte. Denn die Airline legte nicht dar, warum das Flugzeug nicht am kommenden Tag früh morgens nach Hamburg überführt werden konnte - um somit die Annullierung doch noch zu verhindern.

Streik abgesagt: Airline muss für annullierten Flug entschädigen

Wenn ein ursprünglich wegen Streiks annullierter Flug doch stattfinden kann, darf die Airline diesen nicht einfach ausfallen lassen. Andernfalls muss sie den Passagieren eine Entschädigung nach EU-Recht zahlen. Das zeigt ein Urteil des Amtsgerichts Königs Wusterhausen (Az.: 4 C 486/17 (2)).

In dem verhandelten Fall hatte die Airline einen Flug von Berlin nach Neapel kurzfristig annulliert, weil am Zielflughafen die Fluglotsen streiken wollten. Der Streik wurde jedoch am Vorabend des Flugtages abgesagt. Die Kläger verlangten wegen der Annullierung eine Ausgleichszahlung von 250 Euro und die Erstattung weiterer Kosten, etwa für ein Ersatzhotel und Taxi in Rom, dem Ziel des Ersatzfluges. Die Fluggesellschaft berief sich auf außergewöhnliche Umstände.

Die Kläger bekamen Recht. Ein Streik sei zwar erst einmal ein außergewöhnlicher Umstand, so das Gericht. Jedoch sei es der Airline hier möglich gewesen, den zunächst abgesagten Flug doch anzubieten - da der Streik ja abgesagt worden war. Warum dies nicht zumutbar gewesen sei, konnte die Fluggesellschaft nicht erklären.

Von: dh mit dpa
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