Forscher untersuchen Klimawirkung von Kondensstreifen am Himmel

20.04.2014 - 09:09 0 Kommentare

Weiß ziehen sich die Kondenststreifen der Flugzeuge quer über den blauen Himmel. So schön sie aussehen: Forscher glauben, dass sie eine Wirkung auf das Klima haben. Welche, soll jetzt näher untersucht werden.

Flugzeuge kreuzen im Luftraum Nürnberg

Flugzeuge kreuzen im Luftraum Nürnberg
© dpa, K.-J. Hildenbrand

DLR-Forschungsflugzeug HALO

DLR-Forschungsflugzeug HALO
© DLR

Blick aus dem "Halo"-Cockpit.

Blick aus dem "Halo"-Cockpit.
© DLR

Um die Eigenschaften von Zirren und Kondensstreifen genau zu erfassen, ist im Forschungsflugzeug HALO ein Lidar-System eingebaut. Hier ein Blick auf das optische Fenster von außen.

Um die Eigenschaften von Zirren und Kondensstreifen genau zu erfassen, ist im Forschungsflugzeug HALO ein Lidar-System eingebaut. Hier ein Blick auf das optische Fenster von außen.
© DLR

HALO fliegt mit einer der modernsten Wolken-Instrumentierungen weltweit. In den sogenannten "Unterflügelstationen" sind unter anderem PMS-Sonden - Messinstrumente für Wolkentropfen und Eiskristalle - eingebaut.

HALO fliegt mit einer der modernsten Wolken-Instrumentierungen weltweit. In den sogenannten "Unterflügelstationen" sind unter anderem PMS-Sonden - Messinstrumente für Wolkentropfen und Eiskristalle - eingebaut.
© DLR

Um die Klimawirkung natürlicher Eiswolken und der vom Luftverkehr erzeugten Kondensstreifen detailliert zu untersuchen, ist jetzt das Forschungsflugzeug "Halo" vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) über Europa und dem Nordatlantik im Einsatz. Auf insgesamt zwölf Messflügen soll das Flugzeug Eiswolken, sogenannte Zirren, in acht bis 14 Kilometern Höhe vermessen.

Die Wissenschaftler wollen während der Mission sowohl die Bildungsprozesse von natürlichen Zirren als auch die Bildung von Eiswolken unter dem Einfluss des Flugverkehrs untersuchen. Die Messflüge finden daher zum Teil in dem Bereich des Atlantiks statt, über den die meisten Flugrouten führen, teilte das DLR jetzt mit.

Wie sich die Eigenschaften der künstlichen Wolken von natürlichen Zirren unterscheiden, sei bislang ungeklärt. Die Messungen an den Kondensstreifen, aber auch an natürlichen Eiswolken, sollen die Aussagekraft globaler Klimaprognosen verbessern. Offene Fragen zur Klimawirkung von Wolken seien ein großes Problem bei Klimaprognosen, so das DLR.

Zirren können wärmen - aber auch kühlen

Der Flugverkehr bildet über Kondensstreifen künstliche Zirruswolken, die in feuchter Luft rasch zu ausgebreiteten Zirruswolken anwachsen. Wie aber Eiskristalle im Einzelnen entstehen und inwieweit sich die Eigenschaften der künstlichen Wolken von den natürlichen Zirren unterscheiden, ist den Angaben nach noch weitgehend unbekannt.

Dünne Zirren und Kondensstreifen legen sich wie ein wärmender Schal um die Erde. Wie stark die Erwärmung tatsächlich ausfällt, hänge von vielen Parametern wie der Größe und Anzahl der Eiskristalle in den Wolken, der Höhe der Wolken und ihrer Lebensdauer ab. Unter bestimmten Bedingungen könnten Eiswolken sogar kühlen.

Um die vielseitigen Klimawirkungen von Zirren und Kondensstreifen besser zu verstehen, benötigen die Wissenschaftler genaue Daten über die Anzahl, Form und Größe der Eiskristalle, die von einem Tausendstel Millimeter bis zu mehreren Millimetern variiert.

© DLR Lesen Sie auch: Höher fliegen und mehr messen: DLR-Forschungsflugzeug «HALO»

Das Forschungsflugzeug, eine umgebaute und stark modifizierte Gulfstream G550, verfügt daher über verschiedene, komplementäre Messinstrumente. Zu den insgesamt drei Tonnen Ausrüstung gehören unter anderem ein LIDAR (Light Detection and Ranging) zur Fernerkundung von Wolken, neun verschiedene Wolkensonden die direkt unter den Tragflächen montiert sind sowie eine komplexe Aerosol-, Wasserdampf- und Spurengasinstrumentierung.

Das deutsche Forschungszentrum übernimmt die Federführung bei der Mission "ML-CIRRUS", die aus einem etwa 100-köpfigen Team von Wissenschaftlern verschiedener Atmosphärenforschungsinstitute besteht. Die gesammelten Wolkeninformationen sollen sich am Ende wie in einem Puzzle zu einem Gesamtbild zusammenfügen, so die Hoffnung der Wissenschaftler. Im Anschluss an die umfassende Wolken-Messkampagne vergleichen die Forscher dann ihre Ergebnisse mit Messreihen von Fernerkundungsstationen am Boden und überprüfen globale Satellitendaten.

«Neue Erkenntnisse zeigen, dass die wärmende Klimawirkung von Kondensstreifen-Zirren möglicherweise stärker ist als die durch den Kohlendioxidausstoß des Luftverkehrs», sagte die Kampagnenleiterin Christiane Voigt. Lokal gibt es jedoch massive Unterschiede. «Mit Halo werden wir umfassende Messdaten sammeln, um Modellergebnisse besser zu untermauern und bestehende Unsicherheiten zu reduzieren.»

Link zum DLR-Institut für Physik der Atmosphäre

Von: airliners.de mit dpa, DLR
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