Warum Düsseldorf die neue Betriebsgenehmigung wagt

04.05.2015 - 08:35 0 Kommentare

Wenn ein Flughafen in Deutschland eine neue Betriebsgenehmigung beantragt, ist das ein Risiko. Denn in der Regel bedeutet jede Änderung auch neue Einschränkungen. Der Flughafen Düsseldorf wagt den Schritt dennoch.

Lufthansa und Air Berlin am Flughafen Düsseldorf

Lufthansa und Air Berlin am Flughafen Düsseldorf
© dpa - O. Berg

Ludger Dohm ist Geschäftsführer der Flughafen Düsseldorf GmbH.

Ludger Dohm ist Geschäftsführer der Flughafen Düsseldorf GmbH.
© Flughafen Düsseldorf

So gut wie alle Flughäfen in Deutschland sind an individuelle Regelungen zu Themen wie Betriebszeiten oder Höchstgrenzen für Starts- und Landungen gebunden. Diese Einschränkungen sind oft Teil der offiziellen Planfeststellung, auf der die jeweiligen Betriebsgenehmigungen basieren. Sobald ein Flughafen wachsen will, können geplante Änderungen schnell zu einem Streitthema über noch schärfere Regulierungen werden. Am Ende müssen dann Kompromisse getroffen werden, so wie etwa die Einführung eines Nachtflugverbots in Frankfurt im Gegenzug für den Bau einer neuen Landebahn.

Dass der Düsseldorf Airport nun dennoch eine neue Betriebsgenehmigung anstrebt, verdeutlicht den erheblichen Zugzwang, unter dem Deutschlands drittgrößter Flughafen steht. Der Flughafen müsse auch auf längere Sicht eine Wachstumsperspektive haben, sagte jetzt der neue Flughafen-Geschäftsführer Ludger Dohm bei seinem ersten Pressegespräch. Es sei gut, dass sich der Flughafen bereits vor seinem Amtsantritt für einen Antrag auf Veränderung der Betriebsgenehmigung entschieden hätte. Dabei gehe es nicht um einen Ausbau des Flughafens, sondern um die bessere Ausnutzung der vorhandenen technischen Kapazitäten.

Engpässe trotz vorhandener Kapazität

Es gehe darum, dass der Flughafen die zweite Bahn effizienter nutzen möchte, so Dohm. So sei etwa die derzeit vorgesehene siebentägige Vorabfestlegung für ein genaues Zeitfenster für den Zweibahnbetrieb nicht nur realitätsfremd, sondern sogar kontraproduktiv. Auf kurzfristige Vorkommnisse könne so nicht reagiert werden. Die Konsequenz seien Verspätungen bis in die Nachtstunden hinein.

Dem Antrag nach sollen zukünftig in Düsseldorf in Spitzenzeiten pro Stunde zusammengerechnet bis zu 60 Flüge starten und landen dürfen. Heute sind es maximal 47 Slots, um deren Zuteilung sich die Fluggesellschaften bei der zentralen Flughafen-Koordinierungsstelle für Deutschland bewerben müssen.

Durch die Einschränkungen zu den Hauptverkehrszeiten kommt es schon heute dazu, dass nicht alle Anfragen bedient werden können - und das obwohl Düsseldorf mit aktuell rund 202.000 Flugbewegungen pro Jahr seine genehmigte Maximalkapazität von jährlich 256.000 Starts- und Landungen nicht einmal annähernd erreicht.

© AirTeamImages.com, TT Lesen Sie auch: Hintergrund: Das steht im Angerlandvergleich

Mit der nun angestrebten neuen Genehmigung wären durch eine flexiblere Nutzung des vorhandenen Zweibahnsystems theoretisch sogar bis zu 318.000 Slots zu vergeben. Bei einer realistischen Auslastung von weiterhin rund 80 Prozent rechnet Dohm aber auch dann eher mit rund 250.000 Flugbewegungen pro Jahr. Das läge dann immer noch deutlich unter dem heute genehmigten theoretischen Maximum. Man sehe sich auch weiter an den Angerlandvergleich gebunden, bekräftigte Dohm.

Der über 50 Jahre alte Vertrag mit den Nachbarn schränkt den Airpot in vielerlei Hinsicht ein. Er verbietet etwa die Nutzung der zweiten Bahn über die generelle Funktion einer "Ausweichbahn" hinaus. Im Februar hatte der Flughafenbetreiber bei der Landesregierung daher eine Ausweitung der Kapazitäten beantragt.

Entscheidung fällt frühestens 2018

Die Aussicht auf mehr Flugbewegungen im dicht besiedelten Flughafenumfeld bringen derweil die Anwohner in Rage. Erste Klagen sind bereits angekündigt. Ob und wann der Flughafen auf eine neue Betriebsgenehmigung hoffen darf, bleibt damit weiter ungewiss. Zuerst wird sich die Bezirksregierung Düsseldorf und anschließend das zuständige Ministerium mit dem Antrag befassen. Anschließend haben dann die Gerichte über eventuelle Klagen zu entscheiden.

© AirTeamImages.com, Alun Morris Jones Lesen Sie auch: Anwohner wehren sich gegen Erweiterungsprojekt am Airport Düsseldorf

Eine Entscheidung über die neue Beriebsgenehmigung fällt wohl frühestens 2018. Unklar bleiben bis dahin auch die erforderlichen Zugeständnisse. Zum Nulltarif kommt die Erweiterung ganz sicher nicht. Bereits jetzt hat der Flughafen 20 Millionen Euro für einen erweiterten Lärmschutz der Anwohner angeboten.

Von: airliners.de
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