Flughafen Hahn: Absturz oder Start in eine bessere Zukunft

29.08.2013 - 15:39 0 Kommentare

Mit Zehntausenden Euro unterstützt der klamme Flughafen Hahn einen Handballverein. Das stößt einigen bitter auf. Derweil beschäftigt sich der Aufsichtsrat des Airports mit dem Sanierungskonzept.

Heinz Rethage, Geschäftsführer des Flughafens Frankfurt-Hahn - © dpa - Thomas Frey

Heinz Rethage, Geschäftsführer des Flughafens Frankfurt-Hahn dpa /Thomas Frey

Ein Sponsoringvertrag zwischen dem hoch verschuldeten Flughafen Hahn und einem Handballverein im Hunsrück sorgt für Wirbel. «Ich hätte mir das in der Höhe nicht vorstellen können», sagte der rheinland-pfälzische Innenminister Roger Lewentz (SPD) in einer Sitzung des Innenausschusses des Landtages am Donnerstag in Mainz. Ihm sei der Vertrag nicht bekanntgewesen. Von weiteren Kontrakten dieser Größenordnung wisse er nichts. Er wolle nun der Geschäftsführung die Gelegenheit geben, die Sache zu prüfen.

Der Krisen-Airport unterstützt trotz seiner Finanzsorgen die HSG Irmenach-Kleinich-Horbruch seit 2004 pro Jahr mit 43 500 Euro plus Mehrwertsteuer - insgesamt bislang mit rund einer halben Million Euro, wie der Verein am Donnerstag bestätigte. Der Bund der Steuerzahler Rheinland-Pfalz hatte sich zuvor empört gezeigt.

Pikantes Detail: Vorsitzender des HSG-Fördervereins ist der Vize-Fraktionschef der CDU im Landtag, Alexander Licht, einer der schärfsten Kritiker der rot-grünen Landesregierung mit Blick auf den Hahn. Licht habe zwar beim Zustandekommen der Verträge mitgewirkt, geschlossen worden seien diese aber mit dem Verein, betonte HSG-Geschäftsführer Bernd Kirst. Er sei Licht sehr dankbar. Wenn das Sponsoring angesichts des Hahn-Defizits überdacht werden würde, könne er das durchaus verstehen. «Aber da muss man auf uns zukommen.» Der Verein zählt rund 1000 Mitglieder.

Licht selbst gab im Innenausschuss eine Erklärung ab. Er betonte, seit vielen Jahren für mehrere Vereine aktiv zu sein. Dabei sei es immer auch seine Aufgabe gewesen, Sponsoren anzusprechen. Dass der Flughafen die HSG unterstütze, sei seit Jahren bekannt.

Das Geld fließe vor allem in die Jugendarbeit, der Airport leiste damit auch einen Beitrag zum Allgemeinwohl. Ob das Sponsoring fortgeführt werde, sei Sache der Flughafen-Geschäftsführung. Der SPD-Abgeordnete Carsten Pörksen sagte, es handele sich nicht um ein gewöhnliches Sponsoring, sondern angesichts der Höhe der Beträge um ein «außergewöhnliches Geschäft». Dies müsse ordentlich aufgearbeitet werden.

Aufsichtsrat berät über Sanierungskonzept

Parallel zum Innenausschuss saß am Donnerstag der Aufsichtsrat des Flughafens zusammen und beriet über das Sanierungskonzept von Geschäftsführer Heinz Rethage. Das Papier sieht einen Abbau von Jobs vor sowie höhere Einnahmen aus Parkgebühren, Gastronomie, Einzelhandel und Gebühren für Airlines. Mit diesen Maßnahmen will Rethage von 2017 an wieder ein ausgeglichenes Ergebnis erzielen. 28 von 378 Jobs sollen abgebaut werden. Betriebsbedingte Kündigungen hatte Lewentz bereits trotz eines langfristig geplanten Stellenabbaus ausgeschlossen.

Der Flughafen, der zu 82,5 Prozent Rheinland-Pfalz und zu 17,5 Prozent Hessen gehört, schreibt seit Jahren rote Zahlen und leidet unter rückläufigen Fracht- sowie Passagierzahlen. Aktuelle Zahlen der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Verkehrsflughäfen zeigen im Juli etwa im Frachtgeschäft einen Rückgang um rund 20 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum sowie um 5,6 Prozent bei den Passagieren. 2012 hatte der Hunsrück-Airport etwas besser abschließen als das Jahr zuvor. Das Minus belief sich trotzdem auf rund 5,7 Millionen Euro.

Die rot-grüne Koalition in Rheinland-Pfalz hatte im Frühjahr einen Nachtragshaushalt beschlossen und damit den Weg für 80 Millionen Euro bis Ende 2014 freigemacht, um den Flughafen zu retten. Zusätzliche 40 Millionen Euro sollen ihm durch Umwandlung von Krediten zugutekommen.

Innenminister Lewentz betonte in der Ausschusssitzung, das Geschäftsmodell müsse neu ausgerichtet werden - hin zu einem rentablen Betrieb. Das Rethage-Papier enthalte eine Reihe von Maßnahmen, um Kosten einzusparen. Er gehe davon aus, dass sich der Aufsichtsrat dem Weg nicht verschließen werde. Das Land sucht zudem einen Investor für den Airport. Laut der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG soll es Anfang 2014 zu einer Ausschreibung kommen, Ende des kommenden Jahres könnte dann einem Interessenten der Zuschlag erteilt werden.

Von: dpa, airliners.de
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