Gericht bestätigt Verbot von Etihad-Codesharings bei Air Berlin

30.12.2015 - 17:19 0 Kommentare

Air Berlin und Etihad dürfen auf etlichen Routen keine Flüge mehr unter gemeinsamer Flugnummer anbieten. Das Verwaltungsgericht in Braunschweig hat jetzt einen Eilantrag von Etihad abgewiesen. Im neuen Jahr geht der Streit eine Instanz höher weiter.

Flugbegleiter von Air Berlin und Etihad Airways stehen am 13.01.2014 im Air Berlin Hangar in Schönefeld. - © © dpa - Bernd Settnik

Flugbegleiter von Air Berlin und Etihad Airways stehen am 13.01.2014 im Air Berlin Hangar in Schönefeld. © dpa /Bernd Settnik

Air Berlin und Etihad Airways dürfen nach dem 15. Januar auf strittigen Routen keine Flüge unter gemeinsamen Flugnummern durchführen. Das hat jetzt die 2. Kammer des Verwaltungsgerichts Braunschweig entschieden und damit ein entsprechendes Verbot des Luftfahrtbundesamtes bestätigt. (Aktenzeichen 2 B 369/15)

Etihad teilte am Abend mit, man werde kommende Woche Beschwerde beim Niedersächsischen Oberverwaltungsgericht in Lüneburg einlegen. Damit geht der Streit im neuen Jahr eine Instanz höher weiter.

Das Landesgericht in Braunschweig war zu dem Ergebnis gekommen, dass die umstrittenen Flugstrecken nicht von den Vereinbarungen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) gedeckt sind. Laut Aussendung hatte die Kammer das Luftverkehrsabkommen samt Protokoll über die Verhandlungen des Fluglinienplans sowie den Plan selbst auszulegen.

Air Berlin teilte mit, man bedauere die Entscheidung des Gerichts. Für die Fluggäste würden allerdings zunächst keine Nachteile entstehen. Alle bisher gebuchten Codeshare-Flüge von Etihad Airways und Air Berlin würden wie geplant durchgeführt. "Unser zukünftiger gemeinsamer Flugplan bleibt unverändert buchbar."

Verbot trifft vor allem Berlin und Stuttgart

Von dem Verbot betroffen sind die Etihad-Codes auf 31 von insgesamt 83 Air-Berlin-Routen, für die im bereits seit Oktober laufenden Winterflugplan Codesharings beantragt worden waren. Dabei geht es vor allem um Flüge von und nach Berlin und Stuttgart. In Frankfurt, München, Düsseldorf und Hamburg sind die Verbindungen dagegen erlaubt, sie fallen unter das Luftverkehrsabkommen zwischen Deutschland und den VAE.

Wichtig ist, dass nicht die Air-Berlin-Flüge verboten wurden, sondern ausschließlich der Etihad-Code auf diesen Verbindungen. Allerdings kann Etihad diese Flüge ihres deutschen Beteiligungspartners ohne eigenen Code nicht mehr so einfach über die eigenen Kanäle vertreiben. Damit sind die Codesharings auch für Air Berlin wirtschaftlich wichtig: Die über Etihad mitvermarkteten Flüge bringen der deutschen Fluggesellschaft nach eigenen Angaben jährlich rund 140 Millionen Euro Umsatz zusätzlich.

© dpa, Fredrik von Erichsen Lesen Sie auch: So funktioniert Codesharing

Für Etihad sind Codesharings entscheidend

Für Air Berlin wird es nun wirtschaftlich noch enger. Zwar sind de facto direkt lediglich die Flüge zwischen Berlin und Stuttgart nach Abu Dhabi und einige Zubringer betroffen, aber weitere Probleme kann Air Berlin nicht gebrauchen. Deutschlands zweitgrößte Airline fliegt seit Jahren Verluste ein und wird von Etihad finanziell über Wasser gehalten. Die arabische Airline besitzt knapp ein Drittel der Air-Berlin-Anteile.

Die gemeinsamen Flugnummern waren für Etihad nach eigenen Angaben ein entscheidender Faktor, in Air Berlin zu investieren. Fallen diese nun zum Teil weg, könnte Etihad das Interesse an ihrer deutschen Beteiligung verlieren, denn es geht auch um die Umsteigeverbindungen in Abu Dhabi. Gerade diese preislich oft günstig angebotenen Umsteigeverbindungen nach Asien sind der Grund, warum europäische Airlines wie etwa Lufthansa gegen Golf-Carrier wie Etihad, Emirates oder auch Qatar politisch aufbegehren.

© airliners.de, Gunnar Kruse Lesen Sie auch: Mehr Schutz für europäische Airlines vor Konkurrenz

Allerdings spielt auch Etihad mit politischen Karten. Der "soziale und wirtschaftliche Schaden" der jetzigen Entscheidung sei "für Air Berlin und auch für Deutschland" bedeutend, teilte die Airline nun mit. Die Nichtgenehmigung der Codeshare-Dienste reduziere den Wettbewerb und die Auswahl für die Verbraucher innerhalb Deutschlands und darüber hinaus. Etihad stehte weiterhin hinter Air Berlin. Beide Airlines würden sich gemeinsam für einen "fairen und freien Wettbewerb" einsetzen.

Air Berlin apellierte bereits an die Regierung

Noch im November hatte sich Air-Berlin-Chef Stefan Pichler mit einem Appell an die Bundesregierung gewandt. Der Versuch der Regierung, die Codesharings zu untersagen, ziele zwar auf die VAE, treffe aber die 8000 Mitarbeiter der Air Berlin.

Pichler hatte die Erfolgschancen für das von Etihad geführte Gerichtsverfahren bis zuletzt als "sehr hoch" eingeschätzt. Es könne einfach nicht sein, dass eine seit 2012 durchgeführte Genehmigungspraxis kurzfristig zu Lasten von Air Berlin aufkündigt werde.

© Etihad Airways, Lesen Sie auch: Darum geht es bei der aktuellen Air-Berlin-Codeshare-Diskussion

Der Streit schwelt allerdings schon seit einiger Zeit. Im aktuellen Verfahren konnte Etihad im Oktober zunächst eine einstweilige Verfügung erreichen. Bereits Ende 2014 wurde ein Verbot der strittigen Etihad-Codeshares auf Air-Berlin-Flügen nach heftigen Diskussionen vorläufig wieder ausgesetzt, und zwar einmal für den Winterflugplan 2014/15 und dann später nochmal für den Sommerflugplan 2015.

Von: dh
Interessant? Beitrag weiterempfehlen:

Nachrichten-Newsletter

Keine Nachricht verpassen mit unserem täglichen Nachrichtennewsletter.

Anzeige schalten »
Mehr Nachrichten »
Anzeige schalten
Mehr Air Berlin Jobs
Mehr Stellenangebote » Mehr Luftfahrt-Trainings »
Anzeige schalten »