Beruf & Karriere

Erst Passagiere, dann Fracht, dann wieder Passagiere

18.07.2017 - 08:00 0 Kommentare

Was unterscheidet einen Frachtpiloten von seinem Kollegen im Cockpit einer Passagiermaschine? Wenn man nach der Ausbildung geht, gibt es keine Unterschiede. Doch in der Praxis zeigen sich schnell Kontraste.

Innenansicht des Frachtraums einer MD-11F von Lufthansa Cargo mit Frachtgut.

Innenansicht des Frachtraums einer MD-11F von Lufthansa Cargo mit Frachtgut.
© Lufthansa Cargo - Werner Bartsch

MD11F der Lufthansa Cargo. Die Flotte der Kranich-Frachttochter besteht aus zwölf Flugzeugen des Typs MD11F und fünf Boeing 777F.

MD11F der Lufthansa Cargo. Die Flotte der Kranich-Frachttochter besteht aus zwölf Flugzeugen des Typs MD11F und fünf Boeing 777F.
© Lufthansa Cargo

Nächtliche Beladung einer MD-11F der Lufthansa Cargo am Flughafen Frankfurt/Main

Nächtliche Beladung einer MD-11F der Lufthansa Cargo am Flughafen Frankfurt/Main
© dpa - Marc Tirl

Mehrere DHL-Frachtmaschinen werden in den Nachtstunden auf dem Flughafen Leipzig/Halle beladen.

Mehrere DHL-Frachtmaschinen werden in den Nachtstunden auf dem Flughafen Leipzig/Halle beladen.
© dpa - Jan Woitas

Boeing 777F der AeroLogic in Leipzig/Halle

Boeing 777F der AeroLogic in Leipzig/Halle
© dpa

Mit eingeschalteten Scheinwerfern rollt eine Frachtmaschine in der Nacht auf dem Flughafen Frankfurt zum Start.

Mit eingeschalteten Scheinwerfern rollt eine Frachtmaschine in der Nacht auf dem Flughafen Frankfurt zum Start.
© dpa - Boris Roessler

Ein Flugzeug voller Blaubeeren, tausende Rosen oder Zoo-Tiere, wertvolle Autos oder eine Kiste Gold: In den Laderäumen von Frachtflugzeugen finden sich alle erdenklichen Transportgüter. Dabei geht es meist um wertvolle Fracht. Auch wenn Aircargo nur einen schwindend kleinen Teil des gesamten Frachtaufkommens von und nach Deutschland ausmacht, macht sie wertmäßig rund ein Viertel des Gesamtaufkommens aus. Cargo-Piloten sind dabei weiterhin gefragt.

Deutsche Cargo-Fluggesellschaften

Airline Basis Flotte*
AeroLogic Leipzig 9 Boeing 777F
EAT Leipzig Leipzig 25 Airbus A300F
5 Airbus A330F
13 Boeing 737F
32 Boeing 757F
1 British-Aerospace-Frachter
Lufthansa Cargo Frankfurt 5 Boeing 777F
12 MD 11F
Nightexpress Frankfurt/Main 1 ATR-72-Frachter


Quelle: CH Aviation/Unternehmen, *) an Heimatbasis stationiert.

In Deutschland beschäftigt Lufthansa Cargo rund 400 Piloten für ihre MD-11- und Boeing-777F-Flotten. In Leipzig sind zudem nochmal 200 Piloten beim DHL/Lufthansa-Cargo-Joint-Venture AeroLogic angestellt. Die nach der Flotte größte deutsche Frachtairline "EAT Leipzig" (European Air Transport Leipzig) lässt von ihrer deutschen Station aus rund 200 Piloten für DHL durch Europa fliegen.

Die beiden anderen großen Integrater UPS und Fed-Ex haben derweil an ihrem deutschen Drehkreuz in Köln/Bonn keine Piloten speziell stationiert. Die vierte reine deutsche Frachtfluggesellschaft ist übrigens die Frankfurter Nightexpress, die mit zwei Shorts 360 und einer Beech 99 fliegt und dafür acht Piloten beschäftigt.

