Frankreich führt 2020 eine Umweltsteuer auf Flugtickets ein

09.07.2019 - 14:37 0 Kommentare

Die Bekenntnisse innerhalb der EU zu einer stärkeren Besteuerung des Luftverkehrs nehmen Form an. Jetzt verkündet Frankreich die Einführung einer Ticketabgabe. Air France' Hubverkehr wird gleichwohl geschont.

Flughafen Paris Charles de Gaulle - © © Air France -

Flughafen Paris Charles de Gaulle © Air France

Ab dem kommenden Jahr soll in Frankreich eine Ökosteuer auf Flugtickets eingeführt werden. Die Abgabe soll zwischen 1,50 Euro und 18 Euro pro Ticket betragen, wie Verkehrsministerin Elisabeth Borne in Paris mitteilte. Der Höchstbetrag wird demnach für Businesstarife der Langstrecke fällig. Der Mindestbetrag von 1,50 Euro wird für einen französischen Inlandsflug der Economy-Klasse verlangt. Die Regierung rechnet mit einem Erlös von jährlich gut 180 Millionen Euro.

Verkehrsministerin Borne bezeichnete die Abgabe als "dringlich", da immer mehr Bürger die Besteuerung des Flugverkehrs in Frage stellten. Betroffen sind nach ihren Angaben nahezu alle Flüge, die in Frankreich starten. Ausnahmen soll es für Umsteigeverbindungen geben, die über Frankreich gehen. Damit verteuert sich der Hub-Verkehr über das Air-France-Drehkreuz in Paris nicht. Auch Flüge auf die Mittelmeerinsel Korsika und in die französischen Überseegebiete sind ausgenommen.

Die Maßnahme wurde von einem Umweltrat unter Vorsitz von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron beschlossen. Sie soll im Haushaltsgesetz für 2020 verankert werden. Damit will die Regierung Investitionen in die Infrastruktur umweltfreundlicher Verkehrsmittel finanzieren - vor allem der Bahn.

Viele wollen eine EU-weite, gleiche Abgabe für alle

Neben Elisabeth Borne bekräftigte François de Rugy, Minister für ökologischen Umbau und Solidarität, die Absicht Frankreichs, "den Kampf auf europäischer und globaler Ebene fortzusetzen", damit "der Luftverkehr mehr zu den Bemühungen zur Bekämpfung des Treibhauseffekts beitragen kann".

Frankreich und die Niederlande hatten im Nachgang der Europawahl bekundet, innerhalb der EU Druck für die flächendeckende Einführung eine stärkere Besteuerung zu machen. Die Niederlande haben bereits eine internationale Konferenz zum Thema ausgerichtet und ihre nationale Pläne dem Parlament vorgelegt. Sie drängen wie Belgien auf die Einführung einer europaweit einheitlichen Abgabe.

Die Börsenkurse von Luftfahrtgesellschaften gaben nach der Ankündigung deutlich nach. Air France-KLM war in Paris zeitweise um 3,9 Prozent im Minus, die Lufthansa in Frankfurt am Main um mehr als zwei Prozent.

© Schiphol Group, Lesen Sie auch: Niederlande werben für europaweite Ticket-Steuer

In Deutschland hatte sich Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) zuletzt offen für eine EU-weite Ökosteuer auf Flugtickets gezeigt. "Es ist doch nicht mehr einzusehen, dass ein Zugticket teurer ist als ein Flugticket für die gleiche Strecke", hatte sie im März bei einem Treffen der EU-Umweltminister in Brüssel gesagt. Sie äußerte sich zuversichtlich, dass Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) in diesem Bereich "was vorlegen wird."

Das deutsche Umweltbundesamt fordert bereits seit Jahren von der Politik, die indirekten Subventionen für den Flugverkehr zu streichen. Auch die Deutsche Bahn kritisiert, dass es keine Kerosinsteuer gibt. Internationale Flüge sind zudem von der Mehrwertsteuer befreit.

© BDL, Lesen Sie auch: "Die Luftverkehrssteuer sollte für den Klimaschutz genutzt werden" Interview

Von: dk, afp
Nachrichten-Newsletter

Keine Nachricht verpassen mit unserem täglichen Newsletter.

Ich habe die Datenschutzbestimmungen zur Kenntnis genommen.

  • Matthias von Randow BDL wehrt sich gegen Überlegungen zu deutscher CO2-Steuer

    Im Rahmen der "Fridays for Future"-Proteste ist die Forderung nach einer CO2-Steuer in den politischen Diskurs gerückt. Der Luftfahrtverband BDL hält wenig von Alleingängen und verweist auf die internationalen Möglichkeiten zur Bepreisung von CO2.

    Vom 30.04.2019

Themen

Es gelten die Forenregeln und Nutzungsbedingungen » mit Unterstützung durch Disqus