Flughafen Lübeck will weg vom Günstig-Image

28.12.2017 - 08:18 0 Kommentare

Der Airport Lübeck will angreifen: Derzeit fertigt der Flughafen nur Privatmaschinen ab, doch das soll sich mittelfristig ändern. Airport-Chef Friedel skizziert die Pläne.

Jürgen Friedel: "Die Zeiten von Billig-Airlines sind vorbei". Foto: © dpa, Markus Scholz

Rund 18 Monate nach der Übernahme des Lübecker Flughafens durch den Unternehmer Winfried Stöcker gibt es erste Anzeichen für einen Aufschwung. Der Flughafen will weg vom Günstig-Image und seine Position als Standort für Geschäftsflieger weiter ausbauen. Schon jetzt seien dort rund 70 Privatflugzeuge stationiert, es gebe eine Warteliste für freiwerdende Stellplätze, sagt der Geschäftsführer des Airports, Jürgen Friedel.

Auch in den Rechtsstreit um den Ausbaubeschluss für den Flughafen kommt Bewegung. Die Nachbargemeinde Groß Grönau hat ihre Bereitschaft zu einer gütlichen Einigung signalisiert. Damit wäre zumindest eine der vier Klagen gegen den Planfeststellungsbeschluss vom Tisch.

Flughafenchef setzt auf Einigung mit Groß Grönau

Groß Grönau, die "Schutzgemeinschaft gegen den Fluglärm Lübeck und Umgebung" sowie zwei Bürger haben 2009 beim Oberverwaltungsgericht (OVG) in Schleswig gegen die Ausbaugenehmigung geklagt. Eine Hauptverhandlung in der Sache hat es bislang nicht gegeben.

Der neue Eigentümer des Flughafens bringt Groß Grönau in eine Zwickmühle. Denn Stöckers Unternehmen Euroimmun, einer der Weltmarktführer im Bereich medizinischer Labordiagnostika, hat eine große Niederlassung in Groß Grönau und ist ein wichtiger Arbeitgeber für die Gemeinde.

Einerseits ist uns die Ortsentwicklung und der Schutz vor Fluglärm wichtig, andererseits hängen von Euroimmun viele Existenzen von Beschäftigten und Zulieferern ab.

Groß Grönaus Bürgermeister Eckhard Graf (SPD)

Deshalb habe die Gemeindevertretung Ende November für ein gerichtliches Mediationsverfahren am OVG gestimmt. "Ob wir die Klage zurückziehen, hängt vom Inhalt des Vergleichs ab", betont Graf.

"Eine Einigung mit Groß Grönau wäre natürlich gut", sagt Flughafengeschäftsführer Friedel. Ein gültiger Planfeststellungsbeschluss ist Voraussetzung für den Bau eines neuen Terminalgebäudes. Erste Pläne dafür hatte Stöcker anlässlich des 100. Flughafengeburtstags im September vorgestellt.

"Die Zeiten von Billig-Airlines sind vorbei"

"Wir wollen eine gute, qualitativ hochwertige Logistik entwickeln. Die Zeiten von Billig-Airlines sind endgültig vorbei", sagt Friedel. Aktuell werde geprüft, ob das bereits im bestehenden Abfertigungsgebäude oder erst im neuen Terminal umsetzbar sei.

Friedel bekräftigte, dass es in Zukunft auch wieder Linienverbindungen von Lübeck aus geben soll. "Ohne Linienverkehr wird der Flughafen nicht funktionieren, am Ende wird der Linienverkehr etwa zwei Drittel des Umsatzes ausmachen müssen", sagte er.

Um ein weiteres mögliches Geschäftsfeld kümmert sich seit dem Sommer die frühere Lübecker Wissenschaftsmanagerin Iris Klaßen. Sie entwickelt derzeit zusammen mit Stöcker ein Konzept für einen "Gesundheitsflughafen Lübeck". Dahinter steht die Idee, Patienten für spezielle Diagnosen oder Behandlungen nach Lübeck zu holen und auch Forscher weltweit zu vernetzen.

"Der Trend im Gesundheitswesen geht europaweit dahin, nicht mehr die naheliegende, sondern die beste Medizin zu nutzen. An der Lübecker Uniklinik gibt es eine Reihe anerkannter Spezialisten, die auch international einen guten Ruf genießen. Ich sehe da durchaus Chancen für Lübeck und wir könnten die Transportlogistik bieten", sagte Klaßen.

Von: Eva-Maria Mester, dpacs
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