Deutsche Flugsicherung mit Umsatzrückgang trotz mehr Flügen

10.04.2019 - 16:36 0 Kommentare

Nach viel Kritik über Lotsenmangel und Verspätungen muss die Deutsche Flugsicherung (DFS) für 2018 nun auch noch einen Verlust ausweisen. Ein "Chaos"-Jahr sieht DFS-Chef Scheurle dennoch nicht.

DFS-Geschäftsführer Klaus-Dieter Scheurle. - © © dpa - Britta Pedersen

DFS-Geschäftsführer Klaus-Dieter Scheurle. © dpa /Britta Pedersen

Obwohl sie deutlich mehr Flüge durch den deutschen Luftraum gelotst hat, muss die Deutsche Flugsicherung (DFS) 2018 weniger Umsätze verbuchen. Die Einnahmen sanken im Vergleich zum Vorjahr um 1,1 Prozent auf 1,18 Milliarden Euro, wie die bundeseigene GmbH am Mittwoch in Langen mitteilte.

Die Zahl der kontrollierten Flüge war in der gleichen Zeit um 4,2 Prozent auf einen neuen Rekordwert von 3,35 Millionen gestiegen. Unter dem Strich gab es allerdings einen Verlust von 30,1 Millionen Euro, nachdem 2017 noch ein Gewinn von 30,8 Millionen Euro aufgelaufen war.

Als wichtigsten Grund für den Umsatzrückgang nannte DFS-Chef Klaus-Dieter Scheuerle abgesenkten Flugsicherungsgebühren. Diese Entwicklung gehe auch im laufenden Jahr weiter. Neben den sinkenden Gebühreneinnahmen sei der Verlust vor allem auch auf einen gestiegenen Personalaufwand zurückzuführen.

Positiv habe sich nach Angaben der DFS das kommerzielle Drittgeschäft entwickelt, in dem die deutsche Flugsicherungsgesellschaft unter anderem Flughafen-Tower in Großbritannien betreibt. Bei einem Umsatz von 67 Millionen Euro wurde ein operativer Gewinn von 1,5 Millionen Euro erzielt.

Wachsende Kritik an DFS

Wegen fehlender Lotsen und überlasteter Lufträume waren die von der Deutschen Flugsicherung verursachten Verspätungen deutlich angewachsen von 0,5 Minuten 2017 auf 1,23 Minuten pro Flug im vergangenen Jahr. Angestrebt wird ein Wert von höchstens einer Viertel-Minute.

Europaweit waren die deutschen Lotsen 2018 damit für ein gutes Fünftel der Flugsicherungsverspätungen verantwortlich. Insbesondere der obere Luftraum, der aus dem Center Karlsruhe gesteuert wird, ist über Deutschland so überlastet, dass täglich Hunderte Flüge in den darunter liegenden Luftraum verlagert werden, obwohl die Flugzeuge dort wegen des höheren Luftwiderstands mehr Sprit verbrauchen.

Personalengpässe bei der Flugsicherung lassen dabei keine Euphorie bei den Beteiligten aufkommen. Beim Luftfahrtgipfel im vergangenen Jahr hatte die Branche zusammen mit Vertretern aus der Politik bereits konkrete Maßnahmen angekündigt, zugleich aber nach einer Evaluation im März die Erwartungen gedämpft.

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Gleichzeitig beschwerte sich nun auch die Interessenvereinigung "Airlines for Europe" in einer Mitteilung am Dienstag über die ihrer Meinung nach viel zu laschen Leistungsziele von Seiten der EU gegenüber den Flugsicherungen in den Mitgliedstaaten. Diese würden sogar noch mehr Verspätungen erlauben als im vergangenen Jahr.

Uneinigkeit über zusätzlichen Personalbedarf

DFS-Chef Scheurle wehrte sich allerdings gegen den Begriff "Chaos". "Es gibt kein Chaos. Wir schaffen als Flugsicherung Ordnung am Himmel. Aber genau diese Ordnung generiert manchmal Verspätungen."

Nach Einschätzung DFS wird der Flugverkehr im deutschen Luftraum auch in diesem Jahr wachsen, und zwar um rund 3,4 Prozent nach dem Rekordwert im Chaosjahr 2018. Die DFS müsse damit durchschnittlich 420 Flüge mehr pro Tag abarbeiten als im Jahr 2018

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Wie viele Lotsen zur Bewältigung der kommenden Verkehrsspitzen insbesondere im Sommer und im oberen Luftraum fehlen, ist umstritten: Der DFS-Chef beziffert die Lücke auf 90 Leute, während die Gewerkschaft der Flugsicherung (GDF) mindestens 200 neue Kollegen fordert. Ihr Vorsitzender Matthias Maas wirft Scheurle vor, die Ausbildung seit seinem Amtsantritt 2013 kaputt gespart zu haben und auch seit der Sommer-Krise 2018 nicht entschlossen genug umzusteuern.

Der DFS-Chef verweist hingegen auf eine Reihe von bereits eingeleiteten Maßnahmen, die Flüge zu bündeln und effizienter zu ordnen. Auch wurden fertig ausgebildete Lotsen aus dem Ausland angeworben und die Kapazität der eigenen Ausbildungsakademie hochgefahren. Kurzfristig benötigt die DFS aber die Mehrarbeit ihrer Bestandslotsen und dafür wiederum die Kooperation der GDF. Eine Einigung dazu steht noch aus, jedoch seien erste Gespräche konstruktiv verlaufen, so Scheurle.

Von: dk mit dpa
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