Die Born-Ansage (64) ( Gastautor werden )

Frau von Bord

20.07.2017 - 08:55 0 Kommentare

Easyjet verliert die Chefin - wie viele Frauen an der Spitze von Airlines gibt es eigentlich? "Doch so wenige", stellt Karl Born fest. Ausgerechnet eine muslimische Airline zieht in diesem Punkt gerade an Europas Carriern vorbei.

Klare Ansagen: Professor Karl Born kommentiert die aktuellsten Entwicklungen der Luftverkehrsbranche. - © © airliners.de, Karl Born -

Klare Ansagen: Professor Karl Born kommentiert die aktuellsten Entwicklungen der Luftverkehrsbranche. © airliners.de, Karl Born

Versuchen Sie mal herauszubekommen, wie viele weibliche Vorstandsvorsitzende es international bei Fluggesellschaften gibt. Google gerät da ins Schwitzen. Die angebotenen Antworten haben mit der Anfrage fast nichts bis überhaupt nichts zu tun. Hätte gerade noch gefehlt, dass die kalifornische Datenkrake mich gefragt hätte: "Wollen Sie das wirklich wissen und warum?"

Also habe ich versucht nachzudenken, wie viele Namen von weiblichen CEOs ich kenne. Da fiel mir auf Anhieb tatsächlich nur Carolyn McCall von Easyjet sein. Und diesen Namen brauche ich mir auch nicht mehr lange zu merken, denn die "Dame" (ihr in Großbritannien verliehener Titel) hat gekündigt. Zum Jahresende ist Schluss.

Die scheidende Easyjet-Chefin Carolyn McCall. Foto: © dpa, EPA/OLAF KRAAK

Schade! McCall hat eine für Verspätungen und schlechten Kundenservice berüchtigte Airline in die Erfolgsspur geführt. Ihr irisches Komiker-Pendant Michael O’Leary von Ryanair lästerte anfangs noch über die "Medien-Tussi", aber Frauen und speziell McCall können auch "Airline".

Damoklesschwert Brexit

Inzwischen wackelt Easyjet aber wieder. Der Brexit hat das Pfund in den Keller gehauen und damit die Einkaufspreise für Treibstoff in die Höhe getrieben, und gleichzeitig kannte der Easyjet-Kurs nur noch eine Richtung: Abwärts. Aber das Damoklesschwert über der Airline hieß und heißt: Brexit. Was wird mit den Verkehrsrechten nach dem britischen EU-Ausstieg?

Während einige spekulierten, ob Easyjet sich zur Lösung des Problems einen deutschen Partner suchen würde (Air Berlin, Tuifly oder Condor), will es Easyjet lieber selbst machen. Es wurde eine neue zusätzliche Fluglinie, Easyjet Europe, in Wien mit österreichischer Fluglizenz gegründet. Ausschlaggebend für Österreich als EU-Standort seien angeblich die "guten Erfahrungen" mit der dortigen Luftfahrtbehörde Austro Control gewesen. Dabei zeichnet sich Österreich durch besonders günstige Tarifbedingungen aus. Fragen Sie mal bei Eurowings nach.

Low-Cost hat wenig Glamour

Aber all das will sich die "Dame" nicht mehr antun - sie kam von einem Medienunternehmen und geht zum Privatfernseher ITV. Mehr Glitzer und Glamour als eine Billigfluglinie!

Kommen wir zur Eingangsfrage. Nach bestem Wissen und Gewissen gibt es bei den etwa 250 global tätigen Fluggesellschaften lediglich zwölf Vorstandschefinnen. Oh, oh, für eine weltoffene Branche mit einem hohen Frauenanteil ist das ein Armutszeichen. Darüber kann auch die stetig steigende Anzahl weiblicher Piloten nicht hinwegtäuschen.

Und diese Nachricht muss den Airline-Aufsichtsräten weltweit die Scham in die Augen treiben. Es gibt jetzt eine weitere Fluggesellschaft, die von einer Vorstandsvorsitzenden geführt werden soll. Wer es noch nicht weiß, wird nie auf den Namen der Airline kommen. Es ist Iran Air. Ja, tatsächlich Iran Air. Diesen Namen sollte man sich merken: Farzaneh Sharafbafi. Jetzt schon herzlichen Glückwunsch und viel Erfolg. Und shame on you, Europe: Ausgerechnet der Iran geht beim Thema Frauen mit gutem Beispiel voran.

Über den Autor

In seiner Reihe "Die Born-Ansage" veröffentlicht der ehemalige Condor-Vertriebschef, Tui-Vorstand und Touristik-Honorarprofessor Karl Born auf airliners.de Kolumnen zum aktuellen Geschehen in der Luftverkehrswirtschaft.

Professor Karl BornAls Redner auf Führungskräfte- und Verbandstagungen ist Karl Born in der ganzen Welt unterwegs. Als "Querdenker der Reisebranche" für seine "Bissigen Bemerkungen" ausgezeichnet, nimmt der ehemalige Airline- und Touristikmanager auch in Sachen Luftverkehr kein Blatt vor den Mund. Kontakt

Von: Karl Born für airliners.de
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