Airports

Frankfurter Flughafenausbau genehmigt

18.12.2007 - 18:41 0 Kommentare

Immerhin mittlerweile ganze 23 Jahre nach Inbetriebnahme der umkämpften Startbahn West steht Deutschlands größter Flughafen in Frankfurt am Main vor seiner nächsten bedeutenden Erweiterung. Hessens Landesregierung genehmigte am Dienstag nach vierjähriger Prüfung den Bau einer neuen Landebahn und eines neuen Terminals. Damit besteht Baurecht für das vier Milliarden Euro teure Projekt. Entgegen früheren Zusagen soll es allerdings kein striktes Nachtflugverbot als Ausgleich für das höhere Verkehrsaufkommen geben. Dies stieß bei Ausbaugegnern auf scharfe Kritik. Sie kündigten an, vor Gericht zu ziehen.

Der Frankfurter Flughafen zählt zu den zehn wichtigsten Flughäfen der Welt, ist in Europa die Nummer drei nach London und Paris und mit 70 000 Stellen Deutschlands größte Arbeitsstätte. Seine Direktverbindungen in alle Himmelsrichtungen sind ein wichtiges Argument für Standortentscheidungen, in wenigen Stunden ist man vom Main aus in Amerika, Asien und Afrika. Jedes Jahr starten und landen mehr als 50 Millionen Passagiere auf dem Rhein-Main-Airport, mehr als 50 Prozent nutzen den Flughafen als Umsteigestation.

© dpa
Neue Bahn und neues Terminal 3, Foto: © dpa

Die geplante Nordwest-Landebahn und das Terminal 3 in Frankfurt

Die geplante Landebahn kann die Kapazität des Frankfurter Flughafens deutlich erhöhen. So sollen künftig gut 120 Starts und Landungen pro Stunde möglich sein, bisher sind es rund 80. Das Terminal 3 wird im Süden des Flughafens entstehen.

Die Bahn: Länge: 2800 Meter, Breite: 45 Meter plus an jeder Seite 7,5 Meter breite Schulter. Die Bahn soll mit dem Winterflugplan 2011/12 in Betrieb genommen werden.

Rollbrücken: Zwei Rollbrücken über die ICE-Trasse, die Autobahn A 3 und den Airportring ermöglichen den Anschluss an die bestehenden Flugbetriebsflächen

Terminal 3: 335 000 Quadratmeter Geschossfläche, Kapazität für weitere 25 Millionen Passagiere im Jahr. Abstellplätze für rund 75 Flugzeuge direkt am Terminal 3. Das Terminal 3 soll schrittweise bis 2015 gebaut werden.

Kosten: Über vier Milliarden Euro für den gesamten Ausbau einschließlich neuer Bahn und Baus des Terminals 3.

Gemessen an der Gütermenge belegt der Flughafen mit jährlich rund zwei Millionen Tonnen Fracht sogar den Spitzenplatz in Europa und gilt damit als eine wichtige Stütze im internationalen Handel.

Mit seinen rund 70 000 Arbeitsplätzen ist der Flughafen die größte Arbeitsstelle in Deutschland. Neben dem Betreiber Fraport zählt die Lufthansa mit ihrer Hauptverwaltung zu den größten Arbeitgebern. Aber auch zahlreiche andere Firmen - von der Spedition bis hin zu Einzelhandelsgeschäften in den Terminals - sind auf dem 19 Quadratkilometer großen Flughafengelände und dem weitreichenden Einzugsgebiet tätig. Neben dem direkten Anschluss an ein Autobahnkreuz verfügt der Flughafen seit 1999 auch über einen ICE-Bahnhof.

Doch das über 20 Jahre alte Drei-Bahnen-System kann die Nachfrage inzwischen nicht mehr erfüllen. Viele internationale Flughäfen planen wegen des rasch wachsenden Luftverkehrs bereits umfangreiche Erweiterungen, allein die Vereinigten Arabischen Emirate wollen ihre Kapazitäten bis 2020 versechsfachen. Wenn man nicht nachziehe, drohe der Abstieg, fürchtet der Betreiber Fraport. Auch der Bund sieht dringenden Ausbaubedarf an der Heimatbasis der Lufthansa.

Der Flughafenbetreiber Fraport will in einem Waldstück nordwestlich des Flughafens eine 2800 Meter lange Landebahn bauen. Es wäre die vierte Piste auf dem Gelände. Außerdem soll im Süden auf dem Gelände der ehemaligen US Airforce Basis ein drittes Terminal entstehen. Die geplante Landebahn kann die Kapazität des Frankfurter Flughafens deutlich erhöhen. So sollen künftig gut 120 Starts und Landungen pro Stunde möglich sein, bisher sind es rund 80. Die neue Landebahn könne damit die Kapazität von derzeit knapp 500 000 auf gut 700 000 Starts und Landungen pro Jahr steigern und nach Einschätzung des Flughafenbetreibers Fraport 2011 in Betrieb gehen.