Ein spannender Abschnitt in der Pilotenkarriere

Jacqueline Casini, Lufthansa Cargo

Was aber unterscheidet einen Frachtpiloten von seinem Kollegen im Cockpit einer Passagiermaschine? Wenn man nach der Ausbildung geht ist die Frage schnell beantwortet: Es gibt keine Unterschiede. Daher wird auch nirgends auf der Welt ein Flugschüler "nur" als Cargopilot ausgebildet.

Bei Lufthansa beispielsweise ist der Ausflug in die Cargo-Welt meist ein spannender Abschnitt in der Karriere eines Lufthansa-Piloten, sagt Jacqueline Casini von Lufthansa Cargo. Die meisten Piloten der MD-11 und 777-Frachter des Kranichs waren vorher im Passagierliniendienst und wechseln nach einiger Zeit wieder dorthin zurück. "Voraussetzung für Cargo-Einsätze sind 1500 Flugstunden", fasst Casini zusammen.

Dennoch unterscheidet sich selbst bei der Lufthansa der Pilotenjob im Cargo-Bereich immer noch vom Arbeitsalltag eines Passagierpiloten. Ist man bei den Passage-Fliegern oft auch auf der Langstrecke nach zwei Tagen wieder zu Hause, kann es bei Cargopiloten auch mal vorkommen, dass sie längere Umläufe haben. "Mittlerweile haben wir beispielsweise mit der Boeing 777 auch typische Passage-Umläufe und sind nach 48 Stunden wieder zurück. Doch mit der MD11 gibt es die langen Touren immer noch."

Von komplett leer bis komplett voll

Viele Laien denken, Frachtflüge würden vor allem nachts starten. Dies ist bei Lufthansa Cargo nicht so, sagt Casini. "In Frankfurt fliegen wir den ganzen Tag über los. Dass es nur nachts losgeht, ist ein Gerücht. Vermutlich kommt es aus den USA." Oder aber aus NRW, denn am Flughafen Köln/Bonn heben Frachter wegen des 24-Stunden-Betriebs hauptsächlich nachts ab.

Anders als ein Passagierflugzeug, das nie weder komplett leer ohne Bestuhlung und Einbauten noch komplett vollgestopft bis unter die Decke fliegt, müssen Cargopiloten ihre Frachtmaschinen öfter an den Gewichtlimits bewegen. Das hat entsprechende Auswirkungen auf die Flugphysik. Abhebe- und Anfluggeschwindigkeiten etwa verändern sich durch die zum Teil extremen Unterschiede gewaltig. Ein Flugzeug fliegt sich dann komplett anders.

Fracht motzt nicht, Fracht kotzt nicht

Geflügelter Ausspruch unter Frachtfliegern

Mehr Flexibilität ist von den Piloten noch an anderer Stelle gefragt: "Bei der Passage machen sie einen Sommer- und einen Winterflugplan. Sobald die stehen, ändert sich nicht mehr viel. Unsere Umläufe hingegen werden teilweise jeden Monat neu gestaltet." Doch Rerouting und damit verbundene Dienstplanänderung sind laut Casini bei Lufthansa Cargo selten.

Der Fracht macht das ganze Hin und Her sowie Flüge zu nachschlafender Zeit derweil wenig aus. "Fracht motzt nicht, Fracht kotzt nicht", ist ein geflügeltes Sprichwort unter vielen Frachtpiloten. Casini will das für die Piloten der Lufthansa Cargo nicht unterschreiben: "Wir fliegen auch alle sehr gern Passagiere." Und scherzhaft fügt sie an: "Aber natürlich fliegen wir auch alle gern Fracht und machen uns dann auch selbst das Essen warm."

Aktuelle Luftfracht-Jobs gibt es im airliners.de-Stellenmarkt.

Von: airliners.de
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