Ein Airport, eine Aufgabe, fünf Unternehmen

Exklusiv 21.09.2017 - 14:54 0 Kommentare

Das Chaos um die Fluggastkontrollen am Flughafen Düsseldorf offenbart ein grundlegendes Problem: Die Bundespolizei regelt die Luftsicherheit, nicht die Flughäfen. Am NRW-Airport sind aktuell fünf Firmen im Einsatz - nicht nur aus Deutschland.

Schild eines Kontrolleurs am Flughafen. - © © dpa - Caroline Seidel

Schild eines Kontrolleurs am Flughafen. © dpa /Caroline Seidel

Am Flughafen Düsseldorf sind Ende der Woche wohl fünf private Sicherheitsunternehmen mit einer Aufgabe, den Fluggastkontrollen, beauftragt. Da der eigentlich von der Bundespolizei betraute Dienstleister Kötter aufgrund eines hohen Krankenstandes nur rund 400 Mitarbeiter pro Tag an den Kontrollstrecken einsetzen kann, ist nach airliners.de-Informationen, von Kötter auch Sicherheitspersonal aus dem Ausland geordert worden.

So nehmen seit Wochenbeginn Mitarbeiter des belgischen Dienstleisters G4S in der Kötter-Akademie an einem viertägigen Crashkurs teil. Sie sollten eigentlich ab Donnerstag die Mitarbeiter in den Fluggastkontrollen am Airport unterstützen.

Bundespolizei untersagt Einsatz zunächst

Wie es zuletzt aus Mitarbeiterkreisen hieß, wurde das Vorhaben Kötters jedoch von der Bundespolizei zunächst gestoppt, sodass die ausländischen Mitarbeiter erst einmal nur die Wannen an den Kontrollstrecken zurückführen dürfen. "Sie sollen übers Wochenende noch intensiv Deutsch lernen und dann kommende Woche mit uns in der Rotation eingesetzt werden", berichtet ein Luftsicherheitsassistent. "Ich versteh nicht, warum Deutschkenntnisse an einem internationalen Flughafen so wichtig sind ..."

Zu den elf Kontrolleuren stoßen in der kommenden Woche noch welche dazu. Zudem sind seit Mittwoch 13 Mitarbeiter von I-Sec aus Hamburg, seit Dienstag sieben Mitarbeiter von Condor Sicherheit und seit Samstag 21 Mitarbeiter von Securitas im Einsatz.

Verdi spricht von "reiner Kosmetik"

"Bei jedem anderen Land würden wir angesichts des Flickenteppichs von einer Bananenrepublik sprechen", kritisiert Özay Tarim von Verdi gegenüber airliners.de. Die Kötter-Mitarbeiter der Fluggastkontrollen am Airport Düsseldorf haben vor Kurzem eine Überlastungsanzeige gegen ihren Arbeitgeber gestellt und nun Entlastungsmaßnahmen zugesagt bekommen.

"Das ist reine Kosmetik", heißt es von Verdi. Seit Ende April sei bekannt, wie viele Mitarbeiter an den Kontrollen zu den Hochzeiten im Sommer benötigt würden. Kötter habe sich erst Ende August nach Einreichen der Überlastungsanzeigen bei anderen Unternehmen nach zusätzlichem Personal umgehört, da das Essener Unternehmen mit der eigenen Rekrutierung nicht nachgekommen war. "Diese Hilfe wurde von anderen im Arbeitgeberverband verwehrt, sodass man jetzt sogar ins Ausland ausweichen muss. Das zeigt doch: Das eigentliche Problem ist die Organisation der Zuständigkeiten - das muss sich schnellstens ändern."

Die Bundespolizei vergibt seit den 90er-Jahren langfristige Aufträge für die Fluggastkontrollen an deutschen Großflughäfen an private Sicherheitsunternehmen. "Die werden, wie jetzt im Fall Kötter, einfach allein gelassen. Letztlich leiden dann die Passagiere und Mitarbeiter."

ADV fordert Reform der Zuständigkeiten

Auch der Flughafenverband ADV fordert eine Reform der Verantwortlichkeiten. "Deutschland hat ein fragmentiertes System der Zuständigkeiten im Bereich der Luftsicherheit. Aktuell ist es so, dass die Flughäfen nicht eingreifen können, wenn Prozesse nicht optimal funktionieren", sagt ADV-Präsident Michael Garvens im Gespräch mit airliners.de

"Die privaten Sicherheitsdienstleister müssen stärker zu Qualität und Service verpflichtet werden. Die deutschen Flughäfen sind bereit, die Verantwortung für die Auswahl und operative Steuerung von privaten Dienstleistern zu übernehmen." Die Politik sei aufgerufen, nach der Bundestagswahl die gesetzlichen Grundlagen dafür zu schaffen.

Interne Prognose für Oktober

Eine interne Prognose der Bundespolizei zeigt zudem, dass die Nachfrage an Sicherheitsmitarbeitern am drittgrößten deutschen Airport nicht abreißen wird. Für Oktober sind in der Aufstellung rund 95.000 Kontrollstunden veranschlagt – im Juli waren es wegen der anstehenden Sommerferien in vielen Bundesländern circa 100.000.

500 Mitarbeiter würden pro Tag an den Kontrollstrecken am NRW-Airport erforderlich sein. "Da reicht auch der jetzig Flickenteppich nicht aus", heißt es in Behördenkreisen.

Von: cs
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