Flughafen Hahn zwischen Entlassungen und Hoffnungen

08.07.2015 - 11:35 0 Kommentare

"Die Hütte brennt" und "Wir sind sexy": Am hochdefizitären Flughafen Hahn schwankt die Stimmung stark. Hinzu kommt: Nicht alle Beteiligten ziehen an einem Strang.

Schriftzug am Flughafen Hahn - © © dpa - Thomas Frey

Schriftzug am Flughafen Hahn © dpa /Thomas Frey

Sinkflug in die roten Zahlen: 2014 lag das Minus des Flughafens Frankfurt-Hahn inklusive Sonderabschreibungen bei 45,2 Millionen Euro, wie Airport-Chef Markus Bunk mitteilt. Aufsichtsratschef Salvatore Barbaro (SPD) gesteht: "Die Hütte brennt ja immer noch."

Immerhin meldet Bunk für das erste Halbjahr 2015 im Passagiergeschäft eine Zunahme um zehn Prozent auf 1,22 Millionen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Doch das Frachtgeschäft bricht nach dem Weggang des chinesischen Großkunden Yangtze River Express im selben Zeitraum um 36 Prozent auf 39.200 Tonnen ein.

Verlust des Großkunden macht sich bemerkbar

Beim Frachtabfertiger VG Cargo sind die Folgen zu besichtigen: Abgesehen von Randbereichen ist seine hochmoderne Riesenhalle gähnend leer. 17 bis 20 Millionen Euro hat das Unternehmen nach eigenen Angaben in den Bau gesteckt - und nur acht Monate später 50 von 140 Mitarbeitern entlassen. "Zehn Flieger pro Woche fertigen wir jetzt ab - früher waren es bis zu 25", sagt Verwaltungsleiter Viktor Jakobi.

VG-Cargo-Sprecher Michael Taweel nennt den Verlust des Großkunden Yangtze River Express dramatisch: "Das hat uns bis ins Herz getroffen." Das globale Frachtgeschäft sei hart: "Da wird teilweise um einen Viertelcent gekämpft."

Passagiere und Fracht am Flughafen Hahn
Passagiere in Millionen Fracht in Tonnen
Jahr 2005 3079528 107305
Jahr 2006 3705088 123165
Jahr 2007 4015155 125049
Jahr 2008 3940585 179375
Jahr 2009 3793958 174664
Jahr 2010 3493629 228547
Jahr 2011 2894363 286416
Jahr 2012 2791185 207520
Jahr 2013 2667529 152503
Jahr 2014 2447258 132638

Quelle: Flughafen Hahn

Flughafenchef Bunk schildert das Klinkenputzen bei Fracht-Airlines: "Wir sind mit allen im Gespräch, die infrage kommen." Nach folgenlosen Terminen stehe man ein Jahr später wieder auf der Matte: "Das ist so im Vertrieb: 90 Prozent ist erfolglos." Bei einem Markt ohne Wachstum laufe alles auf einen Verteilungskampf hinaus.

Die Stimmung am Hahn, sie schwankt zwischen Verzweiflung und Zweckoptimismus. Das Unternehmen Haitec wartet hier Flugzeuge und baut sie um, auch Maschinen, die sonst mit dem Airport nichts zu tun haben. Weltweit ist Haitec nach eigener Auskunft das erste Unternehmen, das A320-Passagiermaschinen zu Frachtflugzeugen umrüstet, derzeit mindestens zwölf pro Jahr. Der Konzern will einen neuen Hangar errichten und die Mitarbeiterzahl aufstocken.

Haitec hofft nach Aussage seiner Geschäftsführung auch, 2018 bei der neuen Ausschreibung zur Wartung des militärischen Transportflugzeugs Airbus A400M zum Zuge zu kommen. Derzeit geschieht das in Sevilla. Mit dem Bundesverteidigungsministerium gebe es bereits Kontakte.

Haitec kritisiert Flughafen-Geschäftsführung

Weit weg vom Hahn, in Erfurt, wartet Haitec zudem VIP- und Business-Jets. Thüringen habe dafür eine Landesförderung lockergemacht. Hätte das Rheinland-Pfalz gemacht, würde Haitec auch dieses Geschäft im Hunsrück betreiben, heißt es in der Chefetage. Sie kritisiert auch die Hahn-Geschäftsführung: Es fehle ein Gesamtkonzept, Gesprächsangebote von Haitec seien versandet.

Flughafen-Chef Bunk weist das zurück: "Noch nie habe ich einen Gesprächstermin abgelehnt." Haitec bekomme eben Druck von den eigenen Gesellschaftern. Bunk versichert: "Wir geben Vollgas." Und ergänzt mit Blick auf die seltene Nachtfluggenehmigung und die lange Startbahn auch für die großen Flugzeuge: "Wir sind sexy."

© dpa, Thomas Frey Lesen Sie auch: Beschäftigte des Flughafens Hahn sollen Verzicht üben

Bleibt die Frage des Verkaufs: Der ehemalige US-Fliegerhorst, der zu 82,5 Prozent Rheinland-Pfalz und zu 17,5 Prozent Hessen gehört, hofft auf einen Investor. Doch wer will den Verlustbringer erwerben? Aufsichtsratschef und Finanzstaatssekretär Barbaro gibt sich optimistisch: Abrissreife, alte Militärgebäude, aus denen schon Bäume wachsen, könnten wohl für eine siebenstellige Summe verkauft werden. Das lasse auf ein Interesse für den gesamten Flughafen schließen.

Von: ch, dpa
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