Forscher: Heftige Strömung macht Suche nach Flugzeug schwierig

24.03.2014 - 14:32 0 Kommentare

Das Meer ist rau und abgelegen, die Strömung heftig. Wenn Wrackteile gefunden sind, lässt sich die Absturzstelle mit Computermodellen ziemlich genau bestimmen. Dann beginnt in der unwirtlichen Region der schwierige Part.

Der australische Meeresforscher Charitha Pattiaratchi. - © © dpa - Joan Costa

Der australische Meeresforscher Charitha Pattiaratchi. © dpa /Joan Costa

Die harschen Wetterbedingungen im Meer zwischen Australien und der Antarktis machen die Suche nach möglichen Wrackteilen der verschollenen Boeing 777-200 der Malaysia Airlines so schwierig. «Die Strömung treibt die Teile in zwei Sekunden einen Meter weit», sagt Meeresforscher Charitha Pattiaratchi. Er arbeitet seit 25 Jahren an der Universität von Westaustralien in Perth und kennt die Region, in der das Wrack vermutet wird, gut. Die Teile wären bis Montag fast 700 Kilometer weit getrieben.

Die vielversprechendsten Satellitenbilder, die mögliche Wrackteile zeigen, sind mehr als eine Woche alt. Ist das Material dann noch zu finden?
Pattiaratchi: Eigentlich ja. Wenn ein Teil genügend Auftrieb hat, bleibt es monatelang an der Oberfläche. Die Wellen mögen es hin- und herwerfen, vielleicht auch zerbrechen, aber die Teile bleiben oben, manchmal selbst knapp unter der Wasseroberfläche. Im Fall von Flugzeugwrackteilen kommt Auftrieb etwa durch leere Tanks, durch Schaumstoffteile, Füllmaterial und Ähnliches.

Wenn Treibgut eindeutig als Material des Flugzeugs identifiziert ist - kann die Absturzstelle dann präzise berechnet werden?
Pattiaratchi: Wir haben Computermodelle erstellt, die ziemlich genau zeigen, in welche Richtung und wie schnell Wrackteile getrieben sind. Wenn man etwa von den chinesischen Bildern ausgeht, ist klar: Die Teile, die darauf zu sehen sind, kämen von der Flugroute des Flugzeugs.

Wie schwierig ist es dann noch, das Wrack selbst zu finden?
Pattiaratchi: Das Flugzeug sinkt ja nicht an der Stelle direkt in die Tiefe, wo es auf die Wasseroberfläche schlägt. Es zerschellt, und dann hängt es von der Schwere der Teile ab, wie weit sie driften, ehe sie den Boden erreichen. Das kann bei großen Teilen schnell gehen, bei kleineren dauert es länger.

Das Meer ist in der Region 3000 bis 4000 Meter tief. Könnte das Wrack auch in Schlamm, Sand und Sedimenten verschwinden?
Pattiaratchi: In der Tiefe passiert nicht mehr viel. Da unten ist Schlamm. Selbst, wenn ein Teil zwei Meter in den Schlamm sinkt, wäre noch etwas zu sehen. Die Temperatur liegt wenig über dem Gefrierpunkt, da gibt es nur Bakterien, da zersetzt sich nichts schnell. Ein toter Wal ist in den Tiefen noch nach zehn Jahren zu sehen.

Immer vorausgesetzt, die gesichteten Objekte gehören wirklich zu der Maschine und die Absturzstelle kann berechnet werden - wann könnte mit der Bergung begonnen werden?
Pattiaratchi: Im Fall der Air-France-Maschine, die 2009 im Atlantik abgestürzt ist, wurde das Wrack erst nach zwei Jahren gefunden. Hier im Indischen Ozean spielt das Wetter eine große Rolle. Im Winter, zwischen April und November, dürfte der Einsatz eines Bergungsschiffs dort fast unmöglich sein. Die Wellen sind teils zehn Meter hoch. In so rauer See kann ein ferngesteuertes U-Boot nicht sicher zu Wasser gelassen und wieder an Bord geholt werden.

Zur Person:
Charitha Pattiaratchi (56) erforscht seit 25 Jahren die Ozeane. Sein Schwerpunkt sind Strömungen. Er ist Professor für Küstenmeeresforschung an der Universität von Westaustralien mit Sitz in Perth.

Von: dpa
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