Flughäfen sprechen sich gegen EU-weite Luftverkehrsverhandlungen aus

02.03.2016 - 17:01 0 Kommentare

Die deutschen Fughäfen halten nichts von EU-Verhandlungen über Landerechte. Der Flughafenverband ADV befürchtet eine Martabschottung, wo sich Fluggesellschaften den Schutz vor unfairer Konkurrenz erhoffen.

ADV-Hauptgeschäftsführer Ralph Beisel. - © © Flughafenverband ADV -

ADV-Hauptgeschäftsführer Ralph Beisel. © Flughafenverband ADV

Die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Verkehrsflughäfen (ADV) hat sich gegen eine Verhandlung von Luftverkehrsvereinbarungen mit Drittstaaten auf EU-Ebene ausgesprochen. "Luftverkehrsverhandlungen müssen zu einer Marktöffnung führen", sagte ADV-Hauptgeschäftsführer Ralph Beisel heute im Anschluss an die Frühjahrstagung der Vorstände und Geschäftsführer der 22 internationalen Verkehrsflughäfen.

Von liberal ausgestalteten Verträgen würden Wirtschaft, Tourismus und Regionen profitieren, so der Verband. Dabei komme es auf das Verhandlungsgeschick der Bundesregierung an. Die Verhandlungen mit anderen Staaten über Luftverkehrsrechte dürften daher nicht auf die EU-Ebene delegiert werden.

"Ein Schutzinstrument, was für die Golf-Airlines konzipiert wird, könnte schlimmstenfalls zu einer umfassenden Marktabschottung gegenüber allen anderen Airlines aus Non-EU-Staaten führen", hatte Beisel bereits zuvor gewarnt. Der Sonderfall der Golf-Airlines lasse sich nicht auf den Rest der Welt übertragen.

EU will zentral verhandeln

Die EU-Verkehrskommission unter der Leitung von EU-Komissarin Violeta Bulc will eine einheitliche EU-Außenpolitik in Sachen Luftverkehr aufbauen, die unter anderem auf EU-weit gültigen Luftverkehrsvereinbarungen basiert. Damit sollen europäische Fluggesellschaften zukünftig besser vor unfairer Konkurrenz aus Drittstaaten geschützt werden.

In Bezug auf die Anfang Dezember vorgestellte EU-Luftverkehrsstrategie befragt die EU-Kommission aktuell die Mitgliedsstaaten und listet eine ganze Reihe von Staaten auf, mit denen sie umfangreiche Verhandlungen beginnen möchte.

© European Union, 2015, Francois Walschaerts Lesen Sie auch: EU will Mandat für Luftverkehrsverhandlungen mit 21 Staaten

Zerwürfnis mit Fluggesellschaften

Mit ihrer ablehnenden Haltung zu EU-weiten Luftverkehrsverhandlungen stellen sich die Flughäfen gegen die großen Fluggesellschaften in Europa. Die Forderungen der neuen Airline-Lobbyvereinigung "Airlines for Europe" (A4E) zu niedrigeren Flughafenentgelten hatten zuletzt zu größeren Zerwürfnissen mit den Flughäfen geführt.

In einer veröffentlichten Erklärung hatten die Airlines unter anderem als Ziel benannt, durch gemeinsamen Druck niedrigere Flughafengebühren an "monopolistischen Standorten" zu erreichen. Ohne kostendeckende Entgelte könnte die Infrastruktur nicht finanziert werden, sagen dagegen die Flughäfen und wehren sich gegen den Vorwurf des Kostentreibers.

Von: dh
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