Neuhardenberg wirbt um Zukunft als BER-Ausweichflughafen

02.08.2019 - 10:05 0 Kommentare

Der Flugplatz Neuhardenberg will als Ausweichflughafen für Berlin fungieren. Doch die Planungen für den BER als "Single-Airport" in der Region verhindern die Pläne seit Jahren. Mit A320-Rundflügen wirbt der Betreiber jetzt erneut für das Vorhaben.

Hangar am Flugplatz Neuhardenberg. - © © Flugplatz Neuhardenberg -

Hangar am Flugplatz Neuhardenberg. © Flugplatz Neuhardenberg

Während sich anderorts Anwohner und Kommunen gegen den Luftverkehr aufstellen, haben sich die Neuhardenberger schon frühzeitig zu ihrem Flugfeld bekannt. Eine Bürgerinitiative setzt sich schon seit Jahren dafür ein, dass größere Passagiermaschinen landen können. Doch daraus wurde bislang nichts.

Mit drei Rundflügen in einem Airbus A320 der Sundair hat der Flugplatz nun erneut für eine bessere Nutzung des Regionalflughafens geworben. Es sei das erste Mal gewesen, dass dort ein Airbus A320 gestartet und gelandet sei, sagte der Flugplatzbevollmächtigte Uwe Hädicke am Donnerstag nach der Aktion.

Flughafen wirbt um politische Unterstützung

Als Passagiere waren Brandenburger Landtagsabgeordnete sowie Bürgermeister aus Deutschland und Polen dabei. Auf diese Weise will Hädicke politische Unterstützung für die seit Jahren vergeblich geforderte Genehmigung für ein satellitengestütztes An- und Abflugsystem erreichen.

"Damit könnten wir unseren Flugplatz zum Beispiel endlich für die Reparatur und Wartung von Flugzeugen nutzen", erläuterte Hädicke, der schon vor seiner Zeit als Flugplatzchef die Anwohnerinitiative "Pro Flughafen Neuhardenberg" leitete. Auch als Ausweichflughafen für Berlin sei Neuhardenberg günstiger gelegen als Rostock-Laage oder Hannover.

Ein Sprecher des Brandenburger Verkehrsministeriums erklärte, die Deutsche Flugsicherung habe wegen der Nähe zu dem starken Flugverkehr um Berlin Sicherheitsbedenken geltend gemacht. Daher habe es noch keine Genehmigung durch das Bundesverkehrsministerium gegeben. "Wir verweigern uns dem nicht", betonte der Sprecher.

BER verhindert Entwicklung in Neuhardenberg

Gegen eine regelmäßige Nutzung von Neuhardenberg als Verkehrsflughafen spricht aber auch noch ein anderer Beschluss. Mit der Eröffnung des BER soll dieser in der Region Berlin-Brandenburg der einzige Verkehrsflughafen sein, was auch der Grund dafür ist, dass Tegel nach Inbetriebnahme des neuen Standorts schließen soll.

Gegen die entsprechende Planfeststellung hatte die damalige Airport Berlin-Neuhardenberg GmbH beim Oberverwaltungsgericht geklagt aber verloren. So hatte das Verkehrsministerium in Potsdam mehrfach die Genehmigung für den Betrieb von Großfluggerät in Neuhardenberg verweigert, weil die Landesplanung nur einen "Single-Flughafen" in der Region vorsieht.

Brandenburgs CDU-Chef Ingo Senftleben warf der Landesregierung dennoch vor, den Flugplatz Neuhardenberg im Landesentwicklungsplan vollkommen zu ignorieren. Den Plan will Senftleben im Fall eines Sieges bei der Landtagswahl am 1. September aufkündigen. "Wir müssen Brandenburgs Wachstumspotenziale nutzen, anstatt gute Initiativen von Potsdam aus zu blockieren", meinte er. Daher wolle die CDU auch die Entwicklung regionaler Flughäfen unterstützen.

Neuhardenberg kämpft schon lange um Flughafen

Der Flugplatz Neuhardenberg liegt rund 50 Kilometer östlich von Berlin. Die Klassifizierung als Sonderlandeplatz entbindet den Betreiber von der Betriebspflicht. Dabei verfügt der Flugplatz als ehemaliger Militärflughafen über eine 2400 Meter lange Betonpiste, die auch einen Betrieb mit Großflugzeuge erlauben würde.

Linienflugverkehr fand bislang alletrdings nur sporadisch statt. Zwar war Ryanair zeitweise im Gespräch. Doch daraus wurde zunächst nichts. Vor 15 Jahren dann bediente die Bedarfsfluggesellschaft Private Wings kurzzeitig eine regelmäßige Verbindung nach Krakau.

Zudem stürzte ein Skandal um veruntreute Subventionsgelder durch den damaligen Flughafenchef den Standort in die Krise. Die Flughafen-Betreibergesellschaft musste Insolvenz anmelden und wurde 2007 vom dänischen Betreiber Airport Development A/S gekauft.

© dpa, Patrick Pleul Lesen Sie auch: Flugplatz Neuhardenberg verdient Geld mit erneuerbaren Energien

Bis heute lässt die Öffnung des krisengeschüttelten neuen Flughafens Berlin Brandenburg auf sich warten. Doch die Neuhardenberger fanden neben der Bedarfs- und Privatfliegerei sowie Eventlocation eine Nische mit der Produktion von Solarstrom. Eine riesige Fläche mit Solarpanels kann seit 2013 Strom für gut 40.000 Haushalte erzeugen.

Von: dh mit dpa
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