Parkhäuser sind Gewinntreiber für Flughäfen

29.01.2016 - 08:49 0 Kommentare

Parken an Flughäfen ist ein hochattraktives Geschäft. Entsprechend umkämpft ist der Markt. Onlinereservierungen und dynamische Preise sollen Kunden binden und die Erlöse für die Flughäfen optimieren.

Ein Flugzeug landet am Flughafen Hamburg, im Vordergrund: Das Parkhaus P2.

Ein Flugzeug landet am Flughafen Hamburg, im Vordergrund: Das Parkhaus P2.
Flughafen Hamburg - © Michael Penner

Parkhäuser am Flughafen Köln-Bonn

Parkhäuser am Flughafen Köln-Bonn
© Flughafen Köln-Bonn

Trockenen Fußes vom Terminal ins Parkhaus - der Skywalk am Flughafen Dresden.

Trockenen Fußes vom Terminal ins Parkhaus - der Skywalk am Flughafen Dresden.
© Flughafen Dresden

Autos stehen am Flughafen Hamburg im Parkhaus.

Autos stehen am Flughafen Hamburg im Parkhaus.
Flughafen Hamburg - © Michael Penner

Ebenerdig integriert in das Parkhaus P14 wird der neue Fernbusbahnhof, das Stuttgart Airport Busterminal (SAB), das ab Frühjahr 2016 von Fernbussen und Linienbussen des öffentlichen Nahverkehrs angesteuert wird.

Ebenerdig integriert in das Parkhaus P14 wird der neue Fernbusbahnhof, das Stuttgart Airport Busterminal (SAB), das ab Frühjahr 2016 von Fernbussen und Linienbussen des öffentlichen Nahverkehrs angesteuert wird.
© Flughafen Stuttgart

Wer seinen Parkplatz am Flughafen Köln/Bonn online vorbestellt, kann sich seit kurzem über Frühbucherrabatte und eine Niedrigpreisgarantie freuen. Dabei setzt der Flughafen auch auf ein Pricing-Management für Parkplätze, das auf Basis der aktuellen und vorhergesagten Parkplatzsituation arbeitet.

Um den gesamten Prozess rund um das Parken am Flughafen aus Kundensicht zu optimieren, hat der Flughafen in Technik wie Apps und IT-Systeme investiert, sagt Pressesprecher Walter Römer auf airliners.de-Anfrage: "Aktuell sind wir dabei, die Buchungssysteme in unseren Parkhäusern für die neuen Online-Buchungsmöglichkeiten auch über Smartphones fit zu machen."

Die Investitionen in die Parkhaus-Systeminfrastruktur macht aus Flughafensicht durchaus Sinn. Das Vermieten von Parkplätzen kann nämlich gerade für Airports ein finanziell extrem lohnenswerter Geschäftsbereich sein. Laut Bernhard Persch, der beim Flughafenverband ADV unter anderem für das Non-Aviation-Geschäft zuständig ist, kommen rund 20 Prozent der Umsatzerlöse in diesem Bereich vom Parken.

Dabei wirft die Parkraumbewirtschaftung überproportional hohe Gewinnmargen ab. Kein Wunder also, dass zumindest in Deutschland die meisten Flughäfen ihre Parkhäuser selbst betreiben. Ausnahmen sind Berlin und Stuttgart, wo es Kooperationsmodelle mit Q-Park und Apcoa gibt.

Private Park-Konkurrenz treibt die Flughäfen

Für die Flughäfen sind besonders die Vielparker aus dem Businessbereich interessante Kunden. Für diese Klientel hat beispielsweise der Flughafen Hamburg ein ganzes Bündel spezieller Angebote bis hin zu einer Park-Flatrate eingeführt. Noch innovativer parkt es sich in Düsseldorf: Passagiere ohne viel Zeit können hier ihr Auto einfach einem Parkroboter überlassen. "Ray" übernimmt das Einparken und holt das Auto pünktlich nach der Landung des Besitzers wieder aus dem Parkhaus.

© serva transport systems GmbH, Lesen Sie auch: Menschenleeres Parkhaus: Flughafen stellt Roboter "Ray" vor

Hintergrund der Bemühungen von Flughäfen, das Parken in den eigenen Parkhäusern attraktiv zu gestalten, ist aber nicht zuletzt die starke private Konkurrenz. An vielen Flughäfen haben sich diverse Parkanbieter angesiedelt. Vor allem Urlauber nutzen die preislich oft attraktiven Parkmöglichkeiten im weiteren Flughafenumfeld und nehmen dafür Wartezeiten für einen Terminal-Busshuttle in Kauf.

