Kölner Flughafenchef Garvens nach angeblichen Unregelmäßigkeiten beurlaubt

13.11.2017 - 10:00 0 Kommentare

Der Aufsichtsrat des Flughafens Köln/Bonn erhebt schwere Vorwürfe gegen Airport-Chef Garvens. Nach einer Sondersitzung ist der Manager nun zunächst beurlaubt.

Michael Garvens, Geschäftsführer des Flughafens Köln/Bonn. - © © BTW - Svea Pietschmann

Michael Garvens, Geschäftsführer des Flughafens Köln/Bonn. © BTW /Svea Pietschmann

Der Aufsichtsrat des Flughafens Köln/Bonn hat Flughafenchef Michael Garvens angesichts einer laufenden Untersuchung zu möglichen Unregelmäßigkeiten beurlaubt. Das teilte der Aufsichtsrat des zweitgrößten Airports in Nordrhein-Westfalen am Freitagabend nach einer Sondersitzung mit. Garvens musste sich am Freitag vor dem Gremium zu Verwürfen über angeblich nicht sauber abgerechneten Geschäften erklären.

Dem Manager wird unter anderem vorgeworfen, nach seinem Amtsantritt gleich mehrere leitende Mitarbeiter freigestellt zu haben, wobei es nicht um die Freistellungen an sich geht sondern um die Anzahl sowie der Fakt, dass die Mitarbeiter zum Teil noch bis zu elf Jahre lang ihr Gehalt bezogen haben sollen.

Auch soll ein Frachtunternehmen ohne eine Gegenleistung zu erbringen, Geld erhalten haben. Angeblich beläuft sich der Schaden für den Airport auf mehr als eine Million Euro, berichtet der "Kölner Stadt-Anzeiger".

Die Beurlaubung des Airportchefs gilt ab sofort bis zum 15. Dezember, dem Tag der nächsten Aufsichtsratssitzung. "Die Prüfungen sind hinsichtlich der aufgeworfenen Verdachtsmomente noch nicht abgeschlossen", erklärte der Aufsichtsratschef Kurt Bodewig. Die Untersuchungen würden fortgesetzt. Außerdem werde die Geschäftsführung bis Ende kommender Woche schriftlich angehört.

Garvens hatte vorab in einem Brief an den Aufsichtsrat erklärt, er habe seine Pflichten nie verletzt. Den "nicht begründeten Verdacht" weise er zurück und habe dazu eine "Vielzahl an Unterlagen zur Verfügung gestellt". Die Hinweise auf mögliche Verfehlungen der Geschäftsführung sollen dem Vernehmen nach aus dem Unternehmen gekommen sein.

Politischer Hintergrund vermutet

Ein Insider vermutet hinter den nun aufgetauchten Vorwürfen einen politischen Hintergrund. Nach den Landtagswahlen im Frühjahr und dem Regierungswechsel von einer Koalition aus SPD und Grünen auf CDU und FDP steht nun auch eine personelle Umbesetzung des Aufsichtsrats an.

So soll der ehemalige Finanzminister Friedrich Merz (CDU) an die Spitze des Gremiums rücken und den jetzigen Vorsitzenden, Kurt Bodewig (SPD), ersetzen. Dieser Wechsel soll im Januar stattfinden. Da Bodewig in der heutigen Sitzung und in der turnusmäßig stattfindenden im Dezember allerdings mit der Aufklärung der Vorwürfe beschäftigt ist und diese auch im kommenden Jahr weiter begleiten soll, pocht die NRW-SPD dem Vernehmen nach auf eine Verschiebung der schwarz-gelben-Machtübernahme.

Michael Garvens leitet seit 2002 den Flughafen Köln/Bonn. Sein Vertrag läuft bis 2022. Darüber hinaus ist er seit kurzem Präsident des Flughafenverbands ADV.

© Köln Bonn Airport, Lesen Sie auch: "Wer wachsen will, kann auf Low-Cost nicht verzichten" Flughafenchef Garvens im Interview

Von: cs, dh
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