Flugzeugindustrie setzt immer mehr auf Kunststoffe

16.11.2018 - 10:06 0 Kommentare

Kunststoffe finden in der Flugzeugindustrie immer mehr Zuspruch, konstatiert Zulieferer Krüger Aviation. Die noch in der A350 verbauten Kohlefasern hingegen wären kaum noch Thema. Denn Plastik hätte Vorteile.

Fertigung bei Krüger Aviation. - © © Krüger Aviation - Sonja Brüggemann

Fertigung bei Krüger Aviation. © Krüger Aviation /Sonja Brüggemann

Plastik löst in der Flugzeugindustrie immer mehr herkömmliche Baustoffe ab. "Wer hätte gedacht, dass Airbus aktuell diskutiert, den Rumpf eines Flugzeugs aus Thermoplast statt aus Metall herzustellen", fragt der Chef des Zulieferers Krüger Aviation, Nils Stoll, anlässlich der Plastic Aviation Conference von Hamburg Aviation im Gespräch mit airliners.de. In den vergangenen Jahren wäre Kohlefaser das übergeordnete Thema gewesen - doch das bei der A350 verbaute Material hätte sich nicht durchsetzen können.

Produkte von Krüger Aviation sind besonders häufig in Airbus-Flugzeugen der Typen A320, A350 und A380 verbaut. Besonders innovativ sind laut Stoll hierbei die Serienbauteile aus dem 3D-Druck-Verfahren wie Sauerstoffbehälter, in denen sich die Sauerstoffgeneratoren befinden, und aus denen die Masken rausfallen.

"Denken in Metall und Titan"

Längst werden nicht nur in der Kabine sichtbare Teile wie Sitzverkleidungen, Spiegel, Beleuchtungselemente und Overhead-Fächer aus Kunststoff gefertigt, sondern auch tragende Strukturelemente können mittlerweile damit ersetzt werden. Zu nennen ist hier auch Hersteller Quadrant, der Strukturbauteile und ganze Aufhänge einer Lavatory aus Kunststoff herstellt.

Nils Stoll. Foto: © Krüger Aviation, Sonja Brüggemann

Bisher werde im Flugzeugbau "nach wie vor mehr in Metall und Titan gedacht und nicht in Kunststoff", kritisiert Stoll. Es gäbe aber viele neue "Kunststoff-Materialien in der Pipeline, die den Metallbedarf ersetzen können". Denn Kunststoffe bieten ungeahnte Möglichkeiten: Es gibt Stoffe, die bei 400 Grad unter Einfluss von Skydrol und anderen Ölen bestehen. Diese Vorteile würde die Industrie sehen, sodass die Entwicklung nach und nach in diese Richtung gehe: "Mittlerweile gibt es bei den großen Flugzeugbauern Chef-Einkäufer für Kunststoffe, was vor fünf Jahren noch nicht der Fall war."

Northern Light Scenario von Finnair

Die Flugzeugkabine als Wohlfühlort für den Passagier und speziell die individuelle Beleuchtung als Emotionsverstärker und Visitenkarte der Airline (man denke an das Northern Light Scenario im A350 der Finnair) zeige den stetig wachsenden Bedarf an transparenten und hochqualitativen Kunststoffen. Stolls Zukunftsvision: "Überall da, wo Kunststoff als Verblendung eingesetzt wird, bildet er in Zukunft auch die tragende Funktion mit ab."

Gewichtsreduktion stelle nicht länger den hauptsächlichen Grund für die Verwendung von Kunststoff im Flugzeugbau dar. Vielmehr geht es zusehends darum, dass sich die Verwendung von Kunststoff vor allem auf der Kostenseite positiv bemerkbar macht: So sind Bauteile aus Kunststoff deutlich wartungsärmer, weil sie - im Gegensatz zu Metall - oftmals nicht geschmiert werden müssen.

Auch die Herstellung der Bauteile ist teilweise günstiger. Und wenn Kunststoffe auch mehr (lastentragende) Eigenschaften haben, wird ein Zulieferer weniger benötigt. Große Hersteller wie Airbus und Boeing drängen auf eine Reduzierung der Ausgabenseite beim Flugzeugbau und hätten am liebsten 30 Prozent weniger Kosten, so Stoll. "Dies spricht dafür, dass Kunststoff seinen Siegeszug gerade erst begonnen hat. Die Zukunft ist Plastik!"

Von: Fabian Kühne für airliners.de
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