Flughafen Hamburg ist mit Vorfelderneuerung und Satellit bald fertig

28.06.2019 - 15:07 0 Kommentare

Derzeit werden die letzten Bereiche des Vorfeldes am Hamburg Airport saniert. Im kommenden Jahr soll auch der Bau der neuen Shuttle Gates vollendet sein. Sie sollen genutzt werden, bis Pier Süd ausgebaut ist. Doch um die Pläne gibt es Diskussionen.

Entwurf für die Shuttle-Gates am Flughafen Hamburg. - © © Flughafen Hamburg/Formfest -

Entwurf für die Shuttle-Gates am Flughafen Hamburg. © Flughafen Hamburg/Formfest

Die Vorfelderneuerung am Hamburger Flughafen geht im Sommer in ihre finale Phase. Bis Ende Juli sollen die Bauarbeiten in den Abschnitten sechs und sieben noch dauern. Auf dem rund 32.000 Quadratmeter großen Baufeld werden derzeit die Leitungen, technische Einrichtungen sowie die Oberfläche erneuert.

Laut dem Airport-Betreiber Flughafen Hamburg GmbH sollen direkt im Anschluss die Arbeiten am letzten Bauabschnitt (8) auf dem Vorfeld 1 beginnen und bis Ende 2020 abgeschlossen sein. Die terminalnahen Teile des Vorfeldes sowie die wichtigsten Rollbahnen sind bereits fertig gestellt.

Die 2016 begonnene Sanierung der rund 330.000 Quadratmeter großen Fläche wurde notwendig, da die 40 bis 60 Jahre alten Betonflächen das Ende ihrer Nutzungsdauer erreicht hätten, so die Verantwortlichen. In den vergangenen fünf Jahrzehnten seien über sechs Millionen Flugzeuge über die Flächen gerollt.

Auch sollen Rollgeräusche der Flugzeuge auf dem Vorfeld durch die neue Beschichtung reduziert werden. So bestehen die Rollbahnen zwischen den Abstellpositionen jetzt aus Asphalt, was auch eine einfachere Wartung als bei dem bisher verwendetetn Beton ermöglicht. Der Flughafen rechnet für die tieferliegenden Schichten mit einer Lebensdauer von 60 Jahren, während die Oberflächen für die nächsten 25 Jahre halten sollen.


Die unterschiedlichen Schichten des runderneuerten Vorfeldes am Hamburger Flughafen. Foto: © Hamburg Airport

Während der ersten fünf Bauphasen hat der Flughafen seine 15 Fluggastbrücken, durch die die Passagiere direkt vom Terminal ins Flugzeug gelangen, komplett saniert und auf den neusten technischen Stand aufgerüstet. Seit Sommer 2018 stehen alle mobilen "Finger" wieder für den Flugbetrieb zur Verfügung. Darüber hinaus ordnet der Hamburger Flughafen im Zuge der Vorfeld-Erneuerung die Linienführung und Beschriftung – das sogenannte Vorfeld-Layout – neu und passt es an die aktuellen EASA- und ICAO-Standards an, inklusive Rollgassen und Abstellpositionen.

© Hamburg Airport, Lesen Sie auch: So baut der Flughafen Hamburg um

Eine weitere Neuerung soll das neue Befeuerungssystem "Follow the Greens" werden. Dabei weisen in den Boden eingelassene grüne Lichtreihen den Piloten den Weg zum Start oder der richtigen Parkposition. Mit "Follow the Greens" installiere der Flughafen ein intelligentes Leitsystem, das individuell gesteuert werde, erkärte ein Projektleiter die Vorzüge der neuen Anlage. Von kürzeren Roll- und Standzeiten würden sowohl die Passagiere als auch die Umwelt durch niedrigeren Treibstoffverbrauch am Boden profitieren. In unten stehendem Video wird das System am Beispiel des Frankfurter Flughafens erklärt.

Die Vorfelderneuerung ist jedoch nur ein Teil der Baumaßnahmen, die den Flughafen fit für die Zukunft machen sollen. Bis 2020 sollen 14 sogenannte Shuttle-Gates auf Vorfeld 2 entstehen, das durch die Startbahn 33 vom Hauptvorfeld getrennt ist. Mit diesen sollen nach Auskunft des Flughafens vorübergehend Gates kompensiert werden, die aufgrund von anderen Baumaßnahmen zeitweise nicht genutzt werden könnten. Die Shuttle Gates seien ein Interimsbau mit 14 sogenannten "Wiwo"-Gates (Walk in walk out) mit Pre-Boading-Zonen, an denen die Fluggäste zu Fuß ins Flugzeug gelangen. Sie werden über Busse mit den Terminals verbunden.

Wenn die Shuttle-Gates stehen, soll der Ausbau der Rückseite von Pier Süd abgeschlossen werden. Dort befinde sich der Rückbau des alten Frachthofs laut den Betreibern in den letzten Zügen und sei in Kürze abgeschlossen. Auf der frei gewordenen Fläche sollen fünf neue Flugzeugpositionen mit entsprechenden Fluggastbrücken entstehen. Der Umbau der Pier-Süd-Rückseite befinde sich derzeit in der Planungsphase. Deshalb können zum jetzigen Zeitpunkt noch keine Auskünfte über die Gestaltung und den Zeitplan gegeben werden.

Diskussionen um Sinnhaftigkeit eines schnellen Ausbaus

Im vergangenen Jahr gab es in der Stadt Diskussionen, ob die mit 500 Millionen Euro Kosten veranschlagten Ausbaupläne nicht zu weit gehen. So zitierte das Hamburger Abendblatt Condor-Chef Ralf Teckentrup mit der Aussage, dass die Fluggesellschaften in den kommenden Jahren keinen Bedarf für den Bau der Pier Süd sähen. Sie befürchten höhe Flughafenentgelte und höhere Ticketpreise, um den Ausbau der Infrastruktur zu refinanzieren.

Die geplante Rückseite von Pier Süd im Computermodell. Foto: © Hamburg Airport

Mit den neuen Flugsteigen würde die Kapazität des Flughafens laut Abendblatt auf 27 Millionen Passagiere steigen. Der Flughafen selbst, der derzeit circa 17 Millionen Passagiere im Jahr genutzt wird, gehe von einem durchschnittlichen Passagierwachstum von 2,25 Prozent per annum aus. Damit würden erst 2035 mehr als 25 Millionen Passagiere erreicht werden. Nach Ansicht von Kritikern mache es keinen Sinn, die dafür nötige Infrastruktur schon jetzt zu bauen.

Eine entscheidende Frage für die Abschätzung künftiger Kapazitäten des Flughafens mit dem Namenszusatz "Helmut Schmidt" ist die tatsächliche Nutzungsdauer des als Interimsgebäude geplanten Shuttle-Satelliten auf dem kleineren der beiden Vorfelder. Auf eine kleine Anfrage antwortete der Senat der Hansestadt 2018, dass das Gebäude maximal für 15 Jahre genutzt werden solle. Es werde nur so lange benötigt, wie die Bauarbeiten für den Ausbau des Pier Süd dauern. Dieser sollte laut ursprünglicher Planung aber bereits in der ersten Hälfte der 2020er abgeschlossen werden.

Von: dk
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