Fraport will Frachtumsatz durch Schnüffelhunde steigern

24.05.2016 - 10:32 0 Kommentare

In Amsterdam und Paris werden bereits Spezialhunde bei der Kontrolle von Luftfracht eingesetzt. Ihr Einsatz ist wesentlich schneller und kostengünstiger als andere Sicherheitsverfahren - und wird nun auch in Deutschland erprobt.

Ein REST-Spürhund im Einsatz. - © © doglawreport -

Ein REST-Spürhund im Einsatz. © doglawreport

Seit Jahren stagniert der Luftfrachtumschlag auf dem Flughafen Rhein-Main oder ist periodisch sogar leicht rückläufig. Dafür gibt es zahlreiche Gründe, wie etwa das Nachtflugverbot, die Dauerdiskussion von hessischen Parteien und Anwohnern um dessen mögliche Verschärfung, die Verstopfung der Cargocity Süd zu verkehrsreichen Zeiten oder das zeitaufwändige Kontrollieren von Frachtsendungen per Röntgenanlagen, Handkontrollen beziehungsweise Explosiv-Detektionsgeräten.

Wie Luftfracht schneller und effektiver gesichert werden kann, zeigen die Beispiele Amsterdam und Paris, das war jetzt Thema einer Sicherheitskonferenz der Lufthansa Cargo in Frankfurt. Vor den rund 130 anwesenden Experten brach Erich Keil, Geschäftsbereichsleiter Airport Security Management der Fraport, eine Lanze für die Zulassung des so genannten REST-Verfahrens. Das Kürzel steht für "Remote Explosive Scent Tracing", also die Kontrolle von Luftproben einer Sendung auf mögliche Sprengstoffpartikel durch speziell trainierte Hunde.

Schlagen die Hunde an, wird nachkontrolliert

Dabei filtern Kontrolleure Luftproben aus einer angelieferten Sendung und bringen diese Proben zu den in einem kontaminationsfreien Raum des Flughafens untergebrachten Spürhunden. Schlagen diese beim Schnüffeln an den Behältern an, handelt es sich um eine verdächtige Sendung, die vom Personal technisch oder per Hand eingehend auf den möglichen Inhalt eines Sprengsatzes untersucht werden muss.

Laut Manager Keil sind die REST-Kontrollen wesentlich schneller und kostengünstiger im Vergleich zu sonstigen technischen Sicherheitsverfahren. Komplette LKW-Ladungen können auf diese Weise innerhalb kürzester Zeit durch Schnüffelhunde auf verbotene Substanzen überprüft werden. "Explosivstoffe gasen schnell aus, was auch für hermetisch verpackte Sendungen gilt, so dass die Hunde die Sprengstoffpartikel in den ausgefilterten Luftproben umgehend erkennen können und durch Anschlagen melden", so Keil.

Luftfrachtströme haben sich bereits verschoben

Wegen der unkomplizierten und schnellen REST-Kontrollen an den Flughäfen Amsterdam und Paris-Charles-de-Gaulle ist es zu einer erheblichen Abwanderung von Luftfracht aus Deutschland zu diesen Standorten gekommen, so Keil. Den Verlust für Frankfurt bezifferte er auf rund 70.000 Tonnen pro Jahr. "Dieses Kontingent wollen wir uns zurückholen", sagte er auf der Sicherheitskonferenz der Lufthansa Cargo.

Seit einiger Zeit ist das Verfahren im Rahmen eines Pilotprojekts in Deutschland in Erprobung; eine offizielle Genehmigung fehlt indes noch. Konkrete Entscheidungsgrundlagen erwarten Wirtschaft und Behörden jetzt von einer wissenschaftliche Studie, die angeschoben wurde. Dabei geht es weniger um die Fähigkeit der Spezialhunde, Explosivstoffe zu erschnüffeln, sondern um die begleitenden technischen Maßnahmen, die zeitliche Dauer des Einsatzes der Tiere und die Größe sowie den Umfang von Sendungen, die auf diese Weise den Sicherheitsstatus erlangen.

Zulassungszeitpunkt hierzulande ist noch offen

Ob die deutschen Behörden nicht die in den EU-Ländern Niederlanden und Frankreich gemachten Erfahrungen zur Grundlage ihres eigenen Genehmigungsverfahrens machen könnten, fragte Unternehmenssprecher Michael Göntgens das Luftfahrt-Bundesamt (LBA). Dessen Abteilungsleiterin Luftsicherheit, Birgit Loga sagte, dass ihr Amt dieses versucht habe, aber die "Auskunftsbereitschaft der dort zuständigen Behörden war sehr zurückhaltend." Eine konkrete Zeitangabe, wann mit der Zulassung von REST-Spürhunden auch hierzulande zu rechnen sei, lehnte die LBA-Vertreterin ab.

Von: Heiner Siegmund für airliners.de
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