Das Terminal 3 wird im Süden des Flughafens entstehen. Die geplanten 335.000 Quadratmeter Geschossfläche erweitert die Kapazität um weitere 25 Millionen Passagiere pro Jahr. Es soll Abstellplätze für rund 75 Flugzeuge direkt am Terminal geben. Zusammen mit der neuen Bahn könnte der Flughafen dann im Jahr 2020 rund 88,6 Millionen Passagiere bewältigen; 2006 waren es 52,8 Millionen.

Strengere Nachtflugregeln aber kein absolutes Nachtflug-Verbot


Foto: © dpa
Mit der Inbetriebnahme der neuen Runway gelten dann auch strenge Einschränkungen für den nächtlichen Flugbetrieb. Das ursprünglich angekündigte - und von Fraport beantragte - völlige Verbot planmäßiger Starts und Landungen zwischen 23.00 und 5.00 Uhr wird es jedoch nicht geben. Vor allem mit Rücksicht auf den Frachtverkehr sind in diesem Zeitraum künftig im Schnitt 17 Flugbewegungen pro Nacht möglich, allerdings nur auf den drei alten Bahnen. 2006 registrierte das Verkehrsministerium in dieser Zeit durchschnittlich 52 Flüge.

Ein Sprecher der Lufthansa kritisierte die Begrenzung auf 17 Nachtflüge. Der deutsche Branchenprimus hatte einen Bedarf von 41 Flügen angemeldet. Die Kranich-Linie wolle jedoch erst den Beschluss prüfen, bevor sie sich weitere Schritte vorbehalte. Condor monierte, die Beschränkung benachteilige die Airline gegenüber der ausländischen Konkurrenz und bedrohe Arbeitsplätze.

Die Auseinandersetzung um den Ausbau des Frankfurter Flughafens

Der Ausbau des größten deutschen Flughafens in Frankfurt ist in der Region vor allem wegen der zusätzlichen Lärmbelastung umstritten. Eine Chronologie des bereits bestrittenen Ausbau-"Marathons":

  • November 1997: Der damalige Lufthansa-Chef Jürgen Weber fordert in einem «Spiegel»-Interview den Bau «mindestens einer neuen Start- und Landebahn» in Frankfurt.
  • Juli 1998: Beginn des vom damaligen hessischen Ministerpräsidenten Hans Eichel (SPD) angeregten Vermittlungsverfahrens (Mediation). In einer Arbeitsgruppe untersuchen Vertreter von Kommunen, Wirtschaft und Verbänden Vor- und Nachteile eines Ausbaus.
  • Januar 2000: Die Mediationsgruppe legt einvernehmlich ein Fünf- Punkte-Paket vor. Darin empfiehlt sie einen Ausbau des Flughafens, ein Nachtflugverbot, einen Anti-Lärm-Pakt, die Optimierung des bestehenden Systems und ein Regionales Dialogforum.
  • Mai 2000: Der Flughafen-Aufsichtsrat beschließt das Ausbauvorhaben einschließlich Nachtflugverbot und nennt eine Landebahn im Nordwesten des Areals als bevorzugte Variante.
  • Juni 2002: Der Ausbau nimmt die erste Verfahrenshürde. Das Regierungspräsidium Darmstadt stuft eine neue Landebahn als raumverträglich ein. Am wenigsten belastend sei eine Piste im Nordwesten.
  • Dezember 2002: Der Fraport-Aufsichtsrat bindet den Ausbau definitiv an ein Nachtflugverbot.
  • März 2006: Die öffentliche Erörterung von rund 127 000 Einwendungen gegen den Flughafenausbau wird nach 101 Tagen beendet.
  • Juni 2007: Der Vertrag zwischen dem Chemiewerk Ticona, das in der Einflugschneise des Flughafens liegt, und Fraport über eine Verlagerung des Werks ist unter Dach und Fach. Ticona gibt wenig später den Umzug nach Frankfurt-Höchst bekannt. Fraport zahlt für die Verlagerung 670 Millionen Euro.
  • November 2007: Die Stadt Offenbach gibt bekannt, dass sie eine Klage gegen den Landesentwicklungsplan, der den Ausbau des Flughafens zulässt, beim Verwaltungsgerichtshof in Kassel (VGH) einreichen will. Die Stadtverordnetenversammlung stimmt dem zu. Auch andere Kommunen und Verbände wollen klagen.
  • 18. Dezember 2007: Das Wirtschaftsministerium in Wiesbaden genehmigt den Bauantrag. Die Inbetriebnahme der Nordwest-Landebahn wird für 2011 angestrebt.

