Gepäckverlust: Entschädigung pro Person

22.11.2012 - 14:13 0 Kommentare

Flugunternehmen müssen Entschädigung für verlorenes Gepäck zahlen - aber nicht nur pro Koffer, sondern pro Person. Die EU-Richter klärten zudem, wie lange Reisende bei Flugausfall auf Schadenersatz klagen können.

Passagiere warten an einem Gepäckband auf ihre Koffer - © © dpa - Kai Remmers

Passagiere warten an einem Gepäckband auf ihre Koffer © dpa /Kai Remmers

Das oberste EU-Gericht hat in zwei Urteilen die Ansprüche bei Gepäckverlust und Flugausfall präzisiert. So müssen Flugunternehmen Entschädigung für verlorenes Gepäck nicht nur pro Koffer, sondern pro Person zahlen. Das entschieden die Richter am Donnerstag in Luxemburg (Rechtssache C-410/11). In einem weiteren Fall (Rechtssache C-139/11) beschlossen sie, dass die Fristen für Klagen auf Schadenersatz wegen Flugausfalls von nationalen Vorgaben abhängen.

Wenn sich Reisende einen Koffer teilen, habe jeder einzelne Anspruch auf Entschädigung, befand der Europäische Gerichtshof. Er müsse aber vor einem nationalen Gericht zeigen können, dass sich eigene Gegenstände in fremden Koffern befanden. Dies könne zum Beispiel bei einer Familie, beim gemeinsamen Ticketkauf oder Einchecken der Fall sein, führten die Richter aus.

Wie viel Entschädigung kann ein Reisender höchstens bekommen?

Wie viel Entschädigung jeder Reisende höchstens bekommen kann, schwankt im Zeitverlauf, da der Entschädigungsanspruch im Fluggastrecht in «Sonderziehungsrechten» (SZR) angegeben wird, einer vom Internationalen Währungsfonds (IWF) geschaffenen Kunstwährung. Aktuell gilt eine Obergrenze von 1131 SZR je Reisendem. Nach aktuellem Kurs entspricht die höchstmögliche Entschädigung damit rund 1.350 Euro.

Im konkreten Fall aus dem Jahr 2008 hatte eine vierköpfige Familie die Fluggesellschaft Iberia auf insgesamt 4.400 Euro Entschädigung verklagt, weil auf einem Flug von Barcelona nach Paris ihre zwei Koffer verloren gegangen waren. Damals galt aber eine geringere Obergrenze von 1.000 SZR, und der Wechselkurs der Kunstwährung war anders als heute.

Verlorenes Gepäck

Weltweit gehen täglich fast 90.000 Koffer im Flugverkehr verloren, in Europa sind es rund 10.000. Damit erreicht etwa ein Prozent der Gepäckstücke nicht pünktlich seinen Besitzer am Zielort. In jedem zweiten Fall geht das Gepäck bei Anschlussflügen verloren. Nach Angaben des Luftverkehrs-Netzwerkes Sita kamen 2011 weltweit knapp 26 Millionen Koffer und Taschen nicht ordnungsgemäß ans Ziel (2007 waren es noch insgesamt 42,4 Millionen). Allein bei der Lufthansa betrifft das jährlich rund 800.000 Gepäckstücke. Etwa 40.000 davon können auch nach intensiver Nachforschung keinem Fluggast zugeordnet werden und landen bei der Gepäckversteigerung.

Urteil zu Flugausfall

Auch bei der Frage, wie lang Reisende ihre Fluggesellschaft beim Ausfall eines Fluges auf Schadenersatz verklagen können, schufen die Richter Klarheit. Dies hänge von der nationalen Gesetzgebung ab, nicht von internationalen Flugrechtsabkommen. Welches Recht gilt, bestimmt wiederum der Ort der Klage - dies kann entweder das Abflugs- oder der Ankunftsland sein. Dies hatten die Richter bereits 2009 entschieden (Rechtssache C-204/08). In Fällen höherer Gewalt muss die Gesellschaft nicht zahlen.

In Deutschland sind Klagen wegen des Ausfalls einer Verbindung mindestens drei Jahre lang möglich: für den Rest des laufenden Jahres und die folgenden drei Jahre. Im aktuellen Fall hatte ein Mann 2009 - mehr als drei Jahre, nachdem seine Verbindung von Shanghai nach Barcelona ausgefallen war - in Spanien Klage gegen die Fluggesellschaft KLM erhoben. Er pochte auf eine Ausgleichszahlung von 2.990 Euro sowie Zinsen und weitere Kosten. Seine Chancen auf Entschädigung sind mit der aktuellen Entscheidung gestiegen: Das katalanische Zivilrecht sieht eine zehnjährige Verjährungsfrist vor.

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Von: dpa, dpa-AFX
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