Spaeth fragt (51) ( Gastautor werden ) "Frau Flierl, können Frauen Luftfahrt besser als Männer?"

28.01.2016 - 11:46 0 Kommentare

Die Mainzer Pilotin und Betreiberin der Business-Airline AirGO, Daniela Flierl (51), hat selbstbewusst ihren Weg in der Fliegerei gemacht. Wie sie die Rolle von Frauen in der Luftfahrt sieht, hat sie Andreas Spaeth erklärt.

Daniela Flierl, Pilotin und Betreiberin der Business-Airline AirGO Foto: © Andreas Spaeth,

Eigentlich wollte Daniela Flierl schon als junge Frau Pilotin werden, doch das war damals fast unmöglich. Daher studierte sie zunächst Kommunikationsdesign und gründete eine Werbeagentur, machte nebenbei ihre private und kommerzielle Pilotenlizenz. Mit ihrem Mann, der ebenfalls fliegt, nutzte sie ein Privatflugzeug beruflich. Daraus entstand dann die private Fluggesellschaft AirGO in Mainz, die im Bereich der Business Aviation heute vier Piaggio Avanti betreibt. Andreas Spaeth befragte sie zur Rolle von Frauen in der Fliegerei.

Frau Flierl, können Frauen Luftfahrt besser als Männer?
Daniela Flierl: Ich glaube, es ist völlig egal ob das Mann oder Frau ist, einige sind eben talentierter als andere, ich glaube nicht an den Unterschied zwischen Männern und Frauen in der Fliegerei.

Warum gibt es denn so wenige in der Luftfahrt tätige Frauen?
Flierl: Ich glaube, das kommt sehr viel von Seiten der Frauen selbst. Wenn ich Reaktionen höre auf meine eigene Tätigkeit, Pilotin und Betreiberin einer eigenen Airline, sind meist eher die Frauen erstaunt, weniger die Männer. Ich glaube viele Frauen sehen sich einfach nicht in der Luftfahrt. Die, die das tun, scheuen sich heute zumindest nicht mehr, ihren Weg als Pilotin zu gehen, ich kenne viele Kolleginnen.

Aber ich beobachte, dass immer noch viele Passagiere zweifelnd schauen, wenn sich aus dem Cockpit eine Pilotin meldet...
Flierl: Ich denke, das hat sich sehr gewandelt in den vergangenen 15 oder 20 Jahren. Ich habe es selbst erlebt, dass ein Privatflugzeug-Kunde zutiefst schockiert war, als er mich im Cockpit seines Flugzeugs gesehen hat. Sein Sicherheitspersonal erklärte mir, er sei noch nie in seinem Leben mit einer Kapitänin geflogen. Nach dem Flug kam er dann, hat sich bedankt und fand alles ganz toll. Ich konnte mir nicht verkneifen zu sagen: ‚Sehen Sie, Sie haben es überlebt!’. Da hat er laut gelacht. Aber das liegt mindestens zehn Jahre zurück.

Auf dem Boden halten sich ja hartnäckig Vorurteile über die Geschlechter nach dem Motto: "Frauen können nicht einparken, Männer sind farbenblind", gibt es so etwas auch beim Fliegen?
Flierl: Also zum Beispiel positive Vorurteile über uns Frauen, mir haben schon vor über 25 Jahren meine Fluglehrer gesagt dass Frauen oft viel gefühlvoller fliegen würden als männliche Kollegen. Aber das war vermutlich einfach nett gemeint, ich habe nie wirkliche Diskussionen darüber mitbekommen, ob Männer oder Frauen unterschiedlich fliegen. Aber klar ist, dass Männer und Frauen unterschiedlich kommunizieren, auch im Cockpit, und Dinge unterschiedlich verstehen. Daher spielt das beim effizienten Crew Resource Management schon eine Rolle.

Warum haben Sie sich als junge Frau für die Luftfahrt entschieden?
Flierl: Ich war schon als Kind begeistert von der Luftfahrt. Ich kann mich an die Eröffnung vom Terminal 1 des Frankfurter Flughafens erinnern, da ist unsere ganze Familie hingefahren, das war eine tolle Sache. Und wir waren oft auf der Aussichtsterrasse, die es damals gab. Das hat mich fasziniert. Als ich mit der Schule fertig war, konnte ich nicht Pilotin werden, denn die Lufthansa nahm damals noch keine Frauen, und ich wusste nicht, dass es da noch andere Wege gibt. Dann habe ich erst mal meine PPL gemacht und begriffen, dass die Fliegerei noch viel mehr ist als Lufthansa und ihre Tochtergesellschaften.

Nutzen Frauen heute lieber Chancen in anderen Branchen wie der IT anstatt in die Luftfahrt zu gehen?
Flierl: Ich denke es liegt eher daran, dass jemand, der selbst Pilot ist, seinem Kind heute nicht unbedingt raten würde, diesen Beruf zu ergreifen. Der Job ist sehr hart, sehr schwierig, sie geben viel Geld aus, sie sitzen manchmal jahrelang auf der Straße. Wenn sie ihre Ausbildung nicht bei einer Airline machen und sehr sicher sein können, dass die Airline sie übernimmt, ist das ein sehr steiniger Weg, unabhängig vom Geschlecht.

Was raten Sie denn jungen Frauen mit einem Faible für die Fliegerei?
Flierl: Ich sage, wenn das deine Leidenschaft ist und du das unbedingt willst, dann mach es und du wirst auch alles hinbekommen. Aber sie müssen sich klar sein, als Frau in diesem Job bekommen sie dann eher keine Kinder, nicht wenn sie so arbeiten wie ich es mache. Bei einer Airline ist das sehr viel geregelter, da lässt sich bei gut organisierter Familie auch ein Kind aufziehen. Die Business Aviation halte ich wegen der oft kurzfristigen Planänderungen für äußerst fordernd für ein Familienleben. Dies ist auch problematisch für männliche Kollegen - und vielleicht inakzeptabel für viele Frauen.

Über den Autor

Regelmäßig veröffentlicht der Luftfahrtjournalist und Vielflieger Andreas Spaeth auf airliners.de Interviews und Kolumnen aus der Reihe "Spaeth fragt".

Andreas SpaethAndreas Spaeth ist einer der führenden deutschen Luftfahrtjournalisten. Als Autor zahlreicher Bücher und freier Mitarbeiter vieler deutscher und internationaler Publikationen ist er weltweit unterwegs und trifft bei seinen Recherchen auf interessante Persönlichkeiten aus der Branche. Kontakt zu Andreas Spaeth.

Von: Andreas Spaeth für airliners.de
( Gastautor werden )
Interessant? Beitrag weiterempfehlen:

Nachrichten-Newsletter

Keine Nachricht verpassen mit unserem täglichen Nachrichtennewsletter.

Anzeige schalten »
Mehr Nachrichten »
Anzeige schalten

Mehr Stellenangebote » Mehr Luftfahrt-Trainings »
Anzeige schalten »