Die zum Teil zweifelhafte Qualität der Umlandparkplätze fällt dabei nicht selten auf die Flughäfen zurück, so dass sich die großen Flughäfen mit einem von der ADV betriebenen Gemeinschaftsprojekt „Parken-im-Flughafen.de“ engagieren. Bislang leitet die Webseite Parkplatzsuchende auf die Online-Buchungssysteme der teilnehmenden Flughäfen weiter. Die Angebote sollen aber in Zukunft weiter ausgebaut werden.

Der Flughafen Düsseldorf hat derweil mit einem eigenen Günstigangebot auf die freien Parkplatzbetreiber im Umland reagiert. Allerdings bietet auch das zusammen mit der Sita betriebene „Parkvogel“-Angebot noch nicht die neuesten technischen Möglichkeiten, die derzeit an Flughäfen und in der gesamten Parkhausbranche heiß diskutiert werden. Die Rede ist von „Dynamic Pricing“ für Parkplatzangebote.

Preismanagement und Upselling soll Erträge maximieren

Bei den neuen, dynamischen Preismodellen geht es vereinfacht ausgedrückt darum, den Ticketpreis für die verfügbaren Parkplätze zu jeder Zeit an die Nachfrage zu koppeln. Ähnlich wie schon heute beim „Yield Management“ etwa bei der Flugtarifgestaltung soll der Ertrag maximiert werden: An tendenziell stark nachgefragten Tagen oder Uhrzeiten können die Preise steigen. Zu Nebenzeiten und in der Nachsaison sollen die Parkplätze zu günstigeren Preisen ausgelastet werden.

Dabei verbessert das Thema Parkplatz-Onlinebuchung auch die Karten der Flughäfen im ewigen Streit mit den Fluggesellschaften und die alte Frage „Wem gehört der Kunde?“. Es ist vielleicht nicht jedem Passagier bewusst, aber anders als die Fluggesellschaften wissen Flughäfen nicht, wer genau welchen Flug gebucht hat – und die E-Mail-Adressen und Kreditkarteninfos haben die Flughäfen schon gar nicht.

Mit einer Parkplatz-Onlinebuchung vom Passagier haben Flughäfen daher erstmals die realistische Chance, Zusatzangebote wie etwa einen Lounge-Zugang oder eine Fast-Lane an der Security selbst anzubieten. Sie müssen diese attraktiven Zusatzeinnahmen nicht mehr mit den Fluggesellschaften oder anderen Brokern über Provisionsmodelle teilen.

Dabei ist der Flughafen Köln/Bonn schon sehr weit. Nach eigenen Angaben verkauft er aktuell bereits rund 20 Prozent der Parkplätze im Onlinevertrieb - Tendenz steigend. Ziel seien sogar 80 Prozent, sagt Flughafensprecher Römer: "Dann lohnt es sich, weitere Upselling-Angebote an Parkplatzkunden zu implementieren." Schon heute erhalten Kunden in Abhängigkeit der Parkhauskapazitäten Upgradeangebote für terminalnahe Parkflächen.

Die Möglichkeiten für Upgrade-Optionen scheinen in der Tat vielversprechend. Ohnehin sind der Fantasie bei der dynamischen Preisgestaltung kaum Grenzen gesetzt: So könnte etwa der Preis für das Upselling von einem Außenparkplatz in ein Parkhaus bei Regenwetter höher ausfallen als bei Sonnenschein.

Dabei scheint der Weg noch lang. In Frankfurt etwa hat man das Onlinebuchen nun zumindest erstmal soweit optimiert, dass der Vorgang rein elektronisch läuft. Es ist kaum zu glauben aber wahr: Bis vor kurzem verschickte der größte Flughafen in Deutschland seine online gebuchten Parkhaus-Tickets noch per Post.

Von: dh
Interessant? Beitrag weiterempfehlen:

Nachrichten-Newsletter

Keine Nachricht verpassen mit unserem täglichen Nachrichtennewsletter.

Anzeige schalten »
Mehr Nachrichten »
Anzeige schalten

Mehr Stellenangebote » Mehr Luftfahrt-Trainings »
Anzeige schalten »