Fluggesellschaften und Piloten fordern neue Richtlinien zur Flugroutensicherheit

28.07.2014 - 12:32 0 Kommentare

Nach dem mutmaßlichen Abschuss von Flug MH17 und der Raketen in Israel hat die ICAO für Dienstag eine Dringlichkeitssitzung anberaumt. Bereits im Vorfeld äußern sich Piloten und Fluggesellschaften.

Ein Flugzeug hinterlässt über Frankfurt am Main Kondensstreifen am Himmel. - © dpa - Daniel Reinhardt

Ein Flugzeug hinterlässt über Frankfurt am Main Kondensstreifen am Himmel. dpa /Daniel Reinhardt

Die Internationale Zivilluftfahrtorganisation (ICAO) will am morgigen Dienstag über die Risiken bei Flügen über Konfliktgebieten beraten. Bei dem Treffen auf Führungsebene werde es in Montréal unter anderem darum gegen, wie sich "mögliche Risiken für die Zivilluftfahrt, die von Konfliktgebieten ausgehen, wirksamer vermindern lassen", erklärte die ICAO am Freitag. Zu der Sitzung am kanadischen Hauptsitz der Organisation würden unter anderen ICAO-Generalsekretär Raymond Benjamin und der Chef des internationalen Luftfahrtverbands IATA, Tony Tyler, erwartet.

Bereits vor dem Treffen hat sich Malaysia Airlines zu Wort gemeldet. Die Fluggesellschaft fordert eine Überarbeitung der Richtlinien zur Flugroutensicherheit. Der Absturz des Flugs MH17 werde "beispiellose Auswirkungen auf die Luftfahrtindustrie" haben, schrieb der kaufmännische Leiter des Unternehmens, Hugh Dunleavy, in der britischen Tageszeitung "The Telegraph". Es dürfe nicht länger in der Verantwortung der Unternehmen liegen, die Sicherheit von Flugrouten einzuschätzen.

Wir sind keine Geheimdienste, sondern Fluggesellschaften

Hugh Dunleavy

Malaysia Airlines sieht sich dem Vorwurf ausgesetzt, zu einem Zeitpunkt die umkämpfte Ostukraine überflogen zu haben, als einige westliche Fluggesellschaften bereits aus Sicherheitsgründen darauf verzichteten. Das Unternehmen verweist hingegen darauf, dass die Flugroute von MH17 nach den gängigen Regeln als sicher eingestuft worden sei. Airlines seien keine Geheimdienste, so Dunleavy. Sowohl von der ukrainischen als auch von der malaysischen Luftfahrtaufsicht gab es vor dem Absturz keine Sicherheitswarnungen.

Dunleavy forderte, dass die Fluggesellschaften, die ICAO und der Internationale Luftfahrtverband IATA gemeinsam "mehr stringente Maßstäbe" für die Sicherheit von Flugrouten ausarbeiten sollten.

Piloten fordern mehr Vorsicht

Als Reaktion auf MH17 und Tel Aviv fordert die Pilotengewerkschaft Cockpit neue internationale Sicherheitsregeln und mehr Vorsicht beim Überfliegen von Krisenherden. «Es müssen auf internationaler Ebene Instrumentarien geschaffen werden, die einen vergleichbaren Standard gewährleisten, so dass sich der wirtschaftliche Druck nicht zu sehr auf Sicherheitsentscheidungen auswirkt», sagte Sprecher Jörg Handwerg der «Leipziger Volkszeitung».

Das erlebe man aktuell mit der Aufhebung des Flugverbots für Tel Aviv. Sobald eine Airline anfange, zu fliegen, würden dich die anderen unter Druck gesetzt fühlen, dies auch zu tun. Die Pilotenvereinigung Cockpit hatte die Lufthansa bereits in der vergangenen Woche scharf dafür kritisiert, dass sie sofort nach der Aufhebung des EASA/FAA-Flugverbots für Tel Aviv wieder nach Israel abhob.

Inzwischen werde «bis runter zum absoluten gesetzlichen Minimum abgebaut, gespart, reduziert». Dem gelte es etwas entgegensetzen, «wenn wir nicht eine Zunahme an Unfällen sehen wollen». Angesichts der vielen Krisenherde stelle sich die Frage «manchmal täglich neu», ob ein Überflug noch verantwortbar sei. «Wenn es zu unsicher ist, muss man auch rasch den Mut haben, konsequent zu handeln.» Generell sei Fliegen aber weiter sehr sicher.

© dpa, Lesen Sie auch: Deutsche Fluggesellschaften fliegen wieder nach Tel Aviv

Das Wall Street Journal zitiert einen Sicherheitsberater, der von aktuell etwa 41 bewaffneten Konfliktsituationen weltweit" spricht. Auch wenn die meisten Konflikte "kleine, begrenzte Auseinandersetzungen" seien, in denen keine Boden-Luft-Raketen zum Einsatz kommen würden, könne man die Notwendigkeit einer Notandung in solchen Gebieten nie ganz ausschließen.

Von: airliners.de mit AFP, dpa
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