Führungsgerangel erreicht Airbus

11.01.2011 - 17:19 0 Kommentare

Der Jahresauftakt steht im Zeichen der Luftfahrt: EADS-Chef Louis Gallois will am Mittwoch den Jahresausblick präsentieren, am Tag danach will Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy bei Airbus eine Rede vor 2.000 Managern halten. Angesichts einer Debatte über eine Neuordnung des Topmanagements wird sie mit Spannung erwartet.

Arnaud Lagardere (l) und Louis Gallois von EADS sitzen bei der Übergabe des ersten A380 an Singapore Airlines nebeneinander. - © © dpa - epa Horcajuelo

Arnaud Lagardere (l) und Louis Gallois von EADS sitzen bei der Übergabe des ersten A380 an Singapore Airlines nebeneinander. © dpa /epa Horcajuelo

Der französische Spitzenmanager Louis Gallois (66) ist ein alter Fuchs beim Austarieren heikler deutsch-französischer Interessenlagen. Eine Führungskraft mit klassischer Elite-Ausbildung, die eine Menge von Zahlen versteht. Doch wenn er an diesem Mittwoch in Les Mureaux die Kerndaten des europäischen Vorzeigeunternehmens EADS präsentiert, dann darf er sich nicht nur auf technische Fragen gefasst machen. Denn Äußerungen des Medienmanagers Arnaud Lagardère stellten gerade erst die Zukunft des Mannes mit dem markanten Kahlkopf bei der Airbus-Muttergesellschaft infrage.

Lagardère spielt eine Schlüsselrolle bei EADS, weil sein Vater Jean-Luc einer der EADS-Gründer ist: Der Unternehmer mit freundschaftlichen Banden zu Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy hält als EADS-Miteigentümer eine 7,5-prozentigen Beteiligung. Obwohl er sich perspektivisch davon trennen will, beharrt er darauf, 2012 wie geplant den Daimler-Finanzvorstand Bodo Uebber als Vorsitzenden des mächtigen EADS-Verwaltungsrat abzulösen. So war es abgesprochen in einem mühsam ausgehandelten Kompromiss zwischen Berlin und Paris.

Denn in der Vergangenheit hatte es immer wieder Streit um die Vorherrschaft bei dem börsennotierten Konzern gegeben, der seinen Umsatz zu 70 Prozent mit Airbus-Flugzeugen erwirtschaftet. Deutsch-französische Muskelspiele, Grabenkämpfe in der Führungsspitze sowie das Tauziehen um Standorte und Produktionsanteile machten dem gerade 40 Jahre alt gewordenen Flugzeugbauer und seiner Muttergesellschaft lange zu schaffen. Paris und Berlin hatten 2007 daher ein Abkommen zur binationalen Besetzung der EADS-Spitze beschlossen, auf dessen Umsetzung sich Lagardère nun durchaus legitim berufen kann.

Müsste der Deutsche Uebber daher gehen, müsste auch der Franzose Gallois weichen - der deutsche Airbus-Chef Thomas Enders würde dann voraussichtlich Nachfolger von Gallois. Doch in der Zwischenzeit arbeitet die deutsch-französische Cockpit-Crew Gallois/Enders erfolgreich auf Augenhöhe zusammen und würde gerne weitermachen. Der Deutsche hält als Airbus-Chef die wichtigste Tochter auf Kurs, bei der Gallois einmal mit seinem deutschen Weggefährten, Ex-Bahnchef Hartmut Mehdorn, begonnen hatte. Wie Mehdorn hat auch Gallois eine Zeit lang die Bahn seines Landes geleitet, bevor er 2007 Chef der Airbus-Muttergesellschaft EADS würde.

Ein erneutes deutsch-französisches Postengerangel bei Airbus käme Präsident Sarkozy denkbar ungelegen, da er 2012 bei den Präsidentschaftswahlen ein zweites Mandat anstrebt und gerne mit Erfolgen glänzen möchte. Das Podium des Neujahrsempfangs am Airbus-Stammsitz in Toulouse am Donnerstag kommt ihm da gerade recht: Mit Spannung wird Sarkozys Rede vor 2000 Vertretern der französischen Wirtschaft erwartet.

Von: dpa
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