Fusion von Boeing und Embraer in der Schwebe

08.03.2018 - 16:43 0 Kommentare

Nach dem Pakt von Airbus und Bombardier wollen die Flugzeugbauer Boeing und Embraer fusionieren. Doch die brasilianische Regierung hat ein entscheidendes Wort mitzureden - und deren Linie ist noch nicht klar.

In der Montagelinie von Embraer. - © © Embraer -

In der Montagelinie von Embraer. © Embraer

Der brasilianische Flugzeugbauer Embraer lotet weiterhin seine mögliche Übernahme durch den US-Rivalen Boeing aus. Die Gespräche über einen Zusammenschluss dauerten an, teilte Embraer am Donnerstag am Unternehmenssitz in São Paulo mit. Boeings Lateinamerika-Chefin Donna Hrinak und andere Manager des US-Konzerns wollen sich im Tagesverlauf in New York mit dem brasilianischen Finanzminister Henrique Meirelles treffen.

Zuvor hatte der Abgang des bisherigen Verteidigungsministers Raul Jungmann, der die Gespräche für Brasilien geführt hatte, den Verhandlungen eine überraschende Wendung gegeben. Vorübergehend führt nun der ehemalige General Joaquim Silva e Luna das Ministerium. Brasilianischen Medien zufolge hatte er sich gegen einen Verkauf von Embraer gewehrt.

Die Goldene Aktie der Regierung

Die Regierung hält eine sogenannte Goldene Aktie an dem einst staatlichen Konzern, der neben Regionaljets auch Kampfjets und Militärtransporter herstellt. Mit dieser Aktie kann sie einen Verkauf verhindern. Von Embraer hieß es nun, es sei unsicher, ob der Deal mit Boeing zustande komme.

Im abgelaufenen Jahr musste Embraer einen Umsatzrückgang um sechs Prozent auf 5,8 Milliarden US-Dollar (4,7 Milliarden Euro) hinnehmen. Der um Sonderposten bereinigte operative Gewinn (bereinigtes Ebit) brach um ein Fünftel auf 397 Millionen Dollar ein. Dabei lieferte das Unternehmen 101 Verkehrsflugzeuge und 109 Geschäftsreise-Jets aus.

Weniger Verkehrsjets bei Embraer

Für das laufende Jahr peilt die Embraer-Führung die Auslieferung von 85 bis 95 Verkehrsmaschinen und 105 bis 125 Geschäftsreise-Fliegern an. Der erwartete Rückgang bei den Verkehrsjets liegt an der Umstellung auf die neue Generation der E2-Jets. Bei diesem kommt ein ähnlicher Triebwerkstyp von Pratt & Whitney zum Einsatz, wie er den Airbus A320neo und Bombardiers C-Serie antreibt.

© Airbus, Lesen Sie auch: Airbus A350: Enge wird Teil des Programms

Embraer ist wie der kanadische Rivale Bombardier stark im Geschäft mit den kleineren Regionaljets, wie sie die Platzhirsche Boeing und Airbus nicht im Angebot haben. Airbus war jüngst bei Bombardiers C-Serie eingestiegen, nachdem die USA den in Schieflage geratenen kanadischen Konzern wegen erhaltener Staatshilfe mit hohen Strafzöllen belegt hatten.

Im Dezember hatte Embraer bestätigt, mit dem Airbus-Rivalen Boeing über einen Zusammenschluss zu verhandeln. In welcher Form dieser geschehen soll, ist aber noch offen.

Von: dpa
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