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Fraport-Rabatte für Ryanair? So undenkbar wie ein Wahlsieg von Trump

10.11.2016 - 11:02 0 Kommentare

Ryanair kommt nach Frankfurt - und soll von Rabatten profitieren. Kolumnist Karl Born hat bei diesem Thema nicht nur einen Vergleich zum neuen US-Präsidenten Donald Trump, sondern auch zur Biologie und zu sich selbst parat.

Klare Ansagen: Professor Karl Born kommentiert die aktuellsten Entwicklungen der Luftverkehrsbranche. - © © airliners.de, Karl Born -

Klare Ansagen: Professor Karl Born kommentiert die aktuellsten Entwicklungen der Luftverkehrsbranche. © airliners.de, Karl Born

Das bringt mich regelmäßig auf die Palme, wenn ich lesen muss, dass einer meiner Geschäftspartner Neukunden bessere Konditionen bietet, als mir "Altkunde". Ich denke, es ist mein gutes Recht, nach jahrelanger Partnerschaft nicht schlechter gestellt zu werden, als ein neuer Kunde.

Seit Jahren drohe ich dann regelmäßig mit Kündigung der Geschäftsbeziehung, wenn ich nicht annähernd gleich gestellt werde. Vor kurzem hatte ich mich über meinen Bezahlfernseh-Anbieter geärgert, bei dem ich wieder einmal die guten Neukundenpreise lesen musste, während parallel der Preis für mein Abo erhöht wurde. Also gab es gleich die Kündigung.

Das Ganze danach folgende Telefongeschwätz über das tolle Produkt und die jahrelangen guten Geschäftsbeziehungen habe ich konsequent ignoriert, bis ich am letzten Tag (!) der Kündigungsfrist doch noch ein akzeptables Angebot bekam.

Ryanair - auf der Suche nach Naiven

An diesem Punkt sind die Flugpartner des Frankfurter Airports noch nicht - aber sie befinden sich in einer ähnlichen Situation, seitdem Fraport-Chef Schulte der staunenden Öffentlichkeit stolz den Neukunden Ryanair präsentiert hat. Wir alle in der Branche kennen nun mal Ryanair. Das Geschäftsmodell dieser unsympathischen Airline beruht auf dem Prinzip Ausbeutung (von Geschäftspartnern und Beschäftigten).

© dpa, Andreas Arnold Lesen Sie auch: Ryanair bläst zum Angriff auf Lufthansa-Heimatbasis

Viele kleinere Flughäfen in ganz Europa haben teilweise abenteuerliche Marketingzuschüsse gezahlt oder ganz außerordentliche Rabatte gewährt. Prinzip Ryanair: Lasst andere für die Infrastruktur und die Grundauslastung zahlen und freut euch, dass wir zu euch kommen möchten.

In der Biologie spricht man von Schmarotzern, die auf Kosten anderer ihre Nahrung gewinnen, indem sie auf ihnen oder in ihnen leben. Trotz aller Bevorzugungen währten diese besonderen Beziehungen mit Ryanair selten lange, weil die Airline auf der Suche nach neuen Naiven wieder weiterzog.

Die liebe Wirklichkeit überrascht uns immer wieder

Jetzt könnte man noch sagen, dass bei manchen kleinen Airports dies oft der letzte Versuch zum Überleben war (klappte aber leider fast nie). Aber dass Frankfurt Ryanair Sonderkonditionen als Neukunde gewährt? Das war so undenkbar, wie ein Sieg von Donald Trump bei den US-Wahlen. Aber die liebe Wirklichkeit überrascht uns immer wieder aufs Neue.

Fast naiv wirkt der Beruhigungsversuch von Fraport-Chef Stefan Schulte, seinen Bestandskunden schnell zu versichern, dass sie für eigene Angebotssteigerungen ähnliche Preisnachlässe bekommen könnten. Erstens ist es immer schwieriger, sich von einem hohen Niveau als von Null zu steigern. Und zweitens, warum sollte dies nicht auch für alle bisherigen Steigerungen gelten?

© dpa, Andreas Arnold Lesen Sie auch: Fraport-Chef Schulte verteidigt Neukundenrabatt

Eine andere Methode der Rechtfertigung ist oft, mit geringeren Flughafenleistungen zu argumentieren, zum Beispiel mit einer einfacheren Abfertigungshalle als normal. Wie dies in Frankfurt angesichts des sehr komplexen Gesamtpaketes Fraport kostenrechnerisch darstellbar sein soll, kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen.

Noch weniger kann ich mir vorstellen, wie Fraport die von Ryanair gewünschten kurzen Umdrehzeiten gewährleisten will, ohne dass diese zu Lasten der Abfertigung anderer gehen werden.

Die anderen Airlines helfen hoffentlich nach

Wenn es Fraport nicht von selbst erkennt, was hier dringend geboten ist, dann helfen die bisherigen Airlines hoffentlich argumentativ nach. Insofern freue ich mich, wie konsequent Air Berlin ihre Klage von 2006 gegen den Lübecker Flughafen durch alle Instanzen zieht - sogar bis vor den Bundesgerichtshof! Bei dem Prozess geht es ebenfalls um das Thema "Gebühren für Ryanair".

Diese Klage ist das letzte, was noch von der Verbindung Lübeck/Ryanair übrig blieb. Die irische Fluggesellschaft bedient den Airport schon 2014 nicht mehr und die Hansestadt Lübeck ist schon längst nicht mehr Eigentümer des Flughafens. Der Ruf des aktuellen Besitzers soll ähnlich umstritten sein wie der von Ryanair.

Aber der Flughafen erfreut sich inzwischen großer Beliebtheit - und zwar bei den sonntäglichen Ausflüglern zur Flughafenbesichtigung.

Über den Autor

Professor Karl BornAls Redner auf Führungskräfte- und Verbandstagungen ist Karl Born in der ganzen Welt unterwegs. Als "Querdenker der Reisebranche" für seine "Bissigen Bemerkungen" ausgezeichnet, nimmt der ehemalige Airline- und Touristikmanager auch in Sachen Luftverkehr kein Blatt vor den Mund.
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Von: Karl Born für airliners.de
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