Analyse

Deutsche Airports trotzen der Air-Berlin-Pleite

26.01.2018 - 08:04 0 Kommentare

Die Passagierzahlen der deutschen Flughäfen für das vergangene Jahr fallen zwar unterschiedlich aus, aber trotz der Air-Berlin-Pleite gibt es eine klare Tendenz: Wachstum - mit einer prominenten Ausnahme.

2017 sind fast alle Flughäfen in Deutschland gewachsen. - © Collage airliners.de -

2017 sind fast alle Flughäfen in Deutschland gewachsen. Collage airliners.de

Fast alle deutschen Airports haben ihre Passagierzahlen für das vergangene Jahr bereits vorgelegt. Vergleicht man die Zahlen, wird eines deutlich: Die überwiegende Mehrzahl hat 2017 mehr Passagiere abgefertigt als im Vorjahr. Insgesamt liegt das Plus bei rund 5,2 Prozent.

So sind im vergangenen Jahr die Passagierzahlen an neun der zehn größten deutschen Airports gewachsen. Einzig der Berliner Flughafen Tegel musste einen Passagierrückgang um fast vier Prozent hinnehmen.

War 2016 noch ein Jahr der Stagnation am Frankfurter Flughafen, verzeichnete der größte deutsche Airport im vergangenen Jahr wieder einen Zugewinn an Fluggästen um sechs Prozent. Frankfurt kann damit den vierten Platz unter den passagierreichsten Flughäfen Europas erneut gegen Istanbul behaupten.

© dpa, Boris Roessler Lesen Sie auch: Deutschlands Airports verbessern sich im europäischen Vergleich Analyse

Bei den deutschen Top-10 reicht die Spanne der abgefertigten Reisenden von 64,5 bis 4,2 Millionen. Das größte Plus verbuchte mit rund 20 Prozent der Flughafen Nürnberg. Auch noch knapp zweistellig wuchs der zweite Berliner Airport in Schönefeld. Ein überdurchschnittliches Plus legten außerdem die Flughäfen Hamburg und Hannover mit über acht Prozent hin.

Fluggastzahlen an Deutschlands größten Airports 2017
Passagierzahen in Millionen gerundet
Frankfurt
(+6,1 %)
64.5
München
(+5,5 %)
44.6
Düsseldorf
(+4,8 %)
24.6
Berlin-Tegel
(-3,7 %)
20.5
Hamburg
(+8,6 %)
17.6
Berlin-Schönefeld
(+10,4 %)
12.9
Köln/Bonn
(+4,0 %)
12.4
Stuttgart
(+3,1 %)
10.9
Hannover
(+8,5 %)
5.9
Nürnberg
(+20,0 %)
4.2

Quelle: Airport-Angaben

Air-Berlin-Aus hat nur wenig Auswirkungen

Das Thema des Jahres, die Pleite der Air Berlin, hatte 2017 insgesamt relativ geringe Auswirkungen auf die Passagierzahlen für das Gesamtjahr. Allerdings ist Air Berlin im vergangenen Jahr auch noch zehn von zwölf Monaten geflogen.

Immerhin besaß die Air Berlin Group noch im September, also kurz nach Bekanntgabe der Insolvenz, einen Anteil von 25 Prozent am Inlandsverkehr und rund 13 Prozent beim Europaverkehr an deutschen Airports.

Wirklich getroffen hat das Aus vor allem das ehemalige Air-Berlin-Drehkreuz in Berlin-Tegel, wo sich nun allerdings viele ausländische Airlines engagieren. Wohingegen am anderen Air-Berlin-Hub Düsseldorf die weggefallenen Kapazitäten vor allem durch Eurowings aufgefangen wurden.

Auch die kleineren Airports wachsen

Anders als noch im Vorjahresvergleich sind 2017 auch die Fluggastzahlen bei den kleineren Airports wieder gestiegen. Fast alle legten zu, nur vier Flughäfen mussten Verluste einstecken.

Dabei gab es den größten Passagierverlust am Flughafen in Saarbrücken. Der Airport verlor rund sieben Prozent der Passagiere und beförderte so nur 370.000 Reisende. Damit ist der Airport auch der kleinste in unserer Analyse.

Aber auch der Flughafen Hahn hat knapp fünf Prozent weniger Passagiere abgefertigt als noch 2016. Rund ein Prozent minus verbuchten die Flughäfen in Bremen und Friedrichshafen.

Den größten Passagierzuwachs mit fast 24 Prozent schaffte der Airport Münster/Osnabrück. Die Gründe für das starke Wachstum lagen in der starken Zunahme des Ferien- sowie des Business-Verkehrs, aber auch im niedrigen Vorjahresniveau, wie Flughafenchef Rainer Schwarz erst kürzlich im airliners.de Interview erläuterte.

© airliners.de, Lesen Sie auch: "Vorteile eines kleineren Flughafens nutzen" Interview

Auch der Flughafen Memmingen konnte 2017 mit rund 18,4 Prozent und rund 1,2 Millionen Passagieren ein Rekordjahr verzeichnen. Ein zweistelliges Plus registrierte zudem der Flughafen Karlsruhe. Mit einer Steigerung um fast acht Prozent hat auch Leipzig/Halle das abgelaufene Jahr positiv abgeschlossen. 2016 musste der Airport noch ein Minus von sechs Prozent verbuchen.

Passagierzahl-Zugewinne zwischen fünf und einem Prozent registrierten zudem die Airports Paderborn/Lippstadt, Dortmund, Dresden und Weeze.

Verkehrsentwicklung an Deutschlands kleineren Flughäfen

Passagiere
in Millionen
Veränderung
in Prozent
Münster/Osnabrück 0,9 +23,2
Memmingen 1,2 +18,4
Karlsruhe/Baden-Baden 1,3 +12
Leipzig/Halle 2,3 +7,7
Paderborn/Lippstadt 0,7 +5,1
Dortmund 2 +4,3
Dresden 1,7 +2,5
Weeze 1,9 +1,7
Friedrichshafen 0,5 -1,0
Bremen 2,5 -1,3
Hahn 2,5 -5,2
Saarbrücken 0,4 -7,6

Veränderungen 2017 im Vergleich zu 2016, Quelle: Airport-Angaben

Wachstum dank Billigfliegern

Das starke Wachstum an deutschen Flughäfen im vergangenen Jahr erklären viele Airportbetreiber mit dem verstärkten Engagement der Billigflieger in Deutschland. Im März eröffnete Ryanair zum Beispiel eine Basis in Frankfurt und baute diese im Laufe des Jahres weiter aus. Gleichzeitig erklärt das auch den Rückgang der Passagierzahlen am Flughafen Hahn. Auch in Nürnberg brachte - neben dem Engagement von Ferienflieger Germania - die neue Ryanair-Basis Zuwächse.

Damit bestätigt sich auch in Deutschland die Analyse der Internationalen Organisation für zivile Luftfahrt der Uno (Icao). Sie kommt zu dem Schluss, dass Low-Cost-Carrier weltweit ein wichtiger Wachstumsmotor für die Luftfahrt sind.

© AirTeam Images, Carlos Enamorado Lesen Sie auch: Icao vermeldet Rekordjahr für die zivile Luftfahrt

Von: br
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