Die Born-Ansage (90) ( Gastautor werden )

Fünffache Götterdämmerung

19.07.2018 - 12:34 0 Kommentare

Eurowings gesteht Überforderung ein, Ryanair storniert wegen Streiks 600 Flüge und Lauda Motion geht wohl das Geld aus. Und was ist mit Etihad und Thomas Winkelmann los, fragt Karl Born.

Klare Ansagen: Professor Karl Born kommentiert die aktuellsten Entwicklungen der Luftverkehrsbranche. - © © airliners.de, Karl Born -

Klare Ansagen: Professor Karl Born kommentiert die aktuellsten Entwicklungen der Luftverkehrsbranche. © airliners.de, Karl Born

Fünffache Götterdämmerung: Mehrere Airlines und ihre Chefs proben den Strategieschwenk - oder bewahrten sich einfach nur langgehegte Klischees der Luftfahrt? Karl Born gibt einen Überblick über das, was ihn gerade verwundert.

Fall 1: Thorsten Dirks

Eurowings-Chef Thorsten Dirks sieht langsam, dass Wachstum um jeden Preis und Kundenzufriedenheit zum Widerspruch wird. Wenn Flüge zu spät ankommen, ist in der Regel zwischen Abflug und Ankunft immer genügend Zeit, um am Zielflughafen Vorbereitungen für anständiges Kunden-Handling zu treffen. Vorausgesetzt natürlich man will es und hält es für wichtig hält. Diese Botschaft hat im Moment keine Airline verinnerlicht, eine unglaubliche Kundenmissachtung. Da schlage doch glatt der Blitz ein.

Foto: © Eurowings

Aber der Kunde soll sich ja auch nichts dabei denken, dass er beim Start in ein Flugzeug einer Airline einsteigen soll, die seit einem Jahr pleite ist - zumindest signalisiert das bei einigen Flugzeugen die immer noch komplette original Air Berlin-Bemalung. Und an Bord, wird man von Tuifly-Mitarbeitern betreut. Leistung Eurowings: das Reservierungssystem?

Fall 2: Michael O'Leary

Die Götterdämmerung bei Ryanair-CEO Michael O'Leary ist mehr als überfällig. Große Klappe, aber die Kunden sind ihm egal und das Personal sowieso. Innerhalb von drei Wochen gibt es netto fünf Streiktage von Piloten und Flugbegleitern - rund 700 Flüge muss O'Leary ersatzlos streichen, weil sein Personal nicht länger bereit ist, sich auszubeuten lassen. Was die EU nicht geschafft hat, ordentliche gesetzliche Mindestanforderungen durchzusetzen, nimmt die Belegschaft jetzt selbst in die Hand.

Foto: © dpa, Stf

Skandalös auch seine Nonchalance den Kunden gegenüber, die wegen eines Druckabfalls in der Kabine (Grund noch unklar) unplanmäßig in Hahn zwischenlanden mussten. Übernachtung für Kunden? Pech gehabt. Hotelzimmer, gibt es nicht genügend in Hahn. Dabei hat er doch jahrelang Hahn als Frankfurt verkauft - da gibt es genügend Hotelzimmer.

Einige Kunden brauchten kein Hotelzimmer, die mussten mit Nasen- und/oder Ohrbluten ins Krankenhaus gebracht werden. Als Hohn werden sie empfunden haben, am nächsten Tag auf den Social-Media-Kanälen von Ryanair nach der Abhandlung der Unregelmäßigkeiten zu lesen: "Have a Great Day."

Fall 3: Niki Lauda

Hat er nun oder hat er nicht, die Rechnungen bei Lufthansa bezahlt? Gemeint ist Niki Lauda und die Gebühren für die von Lufthansa geleasten Flugzeuge. Dass Lauda nicht sehr großzügig ist beim Geld ausgeben, ist bekannt. Vertrag ist eigentlich Vertrag.

Foto: © dpa, Georg Hochmuth/APA

Aber vielleicht ist wieder wichtig, in welchem Land Gerichtsstand ist. Mit dem so wichtigen Heimvorteil für Lauda oder nicht? Lufthansa meint diese Flugzeuge für Eurowings zu benötigen, dabei bekommen die schon die heutige Anzahl von Air-Berlin-Flugzeugen nicht auf die Reihe.

Fall 4: Etihad

Aus der Geschichte lernen? Das gilt doch nicht für mich, denkt so mancher Top-Manager. Für Etihads Ex-Chef James Hogan, der nichts aus der gescheiterten "Hunterstrategie" der Swissair gelernt hatte, fand schon vor Monaten seine persönliche Götterdämmerung statt.

Foto: © Etihad Airways

Aber als besonders heftigen Schlag in die Magengrube wird er empfunden haben, wenn das neue Management über einen Eintritt in eine Luftfahrtallianz nachdenkt. Dies nicht zu machen, hat er immer als seine persönliche Intelligenz verkündet.

Fall 5: Thomas Winkelmann

Seine göttliche Stellung schien für Jahre hinaus unangreifbar gesichert. Die bankmäßige Absicherung seines Millionengehaltes fand Air Berlin-CEO Thomas Winkelmann immer als absolut gerechtfertigt. Spätestens nach der Insolvenz von Air Berlin wurde er für die auf der Straße stehenden arbeitslosen Air-Berlin-Mitarbeiter zum Feindobjekt und für die Medien zum Inbegriff von Gier.

Foto: © dpa, Alban Grosdidier

Hätte er damals "aus Solidarität" auf einen Teil seines Gehalts verzichtet, hätte er Manager des Jahres werden können. Nur schwer verständlich, dass er es jetzt doch tun will. Ist ihm Nichtstun im Saatwinkler Damm so auf die Nerven gegangen? Oder winkt ein noch größerer Gehaltsbrocken? Götter kommen ja manchmal auch aus der Asche empor. Gerecht?

Über den Autor

In seiner Reihe "Die Born-Ansage" veröffentlicht der ehemalige Condor-Vertriebschef, Tui-Vorstand und Touristik-Honorarprofessor Karl Born auf airliners.de Kolumnen zum aktuellen Geschehen in der Luftverkehrswirtschaft.

Professor Karl BornAls Redner auf Führungskräfte- und Verbandstagungen ist Karl Born in der ganzen Welt unterwegs. Als "Querdenker der Reisebranche" für seine "Bissigen Bemerkungen" ausgezeichnet, nimmt der ehemalige Airline- und Touristikmanager auch in Sachen Luftverkehr kein Blatt vor den Mund. Kontakt

Von: Karl Born für airliners.de
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