Frankfurter Airport-Betreiber will flexiblere Regelung von Nachtflugverbot

25.07.2016 - 17:24 0 Kommentare

Am Frankfurter Flughafen stranden Tausende Passagiere, weil ihre Flugzeuge wegen heftiger Gewitter nicht rechtzeitig abheben können. Nun wird - erneut - über weitere Ausnahmen vom Nachtflugverbot diskutiert.

Ein Flugzeug rollt am frühen Morgen am Flughafen in Frankfurt zum Terminal.  - © © dpa - Fredrik von Erichsen

Ein Flugzeug rollt am frühen Morgen am Flughafen in Frankfurt zum Terminal. © dpa /Fredrik von Erichsen

Der Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport fordert nach der unwetterbedingten Streichung etlicher Flüge mehr Flexibilität beim Nachtflugverbot am größten deutschen Airport. Wegen heftiger Gewitter am Freitagabend konnten 25 Maschinen nicht abheben, weil keine weiteren Ausnahmegenehmigungen für Starts nach 24 Uhr erteilt worden seien, teilte Fraport mit. Etwa 7000 Passagiere mussten den Angaben zufolge daher die Nacht auf Feldbetten oder den Sitzbänken im Terminal verbringen.

"Eine modifizierte Nachtflughandhabung mit nur 30 Minuten verlängerten Startgenehmigungen hätte in so einem Ausnahmefall schon geholfen, da alle Maschinen bereits startbereit vor den Bahnen warteten", kritisierte Fraport-Vorstand Anke Giesen in der Mitteilung. "Die Passagiere reagierten eindeutig und zu Recht mit Kritik auf dieses unverhältnismäßige Vorgehen."

Hessen und Fraport wollen nun gemeinsam über mögliche Konsequenzen beraten. Eine Arbeitsgruppe soll sich mit dem Thema beschäftigen. "Auf dieser Grundlage wird zu beraten sein, ob sich die Abläufe am Flughafen noch weiter optimieren lassen, damit sich diese bislang singuläre Situation nicht wiederholt", sagte Staatssekretär Mathias Samson (Grüne).

Fraport schätzt Gefahr durch Blitzeinschläge als zu hoch ein

Samson stellte jedoch auch klar: "So bedauerlich die Verzögerungen für die einzelnen betroffenen Passagiere sind: Das Nachtflugverbot gilt und wird von der hessischen Luftaufsicht nach dem gültigen Planfeststellungsbeschluss umgesetzt."

Von 23 bis 5 Uhr gilt am Frankfurter Flughafen ein sechsstündiges Nachtflugverbot. Das soll den Lärm für die Anwohner in unmittelbarer Umgebung des Flughafens vermindern.

© dpa, Frederik von Erichsen Lesen Sie auch: Lärmpausen am Frankfurter Flughafen werden zum Regelfall

76 Maschinen hatten nach Fraport-Angaben die Ausnahmeerlaubnis für einen Start bis Mitternacht. 25 schafften es dennoch nicht in diesem Zeitraum, weil die Abfertigung aus Sicherheitsgründen mehrmals eingestellt werden musste. Die Gefahr durch Blitzeinschläge für die Arbeiter auf dem Vorfeld sei zu groß gewesen, erklärte Fraport. Daher sei es zu massiven Verzögerungen gekommen.

Der rheinland-pfälzische Grünen-Landtagsabgeordnete Daniel Köbler warnte Fraport vor einer Aufweichung des Nachtflugverbots. "Ein Gewitter ist gerade im Hochsommer nichts Ungewöhnliches", teilte Köbler mit. "Für solche Fälle liegt es in der Verantwortung der Fraport, Reservekapazitäten vorzuhalten, ohne das Nachtflugverbot anzutasten."

Flughafengegner reagieren

"Der Fraport-Ruf nach einer Aufweichung der ohnehin kulanten Nachtflugregelungen zeigt die ganze Respektlosigkeit vor dem nächtlichen Ruhebedürfnis der Flughafenanrainer und vor höchstrichterlichen Entscheidungen", sagte Thomas Scheffler, Sprecher des BBI Bündnis der Bürgerinitiativen.

Das Wirtschaftsministerium dürfe unter keinen Umständen auf die Forderung der Fraport AG eingehen. "Eine Verlängerung der Ausnahmegenehmigung für wetterbedingt verzögerte Starts um eine halbe Stunde wäre der Anfang vom Ende der nächtlichen Ruhe", so Scheffler weiter.

Von: ch, dpa
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