Bürgerentscheid

Flughafen Tempelhof soll Denkmal bleiben

08.06.2009 - 17:13 0 Kommentare

Der Bürgerentscheid im Berliner Bezirk Tempelhof-Schöneberg zum Erhalt des innerstädtischen Flughafens Tempelhof als Denkmal ist erfolgreich verlaufen. Der Denkmalschutz soll auf alle ehemaligen Betriebsflächen erweitert werden. Rechtlich bindend ist der Entscheid nicht.

Beim Bürgerentscheid wurden rund 90 000 Stimmen abgegeben; etwa 60 000 davon votierten für das Anliegen, erläuterte Abstimmungsleiter Torsten Zickert im Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg. Erforderlich waren 38 000 Stimmen und deren Mehrheit für das Anliegen des Bürgerentscheids.

Die Initiatoren des Volksentscheides forderten den Senat auf, den Entwidmungsbeschluss für den Airport, der rechtlich immer noch nicht umgesetzt sei, unverzüglich zu widerrufen. Im April 2008 war ein Volksentscheid zur Offenhaltung des Flughafens gescheitert. Für den Flugverkehr war der Airport im Oktober 2008 geschlossen worden. Nach dem Willen des Senats sollen Flughafen und das umliegende Areal zu einem Standort für Wohnen, Gewerbe, Kultur und Wissenschaft entwickelt werden.

Ausweitung des Denkmalschutzes gefordert

Parallel zur Europawahl waren am Sonntag 250.000 Berliner zum Bürgerentscheid «Das Denkmal Flughafen Tempelhof erhalten - als Weltkulturerbe schützen» aufgerufen. Ziel der Initiatoren vom Aktionsbündnis be-4-tempelhof ist es, den Airport als ein «Denkmal von nationalem und internationalem Rang» dauerhaft zu erhalten und zu schützen.

Der bestehende Denkmalschutz für Gebäude und Vorfeld soll nach dem Willen der Bürgerentscheid-Initiatoren auf Freiflächen, Roll- und Startbahnen mit Schutzstreifen sowie Betriebsflächen ausgedehnt werden. Der Bezirk soll sich zudem bei Senat und Bundesregierung für eine künftig schwerpunktmäßige Nutzung Tempelhofs als Regierungs-,Rettungs- und Ausweichflughafen einsetzen. Langfristig wollen die Initiatoren nach eigenen Angaben eine Aufnahme der Gesamtanlage in die UNESCO-Welterbeliste erreichen.

Nur empfehlender Charakter

Das Bündnis erwartet einem Sprecher zufolge, dass ab sofort keine Entscheidungen mehr getroffen werden, die in Tempelhof vollendete Tatsachen schaffen. Zudem sieht das Bündnis im Ausgang des Bürgerentscheids eine gute Basis für ein neues Volksbegehren für den Erhalt des Flughafens Tempelhof.

Ein Bürgerentscheid ist erfolgreich, wenn sich mindestens 15 Prozent der Wahlberechtigten an der Abstimmung beteiligen und die Vorlage mit der Mehrheit der gültigen Stimmen angenommen wurde. Rechtlich bindend ist der Ausgang nicht, vielmehr handelt es sich um eine Empfehlung an das Bezirksamt.

Der Flughafen Tempelhof ging 1923 als weltweit erster Verkehrsflughafen in Betrieb. Der fast 1,3 Kilometer lange Hallenzug wurde 1934 während der NS-Diktatur vom Architekten Ernst Sagebiel entworfen. Er galt damals als das flächenmäßig größte Gebäude der Welt.

Von: ddp
Nachrichten-Newsletter

Keine Nachricht verpassen mit unserem täglichen Newsletter.

Anzeige schalten »

Themen

Es gelten die Forenregeln und Nutzungsbedingungen » mit Unterstützung durch Disqus