Flughafen Stuttgart plädiert für weitere Luftverkehrs-Liberalisierungen

28.03.2019 - 07:02 0 Kommentare

Im Wegfall der Frequenzdeckelung für Airlines aus Katar sieht der Flughafen Stuttgart neue Chancen für eine Drehkreuz-Anbindung am Persischen Golf. Flughafenchef Walter Schoefer plädiert zudem für weitere Liberalisierungen.

Walter Schoefer, Geschäftsführer der Flughafen Stuttgart GmbH. - © © dpa - Sebastian Gollnow

Walter Schoefer, Geschäftsführer der Flughafen Stuttgart GmbH. © dpa /Sebastian Gollnow

Der Flughafen Stuttgart hofft im Zuge des neuen EU-Abkommens über eine Liberalisierung der Verkehrsrechte mit Katar auf neue Flugverbindungen. Das sagte Flughafenchef Walter Schoefer im Gespräch mit airliners.de. Für den Flughafen ergebe sich jetzt die Chance für einen Neustart für eine Golf-Verbindung "mit einem wirklich marktgängigen Produkt unter wirklich guten Bedingungen."

Stuttgart bemüht sich schon seit vielen Jahren um eine regelmäßige Anbindung an ein Drehkreuz in den Golfstaaten. Zuletzt hatte Air Berlin einen Airbus A320 von Stuttgart nach Abu Dhabi geschickt, die Flüge aber Mitte 2016 wieder eingestellt. Zuvor kam Qatar Airways für einige Zeit via Zürich mit einem Airbus A319 aus Doha - allerdings nur drei Mal pro Woche.

"Wir begrüßen es ausdrücklich, dass nun ein respektabler Schritt in Richtung der Liberalisierung der Verkehrsrechte gegangen worden ist", sagte Schoefer. Die Qatar-Airways-Route sei damals vor allem auch an der Frequenz gescheitert. Nun gebe es durch das neue EU-Abkommen die Möglichkeit für einen Neustart.

Das neue EU-Abkommen löst das Luftverkehrsabkommen mit Deutschland ab, wonach Qatar Airways wöchentlich nur maximal 35 Flüge zu hiesigen Airports anbieten durfte. Demnächst sind die Frequenzen nun nicht mehr gedeckelt. Das stimmt Schoefer optimistisch. Der Flughafen stehe bereits im Kontakt mit Qatar Airways und spreche über die neuen Möglichkeiten, so der Flughafenchef.

Die EU hatte das europaweite Luftverkehrsabkommen mit Katar Anfang März im Rahmen der EU-Luftfahrtstrategie von EU-Verkehrskommissarin Violeta Bulc geschlossen. Neben der liberalisierten Verkehrsrechte enthält es auch Klauseln zu Sozialstandards und fairem Wettbewerb.

EU-Luftfahrtstrategie

Die EU-Kommission hat Ende 2015 ihre Luftfahrtstrategie verabschiedet. Ziel ist es unter anderem, für möglichst viele Staaten umfassende Luftverkehrsabkommen abzuschließen. Bei erfolgreichem Abschluss der derzeit laufenden Verhandlungen wären nach ihren Angaben mit den bislang geschlossenen Abkommen über 75 Prozent der Passagiere im Verkehr in die und aus der EU abgedeckt. Das Mandat der EU läuft im Sommer 2019 aus.

Für die Ausarbeitung der Details ist ein Übergangszeitraum von fünf Jahren vorgesehen, in dem die bislang noch reglementierenden EU-Luftverkehrsmärkte für Fluggesellschaften aus Katar geöffnet werden sollen. Neben Deutschland betrifft das auch Belgien, Frankreich, Italien und die Niederlande.

Parallel zu Katar verhandelt die EU unter anderem auch mit den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) über ein EU-weites Abkommen, das die bisher bestehenden bilateralen Abkommen ersetzen soll. Nach Informationen von "Spiegel Online" haben die VAE jedoch Mitte Januar brüskiert die Verhandlungen verlassen. Der Entwurf der EU liege so weit von den Vorstellungen der Emirate entfernt, dass weitere Gespräche sinnlos seien.

Stuttgart sieht Potentiale in China und Indien

"Wir haben auch Signale von Emirates, dass wenn sie dürften, sofort nach Stuttgart fliegen würden", bekräftigte Schoefer vor dem Hintergrund, dass VAE-Airlines aktuell in Deutschland nur vier Flughäfen ansteuern dürfen. Baden-Württemberg sei ein Industrieland mit vielen großen sowie mittelständischen Unternehmen. Die hätten fast alle Ableger oder Kooperationen weltweit, beispielsweise auch in China.

Daher plädiert der Flughafen auch für eine weitere Liberalisierung mit anderen Ländern. "Viel Potential gibt es für Stuttgart nicht nur am Persischen Golf, ich denke da vor allem auch an China und mittelfristig an Indien", so Schoefer. Mit China habe man sogar bereits Gespräche geführt, so der Flughafenchef. Allerdings sind auch chinesische Airlines aktuell in Deutschland auf Frequenzen gedeckelt.

In Hinblick auf die Kritik der Lufthansa auf die neuen Liberalisierungsvorstöße der EU sagt Schoefer: "Ich glaube nicht, dass wir in Stuttgart eine Aktion starten würden, die sich gegen irgendjemanden richtet." Es gebe aber in Stuttgart zusätzliche Potentiale, die man mit passenden Produkten aktivieren könne.

Bei Air Berlin wurde auf der Strecke nach Abu Dhabi immer wieder der Komfort bei den Sitzen in der Business-Class kritisiert.

Walter Schoefer, Geschäftsführer Flughafen Stuttgart GmbH

Dabei müsse auch das Fluggerät zum Angebot passen, so Schoefer. Gerade der Geschäftskunde erwarte eben auch, dass auf Strecken an den Persischen Golf, die immerhin rund sieben Stunden dauern, auch ein Langstrecken-Komfort geboten werde. "Der typische Business-Langstreckenkunde muss relaxt und ausgeschlafen ankommen." Anders als in Stuttgart zuvor geschehen könne man diese Erwartungshaltung nicht mit Zwischenlandungen und nur acht Business-Class-Sitzen in einer Mittelstreckenmaschine abbilden.

Von: dh
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