Interview

Fünf Fragen an Hamburgs Flughafenchef Michael Eggenschwiler

28.12.2015 - 17:13 0 Kommentare

2015 war aus Sicht des Hamburger Flughafen-Chefs Michael Eggenschwiler ein sehr erfolgreiches Jahr. In unserer Interview-Serie "Fünf Fragen an" spricht Michael Eggenschwiler von Rekorden - findet aber auch mahnende Worte.

Michael Eggenschwiler, Vorsitzender der Geschäftsführung Hamburg Airport - © © dpa - Christian Charisius

Michael Eggenschwiler, Vorsitzender der Geschäftsführung Hamburg Airport © dpa /Christian Charisius

Anlässlich des Jahreswechsels hat airliners.de an die deutschen Flughafen- und Airline-Chefs ein paar Fragen geschickt. Die Antworten veröffentlichen wir in den nächsten Tagen unter der Rubrik "Fünf Fragen an...". Alle Interviews dieser Reihe finden Sie auf unserer Themenseite.

Was war Ihr persönliches Highlight 2015 aus beruflicher Sicht und warum?
Michael Eggenschwiler: Da möchte ich gleich zwei Highlights nennen. Wir haben im Dezember erstmals die Jahresmarke von 15 Millionen Passagieren erreicht - und damit das zweite Jahr in Folge einen neuen Rekord erzielt. Was mich dabei besonders freut: Das Fliegen wird immer effizienter. Die Fluggesellschaften transportieren pro Flug immer mehr Passagiere, so dass die Zahl der Flüge deutlich schwächer steigt als die der Passagiere. Das zweite Highlight waren unsere Airport Days Hamburg im August mit über 80.000 Besuchern. Wir konnten Luftfahrt zum Anfassen bieten - viele Menschen erlebten so die Faszination unserer Branche.

Auf welches Ereignis hätten Sie in diesem Jahr gerne verzichtet und warum?
Eggenschwiler: Das waren leider zum wiederholten Male die Streiks, die in diesem Jahr erst die Sicherheitskontrollen und dann die Lufthansa betrafen. Was mich dabei ärgert: Diese Tarifauseinandersetzungen wurden auf dem Rücken der Passagiere ausgetragen und damit zum Leidwesen von Unbeteiligten. Wir als Flughafen hatten dadurch auch wirtschaftliche Einbußen, aber langfristig noch schwerer wiegt aus meiner Sicht der nicht auszuschließende Vertrauensverlust in den Luftverkehr als verlässliches Verkehrsmittel.

Welche persönliche Bilanz ziehen Sie in diesem Jahr insgesamt für Ihren Airport?
Eggenschwiler: Für den Hamburg Airport war 2015 ein sehr erfolgreiches Jahr. Aber das kommt nicht von ungefähr: Alle am Flughafen haben hart dafür gearbeitet, um das erneute Passagierwachstum in den vielen Aufgaben des Alltags umzusetzen. Trotz dieser Herausforderung konnten wir immer wieder mit innovativen Ideen punkten sowie in punkto Umweltbewusstsein und Nachhaltigkeit weitere Verbesserungen erreichen.

Der Hamburg Airport

Der Flughafen Hamburg-Fuhlsbüttel ist der nach Passagieren fünftgrößte Flughafen Deutschlands. Nach Kapazitäten ist aktuell die Lufthansa-Group inklusive Eurowings mit Abstand größter Kunde am Platz, gefolgt von Air Berlin und Easyjet.

Blick auf den Hamburg Airport. Nach Passagieren ist er der fünftgrößte Flughafen in Deutschland. Foto: © Michael Penner

Welche Herausforderungen sehen Sie für das Jahr 2016? Und wie wollen Sie diese angehen?
Eggenschwiler: Die Grundsanierung des Hauptvorfeldes - und damit des Herzstücks unserer Flughafen-Infrastruktur - ist ein Großprojekt, das uns 2016 und in den darauffolgenden Jahren beschäftigen wird. Wir investieren hier insgesamt 120 Millionen Euro. Die Herausforderung besteht darin, die Maßnahmen bei laufendem Betrieb zu koordinieren, umzusetzen und die Auswirkungen auf den Flugverkehr so gering wie möglich zu halten.
Gleichzeitig werden wir unseren Service für die Passagiere ausbauen, gerade mit Blick auf die sich verändernden Anforderungen unserer digitalen Welt. Ob Businessreisender oder Urlauber: Wer am Airport mobil online gehen möchte, dem bieten wir bald noch mehr Möglichkeiten und ein besseres Netz. Zudem gestalten wir die Pier-Wartebereiche Schritt für Schritt um und modernisieren das Bild des Hamburger Flughafens.

Was würden Sie sich für die deutsche Luftfahrtbranche wünschen?
Eggenschwiler: Ich wünsche mir ein Zusammenrücken der gesamten Branche, damit wir im globalen Markt wettbewerbsfähig bleiben und dass die Politik die Bedeutung unserer Branche für die Volkswirtschaft mit sichtbaren Entscheidungen deutlich macht. Eine Forderung bleibt die Abschaffung der Luftverkehrsabgabe: Sie ist nach wie vor eine deutliche Wachstumsbremse und schwächt den deutschen Luftverkehr. Aber auch die steigende Anzahl an Auflagen und Regularien macht uns zu schaffen.

Von: airliners.de
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