Gericht verbietet Lufthansa Cargo Amsterdam-Flüge

23.08.2013 - 10:44 0 Kommentare

Vor dem Verwaltungsgericht in Den Haag hat Lufthansa Cargo jetzt im Streit um Landerechte in Amsterdam eine Niederlage hinnehmen müssen. Die Frachtflugesellschaft ist vom Urteil enttäuscht und will nun prüfen, ob dagegen Beschwerde eingelegt wird.

Lufthansa Cargo MD-11F - © © AirTeamImages.com - Alex Filippopoulos

Lufthansa Cargo MD-11F © AirTeamImages.com /Alex Filippopoulos

Das Verwaltungsgericht in Den Haag hat eine Klage der Lufthansa Cargo gegen Einflugverbote zurückgewiesen. Diese hatte die Frachtfluglinie angestrengt, weil die niederländische Luftfahrtbehörde ihr vergangenes Jahr überraschend untersagte, Nonstop-Flüge von Puerto Rico nach Amsterdam durchzuführen.

Bei den Verkehren handelt es sich um zweimal wöchentlich durchgeführte Blumentransporte von Quito in Ecuador, mit Zwischenlandung auf dem Aguadilla Airport in Puerto Rico, nach Amsterdam. Die Richter schlossen sich in ihrem Urteil jetzt der Auffassung der niederländischen Luftfahrtbehörde vollumfänglich an, wonach LH Cargo auf der Karibikinsel ausschließlich zum Grund des Auftankens ihrer MD-11-Frachter landen würde. Deshalb handele es sich originär um einen Flug von Südamerika nach Amsterdam, für den die deutsche Frachtlinie keine Rechte besäße.

„Wir sind über dieses Urteil sehr überrascht und auch enttäuscht“, reagierte Sprecher Michael Goentgens von der Lufthansa Cargo auf die Entscheidung der Haager Richter. „Sobald uns das Urteil und dessen Begründung vorliegt, werden wir prüfen, ob wir Beschwerde dagegen einlegen werden“, so Goentgens.

Im Gegensatz zu der niederländischen Rechtsauffassung ist Lufthansa Cargo der Überzeugung, dass die Flüge zwischen Puerto Rico und Amsterdam unter das Open-Skies-Abkommen zwischen den USA und der EU fallen. So gehört Puerto Rico zum Hoheitsgebiet der USA und unterliegt bei internationalen Fragen den Entscheidungen des Kongresses in Washington. Zudem läuft nach einer Volksabstimmung im vergangenen Jahr derzeit ein Aufnahmeantrag Puerto Ricos zwecks Aufnahme als 51. Bundesstaat der USA.

Volle kommerzielle Rechte in Puerto Rico

Goentgens verwies zudem darauf, dass die Lufthansa Cargo volle kommerzielle Rechte in Puerto Rico habe.“Wir können dort nach Bedarf Sendungen ein- und ausladen“. Aufgrund dieser Tatsache erhalten die Flüge von Aguadilla nach Europa eine neue Flugnummer.

In einer ersten Reaktion auf das Urteil sprach Analyst Dirk Steiger vom Frankfurter Marktforscher Aviainform GmbH von „eindeutiger Wettbewerbsverzerrung und klarem Protektionismus der niederländischen Justiz zugunsten von Air France-KLM-Martinair Cargo“. Die Entscheidung der Richter sei ein “Anachronismus der übelsten Art und ein Rückfall in die Denke des letzten Jahrhunderts“, echauffierte sich der Luftfahrtexperte.

„Wir diskutieren gegenwärtig über eine transatlantische Freihandelszone zwischen der EU und Nordamerika und offene Märkte, gleichzeitig aber zieht die niederländische Justiz wieder alte Mauern beim Luftverkehr zwischen den europäischen Ländern zum Schutz der eigenen Airlines hoch“. Steiger empfahl, den Fall vor die europäische Wettbewerbskommission zu bringen.

Von: Heiner Siegmund für airliners.de
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