Weitere Klagen angekündigt

Deutliche Kritik äußerte der Mainzer Oberbürgermeister Jens Beutel (SPD). «Jetzt haben die Gerichte das Wort», erklärte Beutel, der zugleich Sprecher der Initiative «Zukunft Rhein-Main - Aktion gegen Flughafen-Ausbau» (ZRM) ist, gemeinsam mit weiteren ZRM-Sprechern. Juristische Schritte gegen den Planfeststellungsbeschluss kündigte auch der Umweltverband BUND an. Ansatzpunkte für eine Klage sieht der BUND in Verstößen gegen das europäische und deutsche Naturschutzrecht. Auch die Stadt Offenbach will vor Gericht ziehen und notfalls durch alle Instanzen gehen, bis hin zur EU-Ebene.

Den erwarteten Klagen sieht Fraport mit «Zuversicht» entgegen. Man vertraue auf «zukunftsweisende richterliche Beschlüsse», sagte Flughafenchef Wilhelm Bender. Aus Gründen der «Fairness» will Fraport beim Ausbau keine «vollendeten Tatsachen» vor einer Entscheidung in anstehenden Eilverfahren schaffen.

Es bleibt also abzuwarten, ob zu den 23 Jahren nach der letzten großen Erweiterung des Flughafens vielleicht nicht doch noch ein paar weitere Jahre hinzukommen, bis Deutschland eines der wichtigsten Infrastrukturprojekte endlich umsetzen kann.

Weitere Informationen zum Thema:

Bisherige Erweiterungen des Frankfurter Flughafens

Seit über 70 Jahren starten und landen auf «Rhein-Main» Flugzeuge. 1972 gingen das Terminal eins und der Tiefbahnhof in Betrieb. Begleitet von teils gewalttätigem Protest wurde 1984 die Startbahn West in Betrieb genommen. Zehn Jahre später wurde der größte deutsche Flughafen um ein zweites Terminal erweitert.

Ende 1997 brach der damalige Lufthansa-Chef Jürgen Weber mit seiner Forderung nach einer Erweiterung über die bisherige Grenze des Flughafens hinaus ein Tabu und löste eine Debatte um den Bau einer zusätzlichen vierten Bahn aus. Der damalige hessische Ministerpräsident Hans Eichel (SPD) setzte ein «Mediationsverfahren» in Gang, das zwischen den widerstreitenden Interessen vermitteln sollte. Es schloss mit einem «Mediationspaket», das fünf voneinander nicht trennbare Punkte vorsah, unter anderem eine neue Landebahn und ein Nachtflugverbot von 23.00 bis 5.00 Uhr.

Auf der Grundlage des Pakets stellte der Flughafenbetreiber Fraport im Herbst 2003 seinen Ausbauantrag. Der Antrag beinhaltete neben einer neuen Landebahn nordwestlich des jetzigen Flughafengeländes auch ein drittes Terminal. Der Planfeststellungsbeschluss für den Ausbau steht nunmehr vor dem Abschluss.

Unabhängig davon kündigte Fraport 2002 ein eigenes Planfeststellungsverfahren für den Bau einer Wartungshalle für den neuen Großraum-Airbus A380 an. Im November 2004 genehmigte das hessische Wirtschaftsministerium unter Auflagen das Projekt. Inzwischen geht der erste Bauabschnitt dem Ende entgegen. Die Einweihung ist in knapp vier Wochen geplant.

Fraport - Expansion auch jenseits von Frankfurt

Die im MDAX der mittelgroßen Unternehmen notierte Fraport AG ist die Managerin und Eigentümerin des Flughafens. 2006 erzielte sie einen Umsatz von 2,1 Milliarden Euro und einen Gewinn von knapp 230 Millionen Euro. Die größten Eigentümer der Fraport sind das Land Hessen, die Stadt Frankfurt und die Lufthansa. Wichtige Einnahmequelle ist die Vermietung von Immobilien wie Geschäften. In den vergangenen Jahren hat Fraport auch stark an anderen Standorten expandiert. So werden zum Beispiel Terminals im türkischen Antalya oder auch in Lima (Peru) von dem Unternehmen betrieben.

Von: dpa, ddp, AFP, airliners.de
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