Führungsstreit am Airport Salzburg

29.06.2018 - 14:11 0 Kommentare

Am Salzburger Airport tobt ein Streit unter Aufsichtsratsmitgliedern. Ausgetragen wird er über die Medien. Es geht um "schlechte Vorbereitung" und "Interessenkonflikte". Der Airport äußert sich in einer Mitteilung.

Nachtansicht vom Flughafen Salzburg: Streit im Kontrollgremium.  - © © AirTeamImages - Georg Lobendanz

Nachtansicht vom Flughafen Salzburg: Streit im Kontrollgremium. © AirTeamImages /Georg Lobendanz

Am Flughafen Salzburg hat ein offenbarer Streit zwischen zwei Aufsichtsratsmitgliedern für negative Schlagzeilen gesorgt. Im Zentrum der Auseinandersetzung stehen der Aufsichtsratsvorsitzende Christian Stöckl sowie das langjährige Aufsichtsratsmitglied und ehemaliger Vorsitzender des Gremiums Anton Bucek. Dieser erhebt in einem offenen Brief, schwere Vorwürfe gegen Stöckl.

So wirft Bucek Stöckl vor, schlecht vorbereitet zu Sitzungen erschienen zu sein und sich auch um die Interessen des Airports nicht ausreichend gekümmert zu haben. Das hätte sich besonders in der Nachbesetzung des Geschäftsführerpostens gezeigt. Hier hätten "Leerläufen in der Kundenkommunikation und Kundenpflege" letztlich zum ausgedünnten Sommerflugplan geführt, zitieren österreichische Medien aus dem Brief Buceks.

Bucek spricht von Interessenkonflikt

Scharfe Kritik äußert er auch an der Tatsache, dass sein Nachfolger als stellvertretender Landeshauptmann des Landes Salzburg (vergleichbar mit einem deutschen Ministerpräsidenten) auch ressortverantwortliches Regierungsmitglied und Haupteigentümervertreter in der Generalversammlung ist. Denn Eigentümer des Flughafens ist zu 75 Prozent das Land Salzburg; der Stadt Salzburg gehören die restlichen 25 Prozent. Diese "Personalunion" vertrage sich laut Bucek nicht und könne zu einem Interessenkonflikt führen.

Grundsätzlich spricht er Stöckl auch die fachliche Qualifikation für den Job ab. "Sie sind weder ein Luftfahrtfachmann, noch ein Mann mit Wirtschaftserfahrung. Sie sind gelernter und freigestellter Pädagoge einer Mittelschule, was Sie eher für einen Schulratsposten prädestiniert, nicht jedoch für ein Wirtschaftsunternehmen wie die Salzburger Flughafen Gesellschaft." Der Brief endet mit dem Aufruf, dass Stöckle seinen Posten als Aufsichtsratschef niederlegen solle.

Stöckl weist Vorwürfe zurück

Der Beschuldigte weist die Vorwürfe gegenüber den "Salzburger Nachrichten" als "haltlos" zurück und sagt weiter: "Herr Bucek hat ein Problem. Er hat uns schon längere Zeit bombardiert, weil er unbedingt im Aufsichtsrat bleiben will. Er spürt offensichtlich, dass seine Zeit gekommen ist, und schlägt wie wild um sich." Stöckl hatte angekündigt, den 14-köpfigen Aufsichtsrat verjüngen und mit Persönlichkeiten besetzen zu wollen, die direkt aus der Wirtschaft kommen. Bucek sollte dabei nach 35-Jahren Zugehörigkeit nicht wieder berücksichtigt werden.

Stöckl wehrt sich auch gegen den Vorwurf eines möglichen Interessenkonflikts. "Ich bin als Eigentümervertreter der Aufsichtsratsvorsitzende. Das war immer schon so beim Flughafen und das werden wir auch weiterhin so halten", so der stellvertretende Landeshauptmann gegenüber österreichischen Medien. An Bucek addressiert spricht er von "Handeln aus Eigeninteresse". Beispielsweise soll er die Verbindung Salzburg-Paris aus Eigennutz am Airport etabliert haben. Laut Medien soll seine Tochter in der französischen Hauptstadt vorübergehend leben.

Auch der Flughafen dementiert

Auch die Flughafengesellschaft äußerte sich in einer Pressemeldung zu den Vorwürfen. So weist sie die von Bucek erhobenen Vorwürfe der Nachlässigkeit beim Umbau der Geschäftsführung "mit Entschiedenheit zurück". Zum einen sei die Nachbesetzung der Geschäftsführung Angelegenheit des Eigentümers und nicht des Aufsichtsrats und zum anderen habe man, um möglichst viel Kontinuität zu wahren, den Vertrag des scheidenden Geschäftsführers um eineinhalb Jahre verlängert.

Auch gegen den Vorwurf der fehlenden Kundenakquisition und dem daraus resultierendem fehlendem Sommerangebot, wehrt sich der zweitgrößte Airport Österreichs. Zudem betont der Flughafen, dass Sommerdestinationen weiter angeboten würden. Vielmehr seien Ausfälle von Flugverbindungen vielmehr auf Turbulenzen der Airlines zurückzuführen. Salzburg war ein wichtiger Flughafen für Air Berlin und Niki, heute dominiert dort Eurowings:

Die Top-Fünf-Airlines am Salzburg Airport
0
Eurowings 43.7
Austrian Airlines 28.1
Lauda Motion 7.8
Turkish Airlines 5.2
Ryanair 5
Restliche Airlines 10.2

Das Diagramm zeigt die prozentuale Kapazitätsverteilung der am Flughafen Salzburg operierenden Airlines. Die Angaben beziehen sich auf den Sommerflugplan 2018.Quelle: ch-aviation

Im vergangen Jahr registrierte der Flughafen mit rund 1,8 Millionen Reisenden einen neuen Passagierrekord. Insgesamt verzeichnet der Airport seit 2013 kontinuierlich wachsende Passagierzahlen.

Von: br
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