IATA fordert Staatshilfen und Single European Sky

Flugverbote verursachen Milliardenverluste

21.04.2010 - 13:01 0 Kommentare

Die Flugverbote über Europa infolge der Vulkanasche-Wolke haben die Fluggesellschaften Schätzungen zufolge bislang rund 1,3 Milliarden Euro gekostet. Der Airlineverband IATA ruft nun nach staatlichen Hilfen und mahnt die Umsetzung eine einheitlichen Luftraums über Europa an.

IATA-Chef Giovanni Bisignani - © © airliners.de - O. Pritzkow -

IATA-Chef Giovanni Bisignani © airliners.de - O. Pritzkow

Das Flugverbot nach dem Vulkanausbruch auf Island hat die Fluggesellschaften nach eigener Schätzung bis Dienstag rund 1,7 Milliarden Dollar (1,27 Mrd Euro) Umsatz gekostet. Die Sperrungen hätten zeitweise knapp ein Drittel (29 Prozent) der Luftfahrt weltweit lahmgelegt, sagte der Generaldirektor des Weltluftfahrtverbandes IATA, Giovanni Bisignani, am Mittwoch in Berlin. An den drei Tagen mit den meisten Ausfällen - Samstag bis Montag - seien den Unternehmen täglich rund 400 Millionen Dollar Einnahmen verloren gegangen.

Bisignani kritisierte das sechstägige Flugverbot in weiten Teilen Europas scharf: «Der Luftraum wurde auf Grundlage theoretischer Modelle gesperrt, nicht auf Grundlage von Fakten. Testflüge der Fluggesellschaften haben gezeigt, dass diese Modelle falsch waren.» Die zwischenzeitliche Entscheidung, Flugzonen in drei Gefährdungskategorien einzuteilen, sei richtig gewesen, aber leider nicht von allen Staaten angewendet worden.

Staatshilfen und Single European Sky gefordert

Der IATA-Chef bemängelte die Entscheidungsfindung in Europa als ineffektiv und viel zu langsam. Es habe fünf Tage gedauert, bis die europäischen Verkehrsminister sich zu einer Videokonferenz zusammengeschaltet hätten. Die bislang zersplitterten Kompetenzen der nationalen Luftfahrtbehörden müssten gebündelt werden. Er forderte einen einheitlichen europäischen Luftraum - über den seit 20 Jahren ergebnislos diskutiert werde.

Bisignani forderte die europäischen Regierungen auf, Möglichkeiten eines Ausgleichs der Umsatzverluste zu prüfen. Es sei keine Rettungsaktion notwendig. Aber vor allem kleine und mittlere Gesellschaften litten unter Liquiditätsproblemen, an denen sie nicht selbst schuld seien.

Außerdem forderte Bisignani die EU zur Lockerung der Fluggastrechte auf. Diese Regelungen seien "niemals" für eine solch außergewöhnliche Situation gedacht gewesen, sagte der IATA-Chef. Die Regelungen verpflichteten die Airlines auch in dieser extremen Lage, Hotelübernachtungen, Mahlzeiten und Telefongespräche für gestrandete Passagiere zu zahlen. Vor dem Hintergrund des Vulkanausbruchs stellten die Regelungen jedoch eine "unfaire Belastung" für die Branche dar.

Daneben forderte IATA eine Lockerung der Nachtflugverbote, um den Flugbetrieb nach Ende der Flugverbote wieder leichter in geordnete Bahnen zu bekommen. Auch setzte sich der Verband für eine flexiblere Vergabe von Start- und Landerechten ein.

Von: dpa, AFP, airliners.de
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