Fraport und Kassel-Calden bewerten Koalitionsvertrag unterschiedlich

19.12.2013 - 15:21 0 Kommentare

Für die einen wurde ein gelungener Kompromiss erreicht, die anderen fürchten weitere Regulierungen: Gemischt fallen die Reaktionen der hessischen Flughäfen auf den schwarz-grünen Koalitionsvertrag aus.

Der Vorstandsvorsitzende der Fraport AG, Stefan Schulte.

Der Vorstandsvorsitzende der Fraport AG, Stefan Schulte.
© dpa - Fredrik von Erichsen

Vor dem Tower des Flughafens Frankfurt am Main startet eine Lufthansa-Maschine.

Vor dem Tower des Flughafens Frankfurt am Main startet eine Lufthansa-Maschine.
© dpa - Boris Roessler

Blick auf das Terminal des Flughafens Kassel-Calden.

Blick auf das Terminal des Flughafens Kassel-Calden.
© dpa - Uwe Zucchi

Jörg Ries (l), Sprecher der Flughafen-Geschäftsführung, überreicht am 04.04.2013 bei der Eröffnung des Flughafens Kassel-Calden symbolisch den Schlüssel an Hessens Finanzminister Thomas Schäfer (CDU), der zugleich Aufsichtsratsvorsitzender der Flughafen-Gesellschaft ist.

Jörg Ries (l), Sprecher der Flughafen-Geschäftsführung, überreicht am 04.04.2013 bei der Eröffnung des Flughafens Kassel-Calden symbolisch den Schlüssel an Hessens Finanzminister Thomas Schäfer (CDU), der zugleich Aufsichtsratsvorsitzender der Flughafen-Gesellschaft ist.
© dpa - Uwe Zucchi

Unterschiedlich bewertet haben heute die Flughäfen Frankfurt und Kassel-Calden die gestern im Koalitionsvertrag der künftigen schwarz-grünen Landesregierung in Hessen vorgestellten Pläne zur Zukunft der Airports. Während in Frankfurt vor allem mögliche Betriebseinschränkungen befürchtet werden, gibt man sich in Kassel-Calden optimistisch.

Die Einigung über den uneingeschränkten Weiterbetrieb des Flughafens Kassel-Calden sei ein gelungener Kompromiss aus Zukunftssicherung und Defizitreduzierung, teilte der hessische Finanzminister und Aufsichtsratschef des Flughafens Kassel-Calden, Thomas Schäfer (CDU), auf Nachfrage mit. Für den Flughafen und die gesamte Region Nordhessen bedeute dies Sicherheit und Planbarkeit für die kommenden Jahre. Das Ziel, die Verluste in den kommenden Jahren schrittweise abzubauen und den Flughafen auch aus betriebswirtschaftlicher Sicht zum Erfolg zu führen, werde die Grundlage der künftigen Arbeit sein.

Positives Denken erhofft sich Schäfer nun auch von den Menschen in der Region, Unternehmen und Medien. Sie sollten dem Flughafen eine Chance geben und diesen positiv begleiten. „Was der Flughafen jetzt braucht, ist neben einer wachsenden Nachfrage von Wirtschaft und Verbrauchern eine öffentlich-mediale Beobachtung, die von Unaufgeregtheit geprägt ist und nicht jede Flugplanverschiebung als Ende des Projektes interpretiert.“

Fraport verweist auf bestehenden Planfeststellungsbeschluss

Für Fraport-Chef Stefan Schulte vermittelt der Koalitionsvertrag in verschiedenen Passagen aber auch einen Tenor der weiteren Regulierung und Begrenzung. "Weitere Einschränkungen zu den im internationalen Vergleich bereits heute hohen Auflagen des Flugbetriebs vergrößern deutlich das Risiko, dass wir im internationalen Wettbewerb abgehängt werden", betonte Schulte. Gemeinsame Lösungen zum Beispiel für mehr Lärmschutz könne es nur auf Basis des bestehenden Planfeststellungsbeschlusses geben. Im vorliegenden Koalitionsvertrag gebe es aber Punkte, bei denen gemeinsam mit dem Land und den anderen Partnern wie Flugsicherung und Airlines weitere Verbesserungen beim Lärmschutz erreicht werden können.

Wie weitere Lärmpausen erzielt werden könnten, soll nun geprüft werden. Allerdings sei dies durch das Nachtflugverbot nicht gerade einfach. So gebe es eine hohe Nachfrage nach Landungen insbesondere in der Zeit von 5 Uhr bis etwa 5.20 Uhr. Genauso müssen alle Starts bis 23 Uhr erfolgt sein. "Dies ist zu beachten bei der Frage, wo die Landungen in der letzten Stunde erfolgen", so Schulte. Laut Koalitionsvertrag soll es in Frankfurt inbesondere in der Zeit von 22 bis 23 Uhr und 5 bis 6 Uhr zu Entlastungen kommen. Ziel sind regelmäßige Lärmpausen von sieben Stunden in der Nacht. Lärmobergrenzen sieht Schulte kritisch. Zwar werde sich Fraport der Diskussion nicht grundsätzlich verschließen. "Allerdings sind wir als börsennotiertes Unternehmen rechtlich in unserem Handlungsrahmen nicht frei und müssen die Interessen aller Aktionäre, auch der Minderheitsaktionäre, wahren", erklärte er.

Lufthansa-Chef Christoph Franz hatte davor gewarnt, die Konzern-Drehscheibe Frankfurt weiter auszubremsen. Die Fluggesellschaft hält knapp 8,5 Prozent der Fraport-Aktien. Das Land Hessen ist als Hauptaktionär mit rund 31,4 Prozent an der Fraport beteiligt. 20 Prozent befinden sich im Besitz der Frankfurter Stadtwerke. Der Rest befindet sich im Streubesitz.

Um wettbewerbsfähig zu bleiben, müsse der Flughafen Frankfurt weiter wachsen können. Der Bau des bereits geplanten dritten Terminal soll nun nach dem Willen der schwarz-grünen Koalitionäre noch einmal auf den Prüfstand. "Beim Terminal 3 haben wir selbst ein sehr natürliches Interesse daran, dieses in Kapazitätsabschnitten ‚so klein und günstig‘ wie möglich zu bauen und die Kapazität erst dann zur Verfügung zu stellen, wenn diese tatsächlich gebraucht wird", erklärte nun der Fraport-Chef.

Von: airliners.de
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  • Dr. Stefan Schulte (Vorstandsvorsitzender Fraport AG), Karlheinz Weimar (Aufsichtsratsvorsitzender Fraport AG), Dr. Thomas Schäfer (hessischer Staatsminister der Finanzen), Uwe Becker (Bürgermeister der Stadt Frankfurt und Aufsichtsratsmitglied Fraport AG), Matias Wenzel (Baustellenleiter nach hessischer Bauordnung) und Prof. Christoph Mäckler (Architekt). Grundstein für drittes Terminal in Frankfurt gelegt

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