Die Born-Ansage (11) ( Gastautor werden )

Flughafen Düsseldorf: Tanzen, Kochen, kein Gepäck

09.07.2015 - 12:39 0 Kommentare

Karl Born hat sich diesmal mit dem Flughafen Düsseldorf beschäftigt. Unser Kolumnist findet: Der Airport taugt für Tanz- und Kochshows, allerdings nicht als Flughafen.

Klare Ansagen: Professor Karl Born kommentiert die aktuellsten Entwicklungen der Luftverkehrsbranche. - © © airliners.de, Karl Born -

Klare Ansagen: Professor Karl Born kommentiert die aktuellsten Entwicklungen der Luftverkehrsbranche. © airliners.de, Karl Born

Aktuelle Kurzbeschreibung vom Flughafen Düsseldorf: Unzuverlässige Sicherheitskontrollen, Koffer müssen teilweise Tage bis zum Abflug warten. Nur Pakete gehen schneller. Die kann jeder, der pfiffig ist, direkt in den Gepäckwagen einwerfen. Die Pressemitteilungen des Airports dazu taugen nur als Ausreden.

Über Düsseldorf als Abflughafen muss ich mich regelmäßig ärgern, aber als Event-Location ist Düsseldorf klasse. Kochshows, Tanzshows und anderes mehr - der Flughafen besticht, wie er selbst sagt, durch seine "einzigartige Event-Vielfalt". Das alles macht die (meisten) Besucher glücklich, wenn sie eben nicht gerade abfliegen müssen.

Huch! Es sind ja schon wieder Ferien

Da klagen Passagiere wiederholt über lange Wartezeiten an den Kontrollstellen des Flughafens, aber am ersten Ferien-Wochenende war es besonders heftig. Die mit den Kontrollen beauftragte Sicherheitsfirma Kötter (gerade Anfang des Jahres mit einem fetten Sechsjahresvertrag ausgestattet) fehlen mehr als 100 Beschäftigte. Erhöhter Personalbedarf durch Ferienbeginn und gestiegenes Passagieraufkommen mussten als Ausrede herhalten.

Klar, der Ferienbeginn kommt auch jedes Jahr so überraschend. Dabei ist es ein offenes Geheimnis, dass bei Kötter das ganze Jahr über zwischen 80 und 100 Leute fehlen. Dazu Germanwings: Wegen der zwangsläufig zu befürchtenden Wartezeiten werden mitunter Passagiere gebeten, bis zu vier Stunden vor Abflug bei der Sicherheitskontrolle zu erscheinen. Bis zu vier Stunden vorher? Geht's noch?

Reaktion Germanwings? "Die Bundespolizei als Aufsichtsbehörde ist darüber informiert. Man ist im Gespräch." Na dann ist ja alles gut. Hauptsache, wir haben mal darüber gesprochen.

© dpa, Daniel Naupold Lesen Sie auch: Zu wenig Kontroll-Personal am Flughafen Düsseldorf

Leider arbeiten die Kontrollen nicht nur langsam, sondern auch schlampig. Bei Tests der Bundespolizei ließ sich das Personal an den Röntgengeräten austricksen und gefährliche Gegenstände konnten am Sicherheitspersonal vorbeigeschleust werden. Näher wollte sich die Bundespolizei nicht äußern. Sie wiegelte ab: Die Test seien nicht für die Öffentlichkeit bestimmt und man habe mit der Sicherheitsfirma darüber gesprochen. Dann ist ja auch hier alles gut. Kein Wort mehr an die Öffentlichkeit.

Und über den radikalen Salafisten, der in der Gepäckabfertigung arbeitete und über den der WDR im Oktober berichtet hatte, will ich hier nicht reden. Er war auch "nicht beim Flughafen beschäftigt, sondern nur bei einem Flughafen-Dienstleistungsunternehmen", wie ein Flughafen-Sprecher mitteilte. Dann ist es ja auch hier nur halb so schlimm. Oder?

Ab in den Urlaub - aber ohne Gepäck

Am vergangenen Sonnabend hatten nun die Koffer der abfliegenden Passagiere Pech. Diesmal ging es aber nicht um einen stundenlangen Stau, jetzt dauerte es Tage. Konsequenz für die Passagiere: Ab in den Urlaub, aber ohne Gepäck. Über 1000 Gepäckstücke blieben liegen. Und das kann dauern, bis die nachgeliefert sind.

Insider berichten über andauernde Probleme mit der Gepäckbeförderung. 2013 zum Beispiel haben Urlauber wochenlang auf ihr Gepäck gewartet. Aktuelle Reaktion des Flughafens Düsseldorf: "Das Problem wird mit dem Hersteller erörtert." Also kommunikativ sind die Flughafenleute, das muss ich schon sagen.

Leider nehmen diese Art Events am Flughafen Düsseldorf kein Ende. Vor einigen Tagen gelang es einem WDR-Team, ein Paket in einen "herumstehenden Paket-Transportwagen" zu legen. Eindeutig eine Sicherheitslücke, denn der Wagen war bereits kontrolliert und wurde es danach nicht wieder.

© dpa, Roland Weihrauch Lesen Sie auch: Sicherheitslücke Luftfracht: Paket in Passagierjet geschmuggelt

Wie reagierte hier der Flughafen Düsseldorf? Er veröffentlichte eine dreiseitige Pressemitteilung, dass alles in Ordnung sei. Jeder Medienprofi weiß, das ist schon in sich ein Widerspruch. Interessanter Satz in der Meldung: "Die vom WDR beschriebene Zutrittssituation nehmen wir dennoch sehr ernst und werden zeitnah das Gespräch mit dem Luftfahrbundesamt suchen." Was heißt hier "dennoch"? Trotzdem keine schlechte Idee, sollte man machen.

Natürlich hat der Flughafen auch andere Seiten, die zeigt er an jedem ersten Sonntag im Monat. Vor kurzem kochte beispielsweise Johann Lafer am Flughafen, als ob die vielen Kochshows auf allen TV-Kanälen nicht schon genug wären. "TanzTerminal, tanz!", da kommt die rheinische Fröhlichkeit voll zur Geltung. "Let's dance", wer vom Fernsehen noch nicht genug hat, kann sich hier Nachschlag holen.

Ich weiß zwar nicht, ob das wirklich zur Profilierung des Flughafens beiträgt - aber es lenkt zumindest von den Problemen ab.

Über den Autor

In seiner Reihe "Die Born-Ansage" veröffentlicht der ehemalige Condor-Vertriebschef, TUI-Vorstand und Touristik-Honorarprofessor Karl Born auf airliners.de Kolumnen zum aktuellen Geschehen in der Luftverkehrswirtschaft.

Professor Karl BornAls Redner auf Führungskräfte- und Verbandstagungen ist Karl Born in der ganzen Welt unterwegs. Als "Querdenker der Reisebranche" für seine "Bissigen Bemerkungen" ausgezeichnet, nimmt der ehemalige Airline- und Touristikmanager auch in Sachen Luftverkehr kein Blatt vor den Mund. Kontakt

Von: Karl Born für airliners.de
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