Hintergrund

Fusion am Golf hängt auch an der Zukunft der Airports

19.10.2018 - 13:29 0 Kommentare

In Dubai entsteht der größte Airport der Welt und auch Abu Dhabi baut seinen Flughafen aus. Bei der Frage um eine mögliche Fusion der Golf-Carrier Emirates und Etihad spielt auch die Zukunft der Airports eine Rolle.

Flugzeuge von Etihad (links) und Emirates. - © © Fotos: PR, Montage: airliners.de -

Flugzeuge von Etihad (links) und Emirates. © Fotos: PR, Montage: airliners.de

Immer wieder kommen Diskussionen um die Zukunft der beiden großen Carrier am Persischen Golf auf. Erst kürzlich hieß es, dass Emirates Konkurrentin Etihad kaufen wolle. Die Meldung wurde umgehend dementiert - gleichlautende Gerüchte stehen aber in regelmäßigen Abständen im Raum.

Neben den diversen strategischen Unterschieden, spielen auch die Heimat-Airports der beiden Airlines eine Schlüsselrolle bei einer möglichen Fusion. Das meint auch Luftfahrt-Experte Gerald Wissel von Airborne Consulting: "Entscheidend wird für eine mögliche Fusion auch sein, welche Antworten man auf die Frage nach der Zukunft der jeweiligen Flughäfen findet".

Zwei Airports werden ein Problem

Denn beide Carrier bauen gerade: So entstehen in Dubai und Abu Dhabi Großflughäfen, die nur rund 90 Kilometer voneinander entfernt sind. In beiden Fällen sind die Mega-Airports auch große Prestigeträger. In Dubai entsteht bis 2025, mit dem Ausbau des Airports Dubai World Central der größte Flughafen der Welt. Dieser soll eine Kapazität von 160 Millionen Passagieren pro Jahr bewältigen können und zwölf Millionen Tonnen Luftfracht umschlagen.

Was dann mit dem aktuellen Flughafen passiert, ist noch nicht entschieden. Das ist laut Luftfahrt-Experte Wissel aber auch nicht der entscheidende Punkt. Spanender beziehungsweise wichtiger wird die Frage nach der Zukunft des Flughafens in Abu Dhabi.

Zusammenarbeit

Emirates und Etihad haben bereits schon einmal zusammengearbeitet: bei Gulf Air. Auseinander gebrochen ist die gemeinsame Airline durch verschiedene Austritte. Als erstes stieg das Emirat Dubai 1985 aus und gründete 1985 Emirates. Rund acht Jahre später folgte dann Qatar mit der Gründung von Qatar Airways. In Abu Dhabi entschied man sich 2003 eine eigene Airline zu gründen und rief Etihad Airways Ins Leben. Auch Gulf Air gibt es heute noch: Sie ist die alleinige Airline des Königreichs Bahrain. Die Verkehrsrechteabkommen zwischen den VAE-Staaten und Europa haben sich in der Zeit allerdings nicht geändert, was zur Folge hat das die die Airlines sich gegenseitig einschränken.

Dieser wird auch gerade ausgebaut. Allerdings wird der Airport im Vergleich zum Dubai World Central deutlich kleiner ausfallen. So soll das neue Midfield-Terminal nach einigen Verzögerungen im kommenden Jahr ans Netz gehen und mehr als 30 Millionen Passagiere abfertigen können.

Schnellbahn zwischen den Airports

Laut Wissel denke man derzeit in Abu Dhabi als auch in Dubai darüber nach, beide Airports zu behalten. Dieser Plan sehe vor, die Verkehre aufzuteilen und beide Flughäfen mit einer Schnellbahn zu verbinden. Passagiere würden dann nach Dubai fliegen und in einem Schnellzug nach Abu Dhabi fahren, um von dort weiterzufliegen - und umgekehrt.

Wissel prognostiziert, dass dieses Konzept so nicht funktionieren werde. "Gerade wenn man bedenkt, dass die Umsteigezeiten sowieso schon schwierig sind, dann noch mit dem Zug zu fahren, macht keinen Sinn." Aber es wäre eine "gesichtswahrende Lösung für beide Seiten", so der Luftfahrtexperte, der auch an der Gründung von Etihad beteiligt war.

Gleichzeitig drängt die Zeit, denn in Zukunft wird der neue Flughafen in Istanbul eine entscheidende Rolle übernehmen und könnte der Golf-Region massive Konkurrenz bescheren. Denn im Vergleich zu den Golf-Airports verfügt Istanbul über eine Catchment-Area.

Entscheidend für den Erfolg wird auch die Frage, wie bequem und wie zeitintensiv das Umsteigen in Istanbul wird. Denn die Flugzeit werde sich nicht viel nehmen, wenn man beispielsweise von New-York über Istanbul oder über den Golf nach Singapur fliegt, so der Experte.

Beste Lösung: Fusion

Eine Zusammenarbeit von Emirates und Etihad war bisher aber vor allem auch an den unterschiedlichen Strategien beider Airlines gescheitert. Während Emirates recht erfolgreich darauf setzt, ausschließlich mit Großraumjets viele Passagiere über ihr Drehkreuz in Dubai zu fliegen, ist Etihad an der Idee den eigenen Hub in Abu Dhabi durch den Kauf verschiedener Airlines als Zubringer zu füttern, gescheitert.

© Fotos: PR, Montage: airliners.de, Lesen Sie auch: Darum passen Emirates und Etihad zusammen - und darum nicht

Doch spätestens mit den Pleiten von Alitalia und Air Berlin verloren die Araber ihren Plan. Seit dem sucht Etihad nach einer neuen Strategie - und scheint offen für Emirates, wie das "Memorandum of Understanding" zwischen den beiden großen Golf-Carriern vom Jahresanfang zeigt: Beide einigten sich auf mehr Zusammenarbeit bei beispielsweise Technik und Groundhandling.

Von: br
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