Spaeth fragt (46) ( Gastautor werden ) "Frau Erickson, wie sieht der Flughafen der Zukunft aus?"

19.11.2015 - 12:17 0 Kommentare

Wie planen Architekten künftige Flughäfen und wie könnte man den BER besser bauen? Andreas Spaeth befragte dazu die britische Architektin Antoinette Erickson.

Die britische Architektin Antoinette Erickson. Foto: © Foster + Partners,

Antoinette Nassopoulos-Erickson (50) ist Architektin und arbeitet seit 1996 beim Londoner Büro Foster + Partners von Star-Architekt Lord Norman Foster, unter anderem verantwortlich für die Berliner Reichstagskuppel. Die Firma gestaltete auch wichtige Flughäfen wie London-Stansted, Peking und Hongkong, außerdem den Spaceport America für Virgin Galactic. Derzeit plant das Büro den neuen Flughafen in Mexiko-Stadt. Andreas Spaeth befragte die Architektin auf der IATA World Passenger-Konferenz in Hamburg.

Frau Erickson, wie sieht der Flughafen der Zukunft aus?
Antoinette Erickson (lacht): Lassen Sie uns hoffen, dass er eine großartige Passagiererfahrung bietet, wie immer seine Form aussehen wird. Er muss nachhaltig sein und sich gut in seine Umwelt einpassen, dem Passagier viel bieten und in seiner Bauweise flexibel sein. Flughäfen sind sehr große Gebäude und sie müssen viel Raum umschließen. Wir wollen Tageslicht im Terminal haben, auch um die Energiekosten zu senken, obwohl man dabei sogar mit relativ geringen Glasflächen auskommt, um die Nachhaltigkeitskriterien zu erreichen. In Mexiko sind es gerade mal acht Prozent Glas, obwohl es auf einigen Projektstudien anders aussieht.

Warum ist der Flughafen in Mexiko-Stadt, der 2020 eröffnen soll, ein so wichtiger Meilenstein im Flughafenbau?
Erickson: Mexiko ist so etwas wie der nächste Schritt für uns, vor allem bei der Nachhaltigkeit hat das Gebäude sehr hoch gesteckte Ziele. Es ist aber auch das erste Mal, dass wir dieses "Space Frame"-Konzept anwenden mit massiven, säulenfreien Dach-Spannweiten im Terminal von über 100 Meter, dreimal so lang wie in konventionellen Flughäfen. Die maximale innere Spannweite beträgt sogar 170 Meter, was für größtmögliche Flexibilität bei der Anordnung aller Einrichtungen im Terminal sorgt. Mexiko hat eine sehr organische Form, die versucht, alle Flugzeuge und alle Nutzer miteinander zu verbinden, über die kürzest möglichen Fußwege. Daher die X-Form. Das ist nicht getrieben von einer abstrakten architektonischen Ambition, sondern von sehr genauer Planung, die sich bemüht, die Nutzer zu verstehen. Das lässt sich am besten in dieser Form verwirklichen.

© Foster + Partners, Lesen Sie auch: Stararchitekt baut Mexikos neuen Hauptstadtflughafen

Gibt es einen Trend hin zu immer aufregender aussehenden Flughafengebäuden mit "Wow"-Faktor, der Passagiere anlocken soll?
Erickson: Es gibt oft das Bestreben, Flughäfen als Gateways eines Landes zu positionieren, die auch Ausdruck seiner Kultur sind. In diesem Sinn ist Peking sicher ein sehr gelungenes Beispiel eines Showcase Airport. Wenn man etwas besonders Regionales sucht, dann sind Kuala Lumpur und Vancouver gute Beispiele, wo stärkere kulturelle Einflüsse sichtbar sind. Das ist auf jeden Fall ein Trend, den Passagieren ein Gefühl zu verschaffen, wo sie gerade sind.

Schmücken sich Flughafenbetreiber und Bauherren gern mit einem Stararchitekten wie Norman Foster?
Erickson: Lord Norman Foster ist sehr passioniert, wenn es um den Bau von Flughäfen geht. Er ist sehr aktiv auch an unserem Mexiko-Projekt beteiligt. In allen Flughafenprojekten stecken auch seine Ideen. Angefangen hat es mit dem 1991 eröffneten Terminal in London-Stansted. Das Konzept aller für den Passagier wesentlichen Einrichtungen unter einem hohen Dach und das Verlegen vieler Funktionen in den Keller darunter ist bis heute Vorbild für viele andere Designs. Etwa für das Terminal in Hongkong, das auch aus unserem Büro kommt, aber auch andere Architekten kopieren diese Prinzipien viel.

Sie haben auch am Design vom Weltraum-Flughafen Spaceport America gearbeitet, kann das ein Vorbild auch für künftige Flughäfen sein?
Erickson: Beim Entwurf für den Spaceport haben wir tatsächlich einen Blick zurück geworfen. Etwa zum Design des Flughafens Berlin-Tempelhof, wo es eine so großartige Verbindung zwischen der Architektur, den Passagieren und dem Flugerlebnis gab. Auch wenn heute alle Leute fliegen, sind wir als Architekten immer noch sehr interessiert daran, Vorfreude auf das Fliegen zu schaffen. Beim Spaceport geht es genau darum. Und das ist der Faktor, den wir auch zurückspielen ins Design unserer Flughafenterminals. Wir wollen eine Verbindung schaffen zwischen Passagier und Flugzeug und diesen Reiz, der darin liegt. Es gibt heute den Wunsch der Passagiere, ihr Erlebnis im Terminal zu personalisieren. Daher haben wir im Spaceport Orte für verschiedene Bedürfnisse geschaffen – solche um allein zu sein und andere, um die Freude und Begeisterung als Astronaut gemeinsam zu erleben. Damit gibt man den Leuten die Möglichkeit, ihrer Stimmung entsprechend, unterschiedliche Räume zu nutzen – und auch das fließt in unsere Flughafenplanungen ein.

Wo Sie bereits Tempelhof erwähnen, was fällt Ihnen zum neuen Berliner Flughafen ein, würde es Sie reizen, einen ganz neuen Entwurf zu präsentieren?
Erickson: Berlin hat so viele Gebäude-Ikonen, eine davon ist der Reichstag und eine andere Tempelhof. Es wäre sehr interessant etwas zu entwickeln, dass diese beiden Ambitionen aufnimmt. Ich weiß zu wenig über die Probleme am BER, um hier wirklich etwas beizutragen. Aber ich denke der neue Berliner Flughafen könnte von den wegweisenden Innovationen heute noch lernen, die Tempelhof bereits in den 1920er Jahren erstmals einführte. Das war schon eine Art Airport City, wie man das heute nennt. Beeindruckt hat mich zum Beispiel der direkte Gepäcktransfer von der Bahn ins Flugzeug, der dort Premiere feierte.

Über den Autor

Regelmäßig veröffentlicht der Luftfahrtjournalist und Vielflieger Andreas Spaeth auf airliners.de Interviews und Kolumnen aus der Reihe "Spaeth fragt".

Andreas SpaethAndreas Spaeth ist einer der führenden deutschen Luftfahrtjournalisten. Als Autor zahlreicher Bücher und freier Mitarbeiter vieler deutscher und internationaler Publikationen ist er weltweit unterwegs und trifft bei seinen Recherchen auf interessante Persönlichkeiten aus der Branche. Kontakt zu Andreas Spaeth.

Von: Andreas Spaeth für airliners.de
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