Garuda Indonesia storniert Auftrag über 50 Boeing 737 Max 8

22.03.2019 - 16:33 0 Kommentare

Die indonesische Lion Air war die erste Airline, die eine Boeing 737 Max bei einem Absturz verloren hat. Die größe Airline des Landes, Garuda, will ihre Max-Flieger nun nicht mehr haben. Man habe das Vertrauen verloren.

Boeing 737-MAX-8 in den Farben der Garuda Indonesia. - © © Boeing -

Boeing 737-MAX-8 in den Farben der Garuda Indonesia. © Boeing

Nach den Abstürzen von zwei Boeing 737 Max 8 mit insgesamt 346 Toten zieht die erste Fluggesellschaft Konsequenzen: Die indonesische Airline Garuda Indonesia widerrief den Kauf von 49 Maschinen dieses Typs im Wert von mehreren Milliarden Dollar, wie Unternehmenssprecher Ikhsan Rosan am Freitag sagte.

Der Boeing-Konzern, der wegen seiner Unglücksflieger ohnehin schon mit einem enormen Vertrauensverlust kämpft, gerät damit weiter unter Druck. Kommende Woche würden Vertreter von Boeing nach Indonesien reisen, um über die Abbestellung zu sprechen, so Rosan.

Garuda ist die größte Fluglinie des südostasiatischen Landes. In einem Schreiben an Boeing, das am Freitag veröffentlicht wurde, heißt es über den Unglücksflieger 737 Max 8: "Unsere Passagiere haben seit den Abstürzen nur noch geringes Vertrauen in diese Maschine."

Insgesamt hatte die indonesische Airline 50 Boeing 737 Max 8 bestellt, eine Maschine ist bereits ausgeliefert. Der Gesamtwert der Bestellung aus dem Jahr 2014 lag laut Listenpreisen bei 4,9 Milliarden Dollar.

Garuda möchte andere Boeing-Jets kaufen

Garuda verhandelt laut Rosan auch über die Rückgabe des bereits gelieferten Flugzeugs. Aus den Verträgen mit Boeing ohne wirtschaftlichen Schaden, hohe Anzahlungen bei Flugzeugbestellungen sind üblich, auszusteigen, dürfte für Garuda schwierig werden. Garuda-Chef I Gusti Ngurah Askhara Danadiputra sagte der Online-Nachrichtenseite "Detik", es gehe nicht darum, den Flugzeugbauer zu wechseln. Vielmehr werde der Kauf von Maschinen eines anderen Modells angestrebt. Die Airline betreibt rund 80 Boeing 737-800.

Viele Fluglinien weltweit lassen ihre Boeing 737 Max nach den Abstürzen sicherheitshalber am Boden. Derzeit laufen internationale Untersuchungen, ob möglicherweise eine fehlerhaftes Trimmsystem Grund für die Unglücke ist. Auch die Frage, ob bei der Zulassung der Flieger durch die US-Luftfahrtbehörde FAA alles mit rechten Dingen zuging, ist Gegenstand von Ermittlungen, in die sich jüngst auch die US-Bundespolizei FBI eingeschaltet haben soll.

© Southwest Airlines, Ashlee Duncan Smith Lesen Sie auch: US-Regierung stellt Zulassung für Boeing 737 Max in Frage

Eine der abgestürzten Maschinen vom Typ Boeing 737 Max 8 gehörte der indonesischen Billigfluglinie Lion Air. Die andere flog für die äthiopische Ethiopian Airlines. Der indonesische Billigflieger Lion Air, der zehn Boeing 737 Max hat, liegt seit dem Absturz einer ihrer Maschinen Ende Oktober ebenfalls mit dem Hersteller im Clinch. Der Finanzdienst Bloomberg berichtete unter Berufung auf Insider, dass Lion Air einen Wechsel zu Boeings Erzrivalen Airbus erwäge.

737-Max-Programm "too big to fail?"

Bis zuletzt zeigten sich die meisten Experten noch relativ gelassen, was einen größeren Auftragsschwund für Boeing angeht. Die neue 737- Max-Serie sei "zu groß zum Scheitern", hieß es etwa bei den Analysten der Berenberg Bank. Boeings wichtigste Baureihe, die für knapp ein Drittel des Umsatzes und über 50 Prozent des Gewinns stehe, sei neben dem Airbus-Konkurrenzmodell A320 unerlässlich, um die große weltweite Nachfrage nach kleineren Passagierflugzeugen zu bedienen. "Es gibt keine sinnvolle Alternative für einen massenhaften Umstieg".

Doch der Druck auf Boeing wird zweifelsohne immer größer und weitere Stornierungen sind keineswegs auszuschließen. Es vergeht kaum ein Tag ohne neue Medienberichte, in denen im Zusammenhang mit dem Unglücksflieger 737 Max 8 heftige Vorwürfe gegen den Flugzeugbauer erhoben werden. In den USA prüft derzeit der Generalinspekteur des Verkehrsministeriums, ob die Maschinen mit der umstrittenen Steuerungssoftware MCAS zur elektrischen Trimmung überhaupt hätten zertifiziert werden dürfen. Boeing will zumindest die MCAS-Software jedenfalls rasch überarbeiten.

Von: dk mit afp, dpa
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